Euro: Finnland droht mit Euro-Rückzug

KommentarEuro: Finnland droht mit Euro-Rückzug

von Malte Fischer

Alle Welt sorgt sich um den Euro-Austritt von Krisenstaaten. Was aber, wenn ein starkes Land geht?

Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt in den europäischen Krisenländern den Beinamen „Madame No“. Doch eigentlich gebührt diese Auszeichnung einer anderen Dame: Finnlands Finanzministerin Jutta Urpilainen. Die Sozialdemokratin setzt sich konsequent für die Belange ihres Landes ein. Jüngst erschreckte sie die Finanzmärkte, als sie den Verbleib Finnlands in der Euro-Zone infrage stellte. Finnland sei nicht bereit, für die Schulden anderer Länder zu haften, sagte Urpilainen. Gegen den Ankauf von Staatsanleihen der Krisenländer durch den Euro-Rettungsschirm ESM werde Finnland sein Veto einlegen. „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet, auch auf einen Ausstieg aus dem Euro“, drohte Urpilainen.

Die Finanzmärkte reagierten prompt, der Euro stürzte unter die Marke von 1,23 Dollar. Auch wenn das Land der 1000 Seen mit gerade mal 5,3 Millionen Einwohnern nur 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone erwirtschaftet, ist es eines von nur vier Ländern des Währungsblocks, die noch von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet werden – und damit ein tragender Pfeiler des Rettungsschirms.

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Mit ihren Euro-kritischen Äußerungen weiß Urpilainen viele Finnen hinter sich. Die Nordeuropäer fürchten, dass sich die Hilfen für die Krisenländer zu einem Fass ohne Boden entwickeln. Daher haben sie beim zweiten Hilfspaket für Griechenland bereits eine Sonderregelung durchgesetzt, die sie vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands schützt. Jetzt verlangen sie Ähnliches bei den Hilfen für Spanien.

Als die Finnen dem Euro 1999 beitraten, sahen sie die Gemeinschaftswährung nicht zuletzt als Schutzwall gegen Russland, unter dessen Kuratel das Land lange Zeit stand. Doch nun rücken die ökonomischen Aspekte der Euro-Mitgliedschaft zunehmend in den Vordergrund.

Insbesondere der Vergleich mit den skandinavischen Ländern gibt den Finnen zu denken. Schweden etwa, Finnlands wichtigster Exportmarkt, verfügt über eine eigene Währung und lässt die Finnen bei Pro-Kopf-Einkommen, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit hinter sich. Viele Finnen fragen sich, warum sie im Euro bleiben und ihren Wohlstand gen Süden transferieren, wenn es ihren Nachbarn im Norden ohne Euro besser geht.

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Kehrt Finnland zur Finnmark zurück, dürfte diese gegenüber dem Euro aufwerten. Doch der Schaden für die Exportwirtschaft, die ohnehin nur rund ein Drittel zur Wirtschaftsleistung beiträgt, wird sich in Grenzen halten. Unter den sieben wichtigsten Exportmärkten Finnlands sind mit Deutschland und den Niederlanden nur zwei Euro-Länder. Ein Euro-Austritt Finnlands wäre jedoch ein Sargnagel für die Währungsunion und Wasser auf die Mühlen der Euro-Gegner in Deutschland und den Niederlanden, wo bald Wahlen anstehen.

Gut möglich, dass die Finanzmärkte schon bald auf einen Euro-Exit Finnlands (Fixit) statt auf einen Euro-Exit Griechenlands (Grexit) wetten.

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