Euro-Krise: Befreit die Griechen vom Euro

KommentarEuro-Krise: Befreit die Griechen vom Euro

Bild vergrößern

Welche Folgen hätte eine Entfernung Griechenlands aus der Euro-Zone? Ein alternativer Ausblick für die Bewältigung der Euro-Krise von Roland Tichy

von Roland Tichy

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags stimmen über das zweite Rettungspaket für Griechenland ab. Mitten im Koalitionskrach und unter dem Vorwurf gegenseitiger Erpressung, noch beeindruckt von den Nachwirkungen des Karnevalswochenendes und dem spannungsvollen Politkrimi um Rücktritt und Nachfolge des Bundespräsidenten. Das ist kein guter Zeitpunkt für kluge und durchdachte Entscheidungen.

Und doch: Dann werden die Abgeordneten flugs abstimmen müssen über das neuerliche Griechenland-Krisenpaket, das die Bundesregierung zwischenzeitlich ausgehandelt hat. Manchen dürfte das auch ganz Recht sein – denn im Windschatten der Aufmerksamkeit, die der Fall Gauck absorbiert lässt sich das Krisenpaket ohne allzu große Aufmerksamkeit durch den Bundestag schieben. Und um auch wirklich bloß keine Fragen oder gar Debatten aufkommen zu lassen, wird wieder viel von Alternativlosigkeit die Rede sein und davon, dass, wer die Hilfszusagen infrage stellt, auch Europa gefährde. Bei so viel Pathos und parteipolitischer Krise verschwimmen schnell die Dimensionen. Immerhin geht es um ein Hilfspaket von 130 Milliarden (etwa die Hälfte des derzeitig jährlichen Steueraufkommens des Bundes), davon wird Deutschland voraussichtlich mit rund 25 Milliarden Euro haften – immerhin dem Gegenwert der diesjährigen Nettoneuverschuldung des Bundes.

Das neue Rettungspaket für Griechenland

  • Zweites Rettungspaket zugesagt

    Schon im vergangenen Juli hatten die Europartner Griechenland ein zweites Rettungspaket zugesagt. Nach vier weiteren EU-Gipfeln und einem letzten, 13-stündigen Verhandlungsmarathon der Finanzminister bis zum Dienstagmorgen stehen die Einzelheiten fest.

  • Ausstehende Kredite verringert

    Die Privatgläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Wenn sich ausreichend Banken beteiligen, sinkt die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro.

  • Tausch in Anleihen

    Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von zwei bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Athen dadurch in den kommenden acht Jahren 150 Milliarden Euro ein.

  • Schuldenumtausch wird versüßt

    Die internationalen Geldgeber „versüßen“ den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.

  • Neue Notkredite gewährt

    Athen erhält neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Ob der Internationalen Währungsfonds (IWF) davon - wie bei den Programmen für Portugal und Irland - jeweils ein Drittel übernimmt, ist noch nicht klar. IWF-Chefin Lagarde will den Beitrag auch davon abhängig machen, ob die Eurozone ihren dauerhaften Rettungsfonds aufstockt.

  • Gewinne gehen zurück

    Die nationalen Notenbanken geben die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Athens um 1,8 Prozentpunkte senken.

  • Zinsen werden gesenkt

    Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.

  • Schuldenlast wird kleiner

    Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

  • Sperrkonto für die Tilgung

    Ein Teil der neuen Kredite fließen auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.

  • Kontrolle durch Experten

    Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. Deutschland ist bereit, dazu Fachpersonal zu entsenden.

Soll Griechenland raus aus der Euro-Zone?

Anzeige

Wer erinnert sich da noch, dass bereits vor zwei Jahren ein erstes Hilfspaket von 110 Milliarden durch den Bundestag gepeitscht wurde - offensichtlich ebenso alternativ- wie wirkungslos? Es wäre angesichts dieser gigantischen finanzpolitischen Bedrohung unserer Zukunft ratsam, wenn sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestags doch mit ein paar Fragen beschäftigen würden - etwa der, dass der Euro mit Europa sehr wenig zu tun hat. Die Euro-Zone umfasst 17 Mitgliedsstaaten, die Europäische Union 27 Staaten, zum kulturell-historischen Europa zählen auch Länder wie die Schweiz, Norwegen, aber auch Staaten wie die Ukraine und Georgien. Längst haben wir akzeptiert, dass sich die europäische Einigung in unterschiedlicher Geschwindigkeit vollzieht. Wer nicht in der Spitzenliga spielt, ist trotzdem nicht raus. Was spräche also dagegen, Griechenland aus der Euro-Zone zu entfernen? Die erste Feststellung ist: Das beschworene bittere, unausweichliche Ende des europäischen Traums wäre nicht zu befürchten, wenn Griechenland sich in einer Liga mit Polen, Ungarn, Dänemark oder Großbritannien wiederfände - Mitglieder der Union ohne Währungsunion.

Und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines griechischen Austritts und offen erklärten statt verschleppten Staatsbankrotts? Es gibt sie, aber das ist die zweite Feststellung – sie hätten heilsamen und problemlösenden Charakter. Sicherlich würde die Einführung der Drachme eine Abwertung von 30 oder 50 Prozent zur Folge haben.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%