Euro: Arme Exportweltmeister

Euro: Arme Exportweltmeister

von Frank Doll

Hohe Leistungsbilanzüberschüsse und ein auf über 1000 Milliarden Euro angeschwollenes Netto-Auslandsvermögen sind nur schöner Schein. Der Euro hat in Deutschland keinen Wohlstand geschaffen.

In Europa macht Erfolg verdächtig und zahlungspflichtig. Seit nunmehr acht Jahren erzielt Deutschland jährliche Leistungsbilanzüberschüsse jenseits der Marke von fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Diese Erfolgsserie spiegelt sich in einem steigenden Auslandsvermögen. Unlängst gab die Deutsche Bundesbank bekannt, dass das deutsche Netto-Auslandsvermögen im Schlussquartal 2012 auf ein Rekordvolumen von 1.070 Milliarden Euro gestiegen ist. Eigentlich ein Grund zum feiern, Leistung lohnt sich eben doch. Nur entpuppen sich diese Rekordzahlen bei genauerer Betrachtung als schöne Illusion und als weiterer Beleg für das Scheitern des Euro. Denn die permanenten Leistungsbilanzüberschüsse werden im Wesentlichen von Deutschland selbst finanziert, über Auslandskredite deutscher Banken und vor allem über das europäische Target2-Zahlungssystem. Es sind also letztlich nur Forderungen gegenüber dem Ausland. Und Forderungen können faul werden, vor allem wenn sie gegenüber insolventen Krisenländern der Eurozone bestehen. Genau aus diesem Grund haben sich die deutschen Banken auch aus der Finanzierung der Krisenländer stark zurückgezogen. Insgesamt verringerten sie ihre Netto-Auslandsforderungen von rund 520 Milliarden Euro Ende 2008 auf knapp 108 Milliarden Euro Ende 2012. Zwischenzeitlich hatten sich die Banken im vergangenen Jahr gar komplett verabschiedet und waren zeitweise Netto-Auslandsschuldner. Aber die Risiken waren damit natürlich nicht verschwunden, sie landeten nur woanders, via Target2 bei der Bundesbank und damit beim deutschen Steuerzahler.

Währungsunion Spaltet der Euro Europa? Ja!

Der Euro sollte die Europäer verbinden. Tatsächlich offenbart die Eurokrise nun eher die fundamentalen Unterschiede. So viel Zwietracht wie heute gab es noch nie in der Geschichte der Europäischen Einigung.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Parallel zum Abbau der Auslandsforderungen deutscher Banken stiegen die Target2-Forderungen der Bundesbank. In der Spitze erreichte der Saldo im August 2012 plus 751 Milliarden Euro. Mit der zaghaften Rückkehr der Banken in die Finanzierung des Auslands verringerte sich der Saldo bis Ende 2012 auf 656 Milliarden Euro. Bis März ging er weiter zurück auf 589 Milliarden Euro. Doch auch diese Summe ist immer noch kein Pappenstiel und sie kann sich rasch wieder vergrößern, wenn die Kapitalflucht aus der Peripherie wieder zunimmt, womit jederzeit zu rechnen ist. So halten sich seit Tagen Gerüchte, dass in Irland eine der großen (Rest-)Banken vor dem Aus steht. Auch eine große europäische Bank sei angeblich wieder in einer bedrohlichen Schieflage.
Vor allem das LTRO-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den deutschen Banken den Ausstieg aus den Staatsanleihen der Euro-Krisenländer erleichtert. Die Käufer der Papiere waren vor allem spanische und italienische Banken. Deren Klumpenrisiko mit Schuldpapieren ihrer Regierung hat sich dadurch noch weiter vergrößert. Letztlich sind sie durch LTRO noch krisenanfälliger geworden als zuvor schon.

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