EU-Verordnung: Damit am Gold kein Blut klebt

EU-Verordnung: Damit am Gold kein Blut klebt

Wer einen Goldring kauft, möchte damit nicht Terror oder Bürgerkrieg finanzieren. Doch wer garantiert die Herkunft des Edelmetalls? Die EU hat eine Verordnung beschlossen, die Industrie hat eigene Standards. Reicht das?

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Unter welchen Umständen wurde das glänzende Edelmetall gewonnen? Diese Frage wird nicht immer beantwortet.

Gold glänzt als Schmuck, Wertanlage oder technischer Rohstoff. Ob Blut an ihm klebt, es Kriege finanziert oder unter unverantwortlichen Sozial- und Umweltbedingungen gewonnen wurde, sieht man Gold nicht an. Rund 300 Tonnen pro Jahr kommen aus Kleinstproduktionen, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Fachvereinigung Edelmetalle in Pforzheim, Dietmar Becker. „Die kleinen Minen sind stärker konfliktanfällig“, weiß der Manager aus dem Vorstand der Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt Agosi.

Der Weltmarkt für Gold umfasste im vergangenen Jahr mehr als 4500 Tonnen, davon knapp 1300 Tonnen aus Recycling. Die großen Goldminenunternehmen seien durch Druck von Kunden, Politik und Öffentlichkeit gezwungen, ihre Arbeitsweise offenzulegen, sagt Becker. „Wir wollen sicherstellen, dass unsichere Quellen unser Geschäftssystem nicht infiltrieren.“ Er bekomme aber laufend Angebote von dubiosen Goldhändlern.

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Becker nennt das afrikanische Land Ghana als Beispiel. Dort seien mit chinesischer Hilfe Straßen gebaut worden. Viele chinesische Arbeiter seien dort geblieben und versuchten sich jetzt als Goldschürfer. „Die Gefahr geht von örtlichen Aufkäufern und Exporteuren aus.“ Korruption sei an der Tagesordnung.

Gerade im Kleinstbergbau gebe es weder Sozial- noch Umweltstandards. Dort würden 60 Prozent des weltweit in der Goldproduktion eingesetzten giftigen Quecksilbers verbraucht - ohne Sicherheitsvorkehrungen und mit Konsequenzen für die Gesundheit der Arbeiter. „Aber die Leute machen das nicht aus Vergnügen, sondern um zu überleben“, sagt Becker.

Die großen Unternehmen der Goldindustrie haben nach Beckers Angaben seit Jahren eigene Programme, um sicherzustellen, dass ihr Rohstoff aus sauberen Quellen stammt. Becker sieht aber Grenzen: „Wir sind keine Staatsanwaltschaften, wir sind Unternehmen. Wir haben als Unternehmen weder die Mittel noch die Rechte von Staatsanwaltschaften. Von Quellen mit zu hohem Prüfungsaufwand müssen wir schon aus wirtschaftlichen Gründen fernbleiben.“ Auch die Regierungen seien gefordert.

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Da setzt eine neue Verordnung der EU an. Sie verlangt Herkunftsnachweise, allerdings erst ab 2021. Die deutschen Unternehmen sehen das im Prinzip positiv, fordern aber, dass ihre eigenen Zertifizierungen anerkannt werden und ihnen keine weitere Bürokratie aufgebürdet wird. „Die Unternehmen haben viel vorweggenommen“, sagt der Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle, Wilfried Held.

Das größte Problem sei die Menge von 100 Kilogramm pro Jahr, die Kleinhändler ohne Nachweise importieren dürfen. Zwar sollen rund 98 Prozent des Goldes vom EU-System erfasst werden, aber Held bewertet den Rest als Gefahr. „Wir sehen darin eine Schwächung des Systems.“ 100 Kilogramm hätten immerhin einen Wert von fast vier Millionen Euro. Becker befürchtet bei Verfehlungen einen Imageschaden für die gesamte Branche.

Der Rohstoffexperte des Vereins PowerShift, Michael Reckordt, sieht in der EU-Verordnung nur einen ersten Schritt. Die verarbeitende Industrie sei aber von den Sorgfaltspflichten ausgenommen und die EU habe mit den recht hohen Schwellenwerten Schlupflöcher geschaffen, kritisiert er.

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Quelle: dpa

Neben Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefahren durch Quecksilber- und Cyanideinsatz sieht Reckordt im unkontrollierten Goldbergbau die Gefahr des Schmuggels. „Gold kann einfach geschmuggelt werden und so illegal bewaffneten Gruppen helfen, sich zu finanzieren oder Drogenkartellen helfen, Geld zu waschen.“

Die Grünen-Europaabgeordnete Ska Keller hätte sich eine Verordnung gewünscht, die sicherstellt, dass keine Konfliktmineralien auf den europäischen Markt gelangen. „Das haben wir nicht erreicht“, teilte sie mit. Es sei aber ein Schritt in die richtige Richtung. „Das Gesetzeswerk wird nach dem Inkrafttreten auf Wirksamkeit überprüft.“ Auch Keller hält die Schwelle von 100 Kilogramm für zu hoch. Die Sorge um hohe Kosten durch die Verordnung hält sie dagegen für übertrieben. Eine ähnlich umfassende Regelung in den USA habe die Kosten der Unternehmen nur um einen Bruchteil ihrer Einnahmen erhöht.

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