EU-Konjunkturprognose: Aufschwung im Schneckentempo

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EU-Konjunkturprognose: Aufschwung im Schneckentempo

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Deutschlands Wirtschaft zieht weiter an. Die Krisenländer der Euro-Zone hingegen müssen sich in den kommenden Jahren mit geringen Wachstumszahlen begnügen. Auch beim Defizitabbau kommen die südeuropäischen Staaten nicht voran.

von Tim Rahmann

Die EU-Kommission hebt ihre Konjunkturprognose leicht an. Nach Jahren der Krise ist es aber für eine Entwarnung zu früh.

Die guten Nachrichten sind unverkennbar: Die Konjunktur in Europa kommt nach Jahren der Krise wieder in Schwung. Die Wirtschaft in den 28 EU-Staaten wird nach Einschätzung der EU-Kommission im laufenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen, das sind 0,1 Punkte mehr als bisher angenommen. Für 2015 wird ein Plus von 2,0 Prozent erwartet. "Die Wiederherstellung des Gleichgewichts der europäischen Wirtschaft macht Fortschritte, und die externe Wettbewerbsfähigkeit verbessert sich, insbesondere in den wirtschaftlich schwächsten Ländern", freut sich EU-Währungskommissar Olli Rehn bei der Vorstellung der Zahlen in Straßburg.

Der Finne lobte anschließend, dass etwa Griechenland erstmals seit 1949 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss ausweist. Das liegt aber primär an den eingebrochenen Importzahlen, als an beeindruckenden Exportstatistiken. Daher dürfte sich vor allem Spanien als Gewinner der Winterprognose fühlen. Glaubt man der EU-Kommission wird die iberische Wirtschaft in diesem Jahr um ein Prozent wachsen - das ist immerhin doppelt so viel wie bisher angenommen. Damit mehren sich die Anzeichen, dass Spanien das Schlimmste überstanden haben könnte. Schon zuvor stellten Politik und Wirtschaft in Madrid erleichtert fest, dass die Exporte zulegen, ausländische Investoren vermehrt Anteile an spanischen Unternehmen kaufen und auch das Urlaubsland auch an den Anleihemärkten neues Vertrauen genießt.

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Wirtschaftsausblick Deutschland

  • Was Hoffnung macht

    Deutschland ist bestens für den internationalen Wettbewerb gerüstet. Deutsche Waren sind weltweit gefragt. Auch die Binnennachfrage wächst. Die Arbeitslosigkeit liegt bei moderaten 6,5 Prozent.

  • Was Sorgen macht

    Die Infrastruktur ist zum Teil dringend sanierungsbedürftig. EU-Währungskommissar Olli Rehn mahnte Berlin, Investitionen zu tätigen. Nur so könne Deutschland langfristig produktiv und wettbewerbsfähig bleiben. Auch müssten mehr Frauen erwerbstätig werden.

Doch so schön es ist, nach den langen Durststrecken in Südeuropa mal wieder positive Nachrichten zu vermelden - ganz so rosig fällt das Fazit der europafreundlichen EU-Kommission dann doch nicht aus. Die erfreulichen Meldungen seien kein Gründe, um selbstgefällig zu werden", warnte Rehn. „Die Stärkung der Binnennachfrage in diesem Jahr dürfte uns zu einem ausgewogeneren, nachhaltigeren Wachstum verhelfen“, so der liberale Finne. Die Arbeitslosigkeit sei aber nach wie vor hoch. In Spanien etwa werden laut Prognose im Jahresdurchschnitt 25,7 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter ohne Job. In Griechenland 26 Prozent. Rehn forderte die Mitgliedstaaten auf, auf Reformkurs zu bleiben, um den Aufschwung zu stärken und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Eine Herkules-Aufgabe angesichts des Aufschwungs im Schneckentempo.
Auch beim Schuldenabbau kommen die Euroländer nicht voran. Im Gegenteil: So steigt die Neuverschuldung in Spanien im kommenden Jahr wieder an: auf 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 5,8 Prozent im laufenden Jahr. Madrid hatte den EU-Partnern zugesichert, 2016 wieder die Maastrichter Defizitgrenze von 3 Prozent einzuhalten. Nach den vorliegenden Zahlen dürfte das kaum zu schaffen sein.

Wirtschaftsausblick Spanien

  • Was Hoffnung macht

    Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wird die Rezession hinter sich lassen. Im kommenden Jahr ist ein Plus von 1,0 Prozent realistisch, bisher ging Brüssel nur von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus. Und: Die Banken sind stabilisiert, Spanien hat bislang nur rund 40 von 100 Milliarden an Rettungsgeldern für die Banken-Sanierung abrufen müssen.

  • Was Sorgen macht

    Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen. Das Tempo der Erholung reicht aber nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,7 Prozent schrumpfen. Die Staatsverschuldung soll bis dahin sogar von 94,8 auf 104,3 Prozent klettern.

Auch Frankreich reißt die Kriterien. Die Hollande-Regierung wird in diesem Jahr ein Minus von 3,8 Prozent einkalkulieren müssen. Auch 2015 wird Paris keinen ausgeglichenen Haushalt erreichen: das Defizit wird dann sogar noch leicht steigen (auf 3,9 Prozent). Europa müssen entschlossen die Probleme angehen, mahnt Rehn. Denn: "Das größte Abwärtsrisiko für die Wachstumsaussichten ist ein erneuter Vertrauensverlust, zu dem es kommen könnte, wenn die Reformen auf nationaler oder auf europäischer Ebene ins Stocken geraten."

Wirtschaftsausblick Italien

  • Was Hoffnung macht

    Die neue Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi hat erkannt, dass Reformen nötig sind und hat etwa angekündigt, den Arbeitsmarkt und das Steuersystem erneuern zu wollen. m Silvio Berlusconi gut überstanden und geht gestärkt aus dem Streit mit dem Ex-Premier hervor. 2014 wird ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen und die Rückkehr in die positive Zone garantieren.

  • Was Sorgen macht

    Die Arbeitslosenquote soll im kommenden Jahr leicht steigen, 2015 aber mit 12,1 Prozent wieder leicht unter dem Niveau von 2013 liegen. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 133,1 Prozent des BIP leicht über dem Niveau von 2013 bleiben.

Und so kassierte auch der neu gewählte italienische Ministerpräsident Matteo Renzi gleich seine erste Absage von der EU. Der 39-Jährige möchte mehr Zeit beim Schuldenabbau bekommen und neue Schulden machen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Ob sich Brüssel auf so einen Deal einlassen könnte, wurde der Währungskommissar gefragt. Antwort: "Ich habe in dieser Debatte keine Neuigkeiten zu verkünden", so Rehn, der abschließend davor warnte, dass „eine auf Dauer extrem niedrige Inflation“ Risiken bergen könnte. Die Möglichkeit einer EU-weiten Deflation werde jedoch als äußerst gering eingestuft. Europa hat derzeit also - trotz einzelner guter Nachrichten - andere Sorgen. (mit Material von dpa)

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