Euro-Austritt: In 46 Stunden zurück zur Drachme

Euro-Austritt: In 46 Stunden zurück zur Drachme

Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist längt nicht mehr ausgeschlossen. Zu groß sind die Probleme Athens, zu groß die Widerstände der Bevölkerung. Doch wie könnte eine Rückkehr zur Drachme funktionieren? Fest steht: Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit.

In einem waren sich die Staats- und Regierungschefs beim EU-Sondergipfel einig: Athen soll in der Währungsunion bleiben. Doch spätestens nach den Neuwahlen am 17. Juni werden die Karten neu gemischt. Der Linksradikale Alexis Tsipras, der den Umfragen zur Folge auf einen Wahlerfolg hoffen kann, hält nichts vom Sparen. Da hebt Brüssel den Zeigefinger: Werden die Ausgaben nicht gesenkt und Reformen durchgeführt, gibt es kein Geld mehr aus Brüssel. Ohne Geld bliebe nur der Austritt aus der Währungsunion.

Laut Insiderkreisen bereiten sich die internationalen Großbanken schon seit 2009 auf die Wiedereinführung der griechischen Währung vor. Auch der weltgrößte private Gelddrucker, De La Rue, sitzt in den Startlöchern. Zuletzt druckten die Briten vor zwei Jahrzehnten die Drachme. Kommt die alte griechische Währung jetzt zurück, müsste De La Rue den Staatsdruckereien aushelfen, sonst kämen die nicht hinterher. Bereits im November hatte De-La-Rue-Chef Tim Cobbold gesagt, dass sowohl die Schuldenkrise in Europa als auch Regimewechsel in Staaten wie Libyen neue Geschäftschancen für sein Unternehmen böten.

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Zwei Tage Zeit zum Umstellen
Seit 1945 gab es zahlreiche Währungsreformen auf der ganzen Welt. Allerdings steht Griechenland unter so großem Druck, dass eine geräuschlose Umstellung auf die Drachme unmöglich erscheint. Schon das Bekanntwerden von Vorbereitungen der Regierung auf ein Comeback der Drachme würde einen Bankenansturm auslösen. „Ein Euro-Austritt ist technisch machbar“, sagte Analyst Davi Lea von Control Risk. „Aber das gut durchzuführen, ist extrem schwierig. Dazu bedarf es einer Menge Planung und Zustimmung. Und angesichts der aktuellen Umstände gibt es dafür keine Chance.“

Sollte Griechenland tatsächlich aus der Eurozone austreten, müsste es heimlich - und am Wochenende - umstellen. Wenn die Börsen geschlossen sind und auch sonst keine Transaktionen stattfinden, könnte die Währung quasi unbemerkt umgestellt werden. Am Montag wären dann alle Preisschilder, alle Konten, alle Löhne und Schulden in Drachme. Gleiche Zahlen, halbierter Wert. Dann könnte Griechenland von vorne anfangen. Das Zeitfenster für diese Hauruck-Aktion beträgt 46 Stunden: von Börsenschluss in New York am Freitag bis zur Eröffnung der Börse in Neuseeland am Montag.

Die Folgen der Umstellung
Der Präsident der Denkfabrik Global Strategy in Thessaloniki, Mario Efthymiopoulos ist sich sicher: "Es gäbe ein Chaos." Die neue Währung würde dramatisch abwerten. Das würde den Import von Lebensmitteln, Benzin und vielen anderen Waren drastisch verteuern, wenn nicht unmöglich machen. Die Pharmaindustrie bereitet schon eine Notversorgung der Griechen mit Medikamenten vor, sollte das Land nach einem Euro-Austritt in Zahlungsnot geraten. Die Hersteller nehmen sich das Vorgehen nach der Pleite Argentiniens 2002 zum Vorbild, als die Industrie eine Zeit lang ohne Bezahlung weiter Medikamente lieferte.

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