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EU-Reform: Ärger um Finanztransaktionssteuer

von Tim Rahmann

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel wollen Finanzgeschäfte in Europa besteuern. Macht das Sinn, wenn nicht alle Länder mitziehen? Die FDP hat ihre Zweifel und warnt Merkel eindringlich.

Gewinner und Verlierer des neuen Europas
Großbritannien
David Cameron pokerte hoch, zu hoch. Der britische Premier forderte Sonderrechte für Großbritannien für die Zustimmung zu Änderung der europäischen Verträge, etwa ein Vetorecht gegen künftige Finanzmarktregulierungen. Dies lehnte Europa ab, das Königreich wird sich demzufolge automatischen Sanktionen der EU-Kommission nicht unterwerfen. Großbritannien hätte bei einem Ja zu automatischen Sanktionen zudem mit hohen Strafen rechnen müssen. Schließlich fand Cameron zu seinem Amtsantritt im Mai 2010 ein Haushaltsdefizit von 11,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Auch in diesem Jahr wird das Haushalsdefizit bei rund acht Prozent liegen – und damit deutlich über dem Maastricht-Grenzwert von 3,0 Prozent. Großbritannien wird nun wohl zum Außenseiter Europas, nicht mehr nur geografisch. „Eigentlich war die Situation 26 gegen einen“, beschrieb ein Diplomat die Stimmung auf dem EU-Gipfel.

Bild: REUTERS

James Tobin sorgt mal wieder für Diskussion. Der Wirtschaftswissenschaftler forderte 1972 erstmals, Devisengeschäfte zu besteuern und so Währungsschwankungen zu umgehen. Auch vier Jahrzehnte später ist die „Tobin-Steuer“ weiter heftig umstritten.

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In Nicolas Sarkozy hat James Tobin einen Verfechter seines Vorschlags gefunden. Der französische Präsident, mitten im Wahlkampf für die anstehenden Präsidentenwahlen im April und Mai, prescht bei der Einführung der Finanztransaktionssteuer vor. Sein Land wolle die umstrittene „Tobin-Steuer“ notfalls auch alleine durchsetzen, erklärte Sarkozy gestern in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Besteuerung des Devisenhandels ebenfalls für „sinnvoll“, möchte die Steuer aber am liebsten flächendeckend in ganz Europa einführen. Sollte es keinen Konsens innerhalb der Europäischen Union geben, könne sie sich aber auch vorstellen, in kleinerem Rahmen die Einführung der Steuer zu forcieren.

Widerstand aus Großbritannien und Schweden

Merkels Koalitionspartner, die Liberalen, laufen gegen die Pläne Sturm. FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagte der „Frankfurter Rundschau“: „Ich bleibe dabei: Eine solche Steuer muss für alle EU-Länder gelten, nicht nur für die Euro-Staaten.“ Andernfalls führe eine solche Steuer, über die seit geraumer Zeit auf internationaler Ebene diskutiert wird, zu Wettbewerbsverzerrungen und belaste den Finanzstandort Deutschland einseitig. Rösler forderte Merkel auf, auf die verabredete Linie zurückzukehren und bei diesem Thema auf eine EU-weite Lösung zu dringen. „Das muss unser gemeinsames Ziel sein“, sagte er.

Dass es zu einem Konsens unter den 27 Staaten der Europäischen Union kommt, ist ausgeschlossen. Großbritannien Premier David Cameron kündigte schon beim EU-Gipfel im Dezember an, für sein Land komme die Einführung einer Finanztransaktionssteuer nicht in frage. Auch Schweden steht der Sondersteuer ablehnend gegenüber.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.01.2012, 14:22 Uhrzarromanowski

    Die Finanztransaktionen verlagern sich ins Ausland, die BRD nimmt anstelle der großartig rausposaunten 40 Milliarden EUR p. A. nur noch 5 Milliarden EUR p. A. an Steuern ein. Und der größte Schock kommt noch, die Bürger die Altersvorsorge betreiben, bezahlen indirekt über Gebühren der Banken diesen Unsinn auch noch mit. Die naivsten Politiker dieser Welt sind in der BRD beheimatet, denn sie schaden ihrem eigenen Volk immer mehr, indem sie es schlicht und einfach über immer neue Steuern und Abgaben enteignen und letztendlich unmümdig machen. Der Irrweg Transaktionssteuer wurde von Schweden schonmal bestritten - mit desaströsen Mindersteuereinnahmen für den Staat, der damals seine Bürger als Versuchskaninchen schändlich mißbrauchte. Übrigens, es gibt tatsächlich deutsche und französische, Staatsoberhäupter die immer noch in ihrer Weltfremdheit glauben - nur die Banken bezahlen die Steuer.

  • 10.01.2012, 12:44 UhrNichtDumm

    hoffentlich lässt Merkel sich von ihrem französischen Freund nicht wieder ins Bett ziehen ... am Ende bleibt sie und ihr Land dann wieder nackt alleine liegen und bezahlt die Zeche.

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