Euro: Dollarparität ist schon in Sicht

KommentarEuro: Dollarparität ist schon in Sicht

von Frank Doll

Der Euro erlebt derzeit eine Schein-Blüte. Aber der Draghi-Put läuft allmählich aus. Anschließend wird der Eurokurs in Richtung ein Dollar abstürzen.

Im Juli 2012 hatte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), die Märkte davor gewarnt, auf eine Abwertung des Euro zu spekulieren. Er sollte Recht behalten. Jetzt aber läuft der Draghi-Put für den Euro allmählich aus. Mehr und mehr zeigt sich, dass die Rettungsstrategie für den Euro geradezu zwangsläufig zu Rezession und steigender Arbeitslosigkeit führt. Der Schuldenberg in der Euro-Zone wird so nur immer größer. Allein die mehr oder weniger offene Finanzierung der Haushaltsdefizite durch die EZB verhindert noch eine Implosion der europäischen Anleihemärkte. Doch diese Strategie stößt an Grenzen. Wenn sich nämlich der wirtschaftliche Kollaps in Südeuropa 2013 fortsetzt, wird das Vertrauen in die Allmacht der EZB erodieren.

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

  • August 2007

    Die Probleme an den Hypotheken- und Kreditmärkten greifen auf den Interbanken-Geldmarkt über. EZB und Fed sehen sich gezwungen, zusätzlich Liquidität in den Markt zu pumpen.

  • 12. Dezember 2007

    Die Notenbanken in den fünf wichtigsten Währungsräumen greifen gemeinsam ein, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern.

  • 15. September 2008

    Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

  • 8. Oktober 2008

    Die wichtigsten Notenbanken weltweit senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt. 4. Dezember 2008: Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro und der Gründung der europäischen Notenbank.

  • 16. Dezember 2008

    Die Fed kappt ihren Leitzins auf eine Spanne zwischen null und 0,25 Prozent - ein Rekordtief.

  • 18. März 2009

    US-Notenbankchef Bernanke kündigt den Ankauf von Staatspapieren für zunächst 300 Milliarden Dollar an. Die Fed erweitert außerdem ihre bestehenden Programme zur Stützung der Kreditmärkte und Banken auf rund eine Billion Dollar.

  • 7. Mai 2009

    Die EZB senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von einem Prozent.

  • 24. Juni 2009

    Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen die Riesensumme von 442 Milliarden Euro ab.  6. Juli 2009: Die EZB beginnt offiziell mit dem Ankauf von Pfandbriefen.

  • 16. Dezember 2009

    224 Banken aus der Euro-Zone rufen beim letzten Jahrestender der EZB knapp 100 Milliarden Euro ab. Das ist ein Wendepunkt.

  • 19. Februar 2010

    Die Federal Reserve erhöht den Zinssatz für Übernachtkredite von 0,5 auf 0,75 Prozent und verteuert damit Notkredite für Banken erstmals seit Ausbruch der Krise.

  • 25. März 2010

    EZB-Chef Trichet kündigt an, dass die Notenbank auch über das Jahresende 2010 hinaus Sicherheiten mit einem schwächeren Rating als „A-“ akzeptieren wird. Sie hilft damit indirekt den griechischen Banken und erleichtert die Refinanzierung Griechenlands.

  • 10. Mai 2010

    Die EZB kündigt im Kampf gegen die eskalierende Schuldenkrise in der Euro-Zone an, am öffentlichen und privaten Anleihemarkt in großem Stil aktiv werden zu wollen. Die Notenbank gibt damit ihren Widerstand gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Länder auf, der Kritikern zufolge zu einem Ansteigen der Inflation führen könnte. Laut EU-Vertrag kann die EZB die Anleihen nur am Sekundärmarkt erwerben und nicht direkt bei den Regierungen.

  • 10. August 2010

    Die Fed stoppt unter dem Eindruck der nur zähen Konjunkturerholung in den USA und der andauernden Misere am Arbeitsmarkt den begonnenen Exit. Sie will Geld, dass sie durch Fälligkeit bereits erworbener Immobilienpapiere bekommt, wieder reinvestieren und neue Staatsanleihen kaufen.

  • 5. Oktober 2010

    Japans Notenbank zieht im Kampf gegen Wirtschaftskrise, Deflation und den starken Yen weitere Register. Sie senkt den Leitzins auf null und legt einen fünf Billionen Yen (60 Milliarden Dollar) schweren Fonds auf, über den sie die unterschiedlichsten Wertpapiere ankaufen und so weiteres Geld in die Wirtschaft pumpen will.

  • 3. November 2010

    Die Fed beschließt den Ankauf von weiteren Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar bis Ende der ersten Jahreshälfte 2011. Zusätzlich sollen auslaufende Papiere aus dem Bestand ersetzt werden. Insgesamt hat die neuerliche Geldspritze damit ein Volumen von 850 bis 900 Milliarden Dollar.

  • 16. Dezember 2010

    Die EZB beschließt eine Verdoppelung ihres Grundkapitals auf knapp elf Milliarden Euro. Bezahlen müssen dies die ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken: Die Bundesbank muss entsprechend des Kapitalschlüssels gut eine Milliarde Euro auf ihren Anteil dazupacken.

  • 18. März 2011

    Nach Erdbebenkatastrophe, Tsunami und Atomdebakel in Japan intervenieren die wichtigsten Notenbanken der Welt gemeinsam am Devisenmarkt.

  • 8. August 2011

    Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

  • 9. August 2011

    Die Fed erklärt, dass sie ihren Leitzins wegen der mauen Konjunktur noch für „mindestens“ zwei Jahre nahe Null halten will.

  • 30. November 2011

    In einer koordinierte Aktion stellen EZB und Fed sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Fast gleichzeitig lockert auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik. Sie senkte erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen der Banken.

Allein der robusten deutschen Wirtschaft und der vergleichsweise guten Bonität Deutschlands ist es zu verdanken, dass die Anleger im Euroraum noch bei der Stange gehalten werden konnten. Doch mit einer offiziellen Staatsschuldenquote von 84 Prozent ist Deutschland schon längst selbst in der Gefahrenzone. Kommt die deutsche Exportwirtschaft unter die Räder, wird die Finanzierung dieser Schuldenlast zum Problem. Rechnet man die ausstehenden Garantien und Zusagen für die Euro-Rettung hinzu, kommt man je nach Szenario leicht auf eine Schuldenquote von 130 bis 150 Prozent. Nicht eingerechnet sind hier die Zahlungsverpflichtungen des Bundes und der Länder für die soziale Sicherung (Ansprüche an Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung). Rechnete man diese nicht gedeckten Schecks auf die Zukunft noch dazu, käme man auf Schuldenquoten jenseits von 350 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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Fiskalpakt und Schuldenabbau sind gestorben

Letztlich steckt Deutschland also genauso in der Schuldenfalle wie Spanien oder Italien. Mit der faktischen Euro-Schuldenunion hängt die Bonität Deutschland maßgeblich davon ab, was politisch in Rom, Madrid oder Paris passiert. Dort stehen die Zeichen auf Sturm und noch mehr Schulden. So gesehen ist die europäische Integration in der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter fortgeschritten als es den Bundesbürgern lieb sein kann. Eigentlich steht Merkel vor einem politischen Scherbenhaufen. Die Kanzlerin ist immer wieder neue finanzielle Verpflichtungen zur Rettung des Euro eingegangen, hat bei der politischen Absicherung aber kein Terrain hinzugewonnen.

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Von Schuldenabbau will inzwischen niemand mehr etwas wissen und der Fiskalpakt ist so gut wie tot. Den Akteuren an den Devisenmärkten wird dies nicht verborgen geblieben sein. Was noch fehlt, ist der Auslöser für eine Flucht aus Euro, Dax und Bunds. Das könnte eine erneut von der Peripherie erzwungene Liquiditätsschwemme durch die EZB sein oder eine Rezession in Deutschland. Kommt der Euro dann erst einmal unter Druck, wird alles sehr schnell gehen. Die Liquidität an den Anleihenmärkten der großen europäischen Kernstaaten trocknete quasi über Nacht aus, die ausbleibende Nachfrage ließe die Anleiherenditen nach oben schießen und den Euro in Richtung Dollarparität abstürzen. Draghi wäre entzaubert und Merkel müsste damit vor den Bundestag.

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14 Kommentare zu Euro: Dollarparität ist schon in Sicht

  • Das Weltwährungssystem wird mittelfristig kollabieren. Der Anstoß wird vermutlich aus Europa kommen, evtl. aber auch aus den USA oder Japan. Die derzeitige naive Freude über Draghis Coup ist Unsinn. Das Schicksal der EURO-Zone wird nicht im Finanzmarktkosmos oder im Bundestag entschieden, sondern auf den Straßen in Südeuropa.

  • Dabei ist unsere Bundeskanzlerin beim Volk so beliebt u. 85% der Deutschen Wähler wählen die 4 etablierten Parteien

  • Nichts da mit Krise, die wurde vom Polibüro Mitglied Schäuble und anderen Systemtreuen, für beendet erklärt. Man sei über den Berg.

    Also wenn man den Aussagen, eines hochdekorieten Politbüromitglied des ZK der DDR 2.0 nicht glauben kann, wenn den dann ?

    Es geht aufwärts in der Südschiene, und die 12 % bzw. 19 Millionen Arbeitslosen in der EUDSSR stören dabei überhaupt nicht.

    Also vorwärts zu neuen Höhen in der EUDSSR, es lebe die politische Kaste zu der Hochfinanz Gnaden.



    (Ironie aus)

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