Euro-Debatte : Sarrazin: Griechenland Ende des Jahres nicht mehr dabei

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Thilo Sarrazin im Gespräch mit Sahra Wagenknecht

von Anne Kunz

Laut Einschätzung des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin ist Griechenland mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit bis Ende des Jahres nicht mehr Mitglied der Währungsunion.

Doch „was auch immer mit Griechenland passiert, kann sich die Eurozone leisten“, sagt der Ex-Bundesbanker in einem Streitgespräch mit der stellvertretenden Vorsitzenden der Linkspartei Sahra Wagenknecht in der WirtschaftsWoche. Wagenknecht erwartet ebenfalls, dass Griechenland den Euro-Raum in den nächsten Monaten verlässt: „Wenn alles so weiter geht wie bisher, ist das zu befürchten“, sagte Wagenknecht.

Laut Sarrazin ist die Rückkehr zur Drachme der einzige Ausweg für die Griechen: „Das Land ist nur noch mit einer sehr starken Abwertung seiner Währung zu retten“. Durch eine Abwertung könne Griechenland seine Produkte und Dienstleistungen – etwa im Agrar-, Verkehrs- und Tourismusbereich – billiger anbieten. Sarrazin fordert die Bundesregierung dazu auf, Griechenland keine Vorschriften mehr zu machen. „Jedes Land hat das Recht, die Dinge eigenständig zu analysieren und zu anderen Schlüssen zu kommen als wir Deutsche“, sagt der Ex-Bundesbanker. Im Gegenzug dürfe sich aber Griechenland nicht zu Lasten Deutschlands ausruhen und immer neue Hilfe erwarten.

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Wagenknecht fordert indes die Europäische Zentralbank (EZB) dazu auf, den Staaten Direktkredite zu geben: „Das wäre ohnehin der beste Weg, um die Staaten von den Launen der Finanzmärkte unabhängig zu machen.“ Das derzeitige System sei absurd. Die EZB gebe den privaten Banken billiges Geld für einen Zins von ein Prozent – allein eine Billion im vergangenen halben Jahr. Die Banken nehmen das Geld und geben es beispielsweise an den spanischen Staat weiter – für aktuell über sechs Prozent. „Wenn die Zentralbank das gleiche Geld direkt dem Staat geben würde, hätten die Spanier, Italiener oder Portugiesen weit geringere Defizite, weil sie nicht diese Horrorzinsen zahlen müssten“, sagt Wagenknecht.

Eine Mitgliedschaft bei der Anti-Euro-Partei Freie Wähler schließt Sarrazin trotz seiner Euro kritischen Äußerungen aus: „Ich komme für ein Engagement bei den Freien Wählern nicht infrage. Ich bin ja Mitglied der SPD. Das hat manchmal auch seine Vorteile.“

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