EU-Osterweiterung: Ausdehnung ist eine Erfolgsstory mit kleinen Makeln

EU-Osterweiterung: Ausdehnung ist eine Erfolgsstory mit kleinen Makeln

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Am 1. Mai 2004 traten zehn Länder der Europäischen Union bei. Ist die EU-Osterweiterung eine Erfolgsgeschichte?

von Hans Jakob Ginsburg

Vor zehn Jahren traten zehn Staaten der EU bei. Der Kraftakt der EU-Osterweiterung hat sich gelohnt - doch zum Übermut besteht kein Anlass.

Auf einen Schlag wurden am 1. Mai 2004 acht Länder zu Mitgliedern der Europäischen Union, die anderthalb Jahrzehnte zuvor den Kommunismus abgeschüttelt hatten, dazu die kleinen Inselstaaten Malta und Zypern. Mit Estland, Lettland und Litauen, mit Polen, Tschechien und der Slowakei, mit Ungarn und Slowenien wurde die EU größer, unübersichtlicher und im Durchschnitt gesehen erst einmal ärmer. In Polen, dem mit Abstand einwohnerreichsten der Beitrittsländer, betrug das Pro-Kopf-Einkommen im Durchschnitt 43 Prozent des Durchschnitts der 15 „alten“ EU-Länder.  In den acht ex-kommunistischen Beitrittsländern erwirtschafteten die insgesamt 73 Millionen Einwohner  nach Berechnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von 594 Milliarden US-Dollar, knapp 22 Prozent des damaligen BIP in Deutschland. Dieses Jahr werden es nach IWF-Schätzung um die 29 Prozent sein, deutlich über 1,1 Milliarden Dollar.

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Natürlich kann man die Beitrittsländer von 2004 nicht über einen Kamm scheren. Das stärkste Wachstum über den Zehnjahreszeitraum hatte die Slowakei, der man das am Beitrittstag kaum zugetraut hätte. Das kleine Land, in den ersten Jahren nach dem Ende des Kommunismus keineswegs besonders reformfreudig, mauserte sich zum großen europäischen Zentrum des Automobil- und Maschinenbaus, und seine Wirtschaft wuchs nominal um 143 Prozent. Vergleicht man solche Wachstumsraten, folgen dicht auf die Slowakei die kleinen baltischen Staaten Lettland und Estland, wo das Wachstum natürlich auch darum so stark war, weil die Ausgangsbasis nach jahrzehntelanger sowjetischer Misswirtschaft besonders mickrig war.

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Für Osteuropa hat sich der Beitritt ausgezahlt

Auf Platz vier steht aber schon das viel größere Polen mit 115 Prozent nominellem Wachstum. In diesem Jahr verdient der durchschnittliche Pole nicht mehr 43 Prozent vom Einkommen des durchschnittlichen Westeuropäers, sondern 63 Prozent. Vor 2004 gab es nach IWF-Erkenntnissen weltweit keine offene Grenze zwischen zwei Nachbarstaaten mit höherem Lohngefälle als die zwischen Polen und Deutschland. Davon ist keine Rede mehr: Zwischen Mexiko und den USA liegen nach wie vor ökonomische Welten, aber bei der Fahrt über die deutsch-polnische Grenze etwa zwischen dem östlichen Mecklenburg-Vorpommern und der Hafenstadt Stettin von ökonomischem Gefälle nicht mehr viel zu spüren.

Dank der EU-Erweiterung sind die Volkswirtschaften der vier großen Beitrittsländer Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei seit 2004 durchschnittlich um 3,4 Prozent im Jahr gewachsen; ohne den Beitritt wären es nur 2,5 Prozent gewesen, schätzt die österreichische Erste Bank, die in all diesen Ländern stark engagiert ist. Für neuen EU-Länder hat sich der Beitritt also ausgezahlt – aber auch für die Westeuropäer? Seit 2004 sind happige 131 Milliarden Euro Fördergelder der EU nach Osten geflossen – warum eigentlich?

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