Euro-Bonds: Rettungspläne mit schwerwiegenden Mängeln

Euro-Bonds: Rettungspläne mit schwerwiegenden Mängeln

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Dazwischen passt kein Bond: Kanzlerin Merkel, Kommissionspräsident Barroso

von Silke Wettach

Die EU-Kommission hat erstmals ein Modell für gemeinsame Anleihen vorgelegt. Alle drei Varianten weisen schwerwiegende Mängel auf.

Die Debatte ist so alt wie der Euro selbst. 1999 schon machte sich eine EU-Expertengruppe Gedanken über eine gemeinsame Anleihe der Euro-Zone. Der Grund: Der Anleihemarkt in der Währungsunion war – und ist – fragmentiert. Von einem einheitlichen, größeren Markt erhoffte man sich insgesamt niedrigere Zinsen. Die Nachteile lagen damals allerdings auch schon auf der Hand: Staaten mit hoher Bonität wie Deutschland müssen mit Mehrkosten rechnen, wenn sie nicht mehr alleine Anleihen begeben. Länder mit laxer Haushaltsführung haben dagegen keinen Anreiz zum Sparen mehr, schließlich entfällt die Gefahr, von den Finanzmärkten abgestraft zu werden.

Wechselnde Bundesregierungen haben sich in den vergangenen Jahren denn auch gegen Euro-Bonds ausgesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte ungewöhnlich schroff auf die Vorschläge des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso, als dieser vergangene Woche das Thema erneut auf die Agenda setzte. Es handle sich dabei um „kein Allheilmittel“ ließ sie ihm ausrichten.

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Deutlich höheres Zinsniveau für Deutschland

Die erste Variante der Euro-Bonds, im 40-seitigen Papier der Kommission euphemistisch „Stabilitätsbonds“ getauft, sieht vor, dass nationale Anleihen komplett von Euro-Bonds abgelöst würden, für die alle Länder der Euro-Zone gemeinsam haften müssten. Da ein sehr großer Markt entstünde und die Liquiditätsprämie zurückginge, würden die Zinsen für die gesamte Euro-Zone um 10 bis 20 Basispunkte geringer ausfallen, behauptet die Kommission. Selbst für Deutschland würde die Liquiditätsprämie um sieben Basispunkte sinken, schätzt die Kommission. Allerdings käme auf Deutschland ein erheblich höheres Zinsniveau zu, das diesen Effekt bei Weitem übersteigt.

Kai Carstensen vom Münchner ifo Institut prognostiziert, dass die Zinsen für Deutschland bei zehnjährigen Staatsanleihen um zwei Prozentpunkte hochschnellen würden. Bei dem Schuldenstand von 83,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der Ende 2010 erreicht war, errechnet er daraus Zusatzkosten für Deutschland von maximal 47 Milliarden Euro oder 1,9 Prozent des BIPs. Griechenland könnte sich dagegen auf Ersparnisse von 14,8 Prozent des BIPs freuen, bei Irland wären es 6,2 Prozent, bei Portugal 6,0 Prozent. Ausgleichszahlungen zwischen den Staaten sollen, so die Kommission, die ungleichen Vorteile wettmachen.

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