Euro-Krise: Banco de Portugal ist pessimistisch

Euro-Krise: Banco de Portugal ist pessimistisch

Die portugiesische Regierung blickt optimistisch in die Zukunft und will sich am Kapitalmarkt bald alleine finanzieren. Die Notenbank des Landes ist da schon skeptischer.

Portugal hat sich für einen „sauberen Abschluss“ seines EU-Hilfsprogramms entschieden. Lissabon wird ab dem 17. Mai ohne Übergangshilfen finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. „Wir haben diesen Entschluss gefasst, weil unsere Strategie der Rückkehr auf die Finanzmärkte gut aufgenommen wurde, weil wir enorme Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushalts erzielt und unsere Glaubwürdigkeit zurückgewonnen haben“, begründete Ministerpräsident Pedro Passos Coelho Anfang Mai diesen Schritt.

Unterstützung und Beifall kommen dafür von allen Seiten. Finanzminister Wolfgang Schäuble freut sich genauso wie IWF-Chefin Christine Lagarde. Die Botschaft ist klar: Portugal ist stark. Zumindest stark genug, sich alleine am Kapitalmarkt zu finanzieren.

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Wo sich die Schuldensünder der Euro-Zone verbessert haben

  • Staatshaushalt konsolidiert

    Haushaltsdefizit (Anteil am Bruttoinlandsprodukt ohne Bankenhilfe)

    Griechenland

    2009: -15,7 % 2013: -2,1 %

    Portugal

    2009: -10,2 % 2013: -4,5 %

    Spanien

    2009: -11,1% 2013: -6,6 %

    Irland

    2009: -12,4 % 2013: -6,7 %

    Eurozone

    2009: -6,4 % 2013: -3,0 %

  • Leistungsbilanzdefizit nahezu verschwunden

    Leistungsbilanzdefizit*

    Die Exporte von Portugal (+37 %) und Spanien (+35%) haben zwischen 2009 und 2013 schneller zugelegt als in Deutschland (+33%)

    Griechenland

    2009: -14,4 % 2013: -2,3 %

    Portugal

    2009: -10,8 % 2013: +0,4 %

    Spanien

    2009: -4,8 % 2013: +1,1 %

    Irland

    2009: -2,3 % 2013: +7,0 %

    Eurozone

    2009: +0,2 % 2013: +2,7 %

    (*im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt)

  • Wirtschaftswachstum kehrt langsam zurück

    Die Schuldenkrise bescherte Griechenland, Spanien, Portugal und Irland eine tiefe Rezession. In Spanien sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,5 Prozent, in Portugal um 8,5 Prozent und in Griechenland sogar um 20 Prozent. Für 2014 erwarten Analysten nach fünf Jahren endlich überall wieder Wachstum - wenn auch nur in vergleichsweise kleinem Umfang. Allerdings ist dabei auch der Abstand zwischen Peripherie und den Kernländern.

  • Wirtschaftsvertrauen

    Wirtschaftsvertrauen der EU-Kommission.

    Den Tiefpunkt erreichte die Stimmung 2009. Bei der Erhebung im April 2015 war der Wert nur noch in Griechenland leicht unterdurchschnittlich.

    Griechenland

    2009: 74,8* April 2014: 95,4

    Portugal

    2009: 75,4 April 2014: 100,6

    Spanien

    2009: 73,8 April 2014: 101,5

    Eurozone

    2009: 70,1 April 2014: 102,0

    (100 Punkte = langfristiger Durchschnitt; keine Werte für Irland)

  • Lohnstückkost nivelliert

    In den ersten Jahren nach der Euro-Einführung haben die Peripherieländer ihre Lohnstückkosten deutlich gesteigert. Seit 2010 gab es einen deutlichen Richtungswechsel. Nach den Berechnungen des Anleihenmanagers Bantleon ist der zuvor aufgebaute Wettbewerbsnachteil durch hohe Lohnstückkosten inzwischen verschwunden

    Entwicklung der Lohnstückkosten seit Anfang 2009:

    Griechenland -15,0 %

    Portugal -6,6 %

    Spanien -7,6 %

    Irland -13,0 %

    Eurozone +3,0 %

  • Strukturreformen zeigen Wirkung

    Auch wenn es in der Öffentlichkeit oft so ankommt, als würden würden die Krisenländer in der Euro-Peripherie sich mit der Umsteuerung schwertun, so wurden doch weitreichende Reformen am Arbeitsmarkt, in den Renten- und Steuersystemen sowie Verwaltungen vorgenommen. Das etwa der Arbeitsmarkt flexibler geworden ist, belegt der Employment Protection Index der OECD. Je niedriger sein Wert, um geringer die Regulierung am Arbeitsmarkt durch Kündigungsschutz, Abfindungszahlungen, Probezeiten, etc.) Bis auf Irland habe sich alle Krisenländer verbessert.

    Griechenland

    2008: 2,9 2013: 2,4

    Portugal

    2008: 3,5 2013: 2,7

    Spanien

    2008: 2,7 2013: 2,3

    Irland

    2008: 2,0 2013: 2,1

    Eurozone

    2008: 2,4 2013: 2,3

Nur einer unkt und trübt die Jubel-Aufbruchstimmung: die portugiesische Notenbank. Die Banco de Portugal freut sich zwar auch über die wiedergewonnene Eigenständigkeit des Landes, das Verlassen des Rettungsschirms dürfe nun aber nicht die Illusion hervorrufen, dass es mit der Neuausrichtung Portugals deshalb vorbei sei. Man müsse die Bemühungen weiter verstärken, Portugal wieder wettbewerbsfähig zu machen und dürfe sich vor allem nicht nur auf den finanziellen Sektor konzentrieren. So steht es im halbjährlich erscheinenden Finanzmarktstabilitätsbericht der Banco de Portugal. Die hohe Verschuldung des privaten Wirtschaftssektors und der Haushalte sei eine große Gefahr für die Stabilität des Landes, weshalb man diesen Faktor jetzt nicht außer Acht lassen dürfe.

Portugal habe in den vergangenen drei Jahren zwar die Exporte gesteigert und das Staatsdefizit verringert, der Fortschritt der portugiesischen Wirtschaft sei dennoch unzureichend, so die Notenbanker. So ist beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt mit 1,2 Prozent im ersten Quartal langsamer gewachsen als im letzten Quartal 2013 mit 1,7 Prozent Zum Vorquartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt sogar um 0,7 Prozent.

Und auch der Finanzmarkt stehe weiterhin vor Herausforderungen. Auch wenn portugiesische Staatsanleihen im Frühjahr sehr gefragt waren und die Anleihenkurse durchschnittlich um 14 Prozent gestiegen waren: Die Politik dürfe jetzt nicht selbstgefällig werden. Gerade die Banken müssten - besonders im Hinblick auf die europäische Bankenunion - weiter daran arbeiten, ihre hohe Verschuldung zu reduzieren.

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Ein ganz ähnliches Signal kommt auch von der Börse, Experten fürchten, dass die Wirtschaft des Landes sich nicht so stark erholt wie von vielen zuletzt erwartet. Die Anleger haben am Donnerstag einen großen Bogen um die Aktien und Anleihen Portugals gemacht. An der Lissaboner Börse setzte der Standardwerte-Index seine Talfahrt fort und verlor in der Spitze 2,5 Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 6897 Punkte. Spekulationen über Kapitalerhöhungen setzten die Finanzwerte unter Druck. Sie gaben auch am Donnerstag weiter nach. Auch am Rentenmarkt gaben die Kurse der Staatsanleihen deutlich nach. Die zehnjährigen Papiere brachen ein, so dass die Rendite auf 3,68 von 3,53 Prozent am Vortag kletterte.

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