
Unterschiedlicher hätten die Standpunkte kaum sein können. Am vergangenen Mittwoch feierte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung im Deutschen Bundestag die Beschlüsse des EU-Gipfels der Vorwoche als Weichenstellung für ein „neues Europa“.
Knapp 800 Kilometer weiter im Südwesten, im Europäischen Parlament in Straßburg, zeichnete am selben Tag der polnische Ministerpräsident Donald Tusk das Bild einer zutiefst zerrütteten Gemeinschaft. „Ich kann nicht sagen, dass Europa Ende 2011 vereinter ist als vor sechs Monaten, einem Jahr oder fünf Jahren.“
Tusk weiß, wovon er spricht, er hatte im vergangenen Halbjahr den EU-Ratsvorsitz inne. Reibereien und unterschiedliche Ansichten, wie Europa den Weg aus der Krise bewältigen kann, haben diese Zeit geprägt.
Unter diesen Vorzeichen, war es durchaus ein politisches Kunststück, dass Merkel die Gemeinschaft – mit Ausnahme der Briten – beim letzten EU-Gipfel des Jahres auf eine Fiskalunion eingeschworen hat. Doch wie viel ist die Einigung wert?
Märkte zweifeln am Krisenausweg
Schon in Kürze könnte der Schutzzaun getestet werden, den das europäische Führungspersonal bei dem Treffen zimmerte. Denn mit der Fiskalunion, die erst mittelfristig wirken kann, hat die Union kurzfristige Gefahren für den Euro nicht gebannt.
Quelle: dpaDie USA und die Euro-Zone sind die beiden wichtigsten Währungsräume der Welt. Doch für Anleger sind Dollar und Euro ein heißes Pflaster. Im laufenden Jahr geht es am Devisenmarkt turbulent zu: Erst verunsicherten die USA die Welt mit einem langen Streit um die staatliche Schuldenobergrenze, die letztlich mitentscheidend für eine Ratingherabstufung durch Standard & Poor's war. Dem Dollar setzte das gehörig zu. Im Verhältnis zum Euro allerdings konnte die US-Währung lange zulegen, weil sich Investoren vor den Schulden der Euro-Staaten noch stärker fürchteten als vor denen der USA.
Wie Euro und Dollar gegenüber anderen Devisen dastehen und welche Währungen besonders stark aufgewertet haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang; Quelle: Bloomberg.

Rand (Südafrika)
Südafrika lebt von seinen Bodenschätzen. Von der Fußball-WM konnte das Land kaum nachhaltig profitieren - lediglich 0,3 Prozent trug das Ereignis zum BIP bei. Der Rand galt 2010 noch als stark überbewertet. Nachdem er aber 2011 deutlich nachgegeben hatte nutzen einige Investoren wohl den niedrigen Kurs wieder zum Einstieg.
Entwicklung seit Jahresbeginn: Rand/Euro: + 2,0 Prozent
Quelle: APLira (Türkei)
2011 ging es für die türkische Währung mehr als 15 Prozent bergab. Den türkischen Währungshütern ist eine relativ schwache Lira gar nicht unrecht, denn ein niedriger Kurs macht türkische Waren im Ausland billiger und ist damit gut für den Export. Mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent lag die Türkei im vergangenen Jahr mit China an der Weltspitze. Aber 2012 wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Während die Regierung einen sanften Abschwung erwartet, fürchten manche Analysten eine harte Landung. Nach dem enormen Einsturz des Währungskurses 2011 nutzen einige Anleger wohl den niedrigen Kurs um wieder einzusteigen.
Entwicklung seit Jahresbeginn: Lira/Euro: + 4,3 Prozent
Quelle: ReutersRupie (Indien)
Viele Experten prophezeien Indien eine große Zukunft. Die Bevölkerung ist jung, das Wachstum stark, internationale Investoren strömen ins Land. 2010 wuchs das BIP um ganze zehn Prozent.
Der Währungskurs kann davon zumindest seit Jahresanfang profitieren. Auf der indischen Währung lastet aber immer noch die hohe Inflation, die die Goldnachfrage in Indien nach oben schießen ließ.Entwicklung seit Jahresbeginn: Rupie/Euro: + 1,7 Prozent
Quelle: ReutersZloty (Polen)
Die Polen haben nach wie vor eine eigene Währung, die 2011 einknickte: Der Kurs gab mehr als 13 Prozent auf Jahressicht nach. Von diesem Einbruch erholt sich der Zloty in den letzten Monaten. Die polnische Wirtschaft ist stark von ihren Nachbarn abhängig. Deshalb mahnte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk: „Wenn die gemeinsame Währung zusammenbricht und die Deutschen Probleme haben, wird es auch in Polen wirklich schwer sein.“
Entwicklung seit Jahresanfang: Zloty/Euro: + 6,7 Prozent
Quelle: ReutersReal (Brasilien)
Bis 1999 wurde der brasilianische Real noch von der Zentralbanks Brasiliens kontrolliert, wird nun aber auf dem freien Kapitalmarkt gehandelt.
Brasilien will mit aller Macht ein Durchschlagen des weltweiten Abschwungs auf Lateinamerikas größte Volkswirtschaft verhindern. Ein Konjunkturprogramm soll Konsum und Investitionen fördern und der Wirtschaft 2012 ein Wachstum von fünf Prozent bescheren.Entwicklung seit Jahresbeginn: Real/Euro: + / - 0 Prozent
Quelle: APPeso (Mexiko)
Mexiko hängt am Tropf der USA - 80 Prozent der Export gehen nämlich an den Nachbarn im Norden. Zwar leidet das Land an hoher Arbeitslosigkeit und den weiter eskalierenden Drogenkriegen, doch die Wirtschaft wächst trotzdem seit Jahren solide. Für 2011 und 2012 prognostiziert der IWF weiterhin positive Wachstumsraten.
Wenn der Peso aufwertet sind die Dollar, die ihnen die Gringos aus dem Norden überweisen, immer weniger wert. 2011 ging es für den Peso steil bergab. Dass der Peso Anfang 2012 allerdings wieder so stark zugelegt hat, wird die Mexikaner wohl kaum erfreuen.
Entwicklung seit Jahresbeginn: Peso/Euro: + 4,8 Prozent
Quelle: BloombergForint (Ungarn)
Während der Finanzkrise wertete die ungarische Währung dramatisch ab. Viele Ungarn konnten die höheren Hypothekenraten deshalb nicht mehr zahlen. Die Ratingagentur Moody's setzte die Bonität des Landes auf Ramschstatus. Mit der Herabstufung gelten Staatsanleihen des Landes nicht mehr als sichere Geldanlage, sondern als spekulativ.
Unter deutschen Unternehmen wächst die Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik Ungarns. Nahezu jede dritte dort ansässige Firma aus der Bundesrepublik würde sich inzwischen ein anderes Land für ihre Investitionen aussuchen. Das ist ein neuer Negativrekord.
Dass der Forint in den letzten Monaten zulegen konnte, könnte wohl auf den starken Einbruch im 2011 zurückzuführen sein.Entwicklung seit Jahresbeginn: Forint/Euro: + 6,0 Prozent
Quelle: APPeso (Argentinien)
Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hat trotz internationaler Proteste angekündigt, sie wolle eine staatliche Übernahme der Repsol-Tochter YPF. Energie sei lebenswichtig, begründete Kirchner den Schritt, den Repsol in einer ersten Reaktion als „illegal“ bezeichnete. Die Energiebranche gehört neben der Agrarwirtschaft zu den wichtigsten Standbeinen Argentiniens.
Die schwäche des Peso hilft der Regierung. Die Machthaber in Buenos Aires schützen mit dem schwach gehaltenen Peso die einheimische Industrie, die international wenig wettbewerbsfähig ist. Inländische Produkte, Löhne und Dienstleistungen sind billig; Importwaren haben wenig Chancen.
Die Inflationsrate lag 2011 bei fast zehn Prozent. Das Land ist seit 1985 einer der größten Dauerkreditnehmer beim IWF.Entwicklung seit Jahresbeginn: Peso/Euro: - 3,4 Prozent
Quelle: Notenbank KanadaKanadischer Dollar
Das nordamerikanische Land verfügt über riesige Rohstoffvorkommen und zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Die Wirtschaft ist gesund, die Verschuldung hält sich im Gegensatz zum Nachbarn im Süden noch in Grenzen (rund 72 Prozent des BIP). Entsprechend stark ist die Währung, die seit Jahresanfang deutlich zugelegt hat.
Entwicklung seit Jahresbeginn: Kanadischer Dollar/Euro: + 1,6 Prozent
Die USA und die Euro-Zone sind die beiden wichtigsten Währungsräume der Welt. Doch für Anleger sind Dollar und Euro ein heißes Pflaster. Im laufenden Jahr geht es am Devisenmarkt turbulent zu: Erst verunsicherten die USA die Welt mit einem langen Streit um die staatliche Schuldenobergrenze, die letztlich mitentscheidend für eine Ratingherabstufung durch Standard & Poor's war. Dem Dollar setzte das gehörig zu. Im Verhältnis zum Euro allerdings konnte die US-Währung lange zulegen, weil sich Investoren vor den Schulden der Euro-Staaten noch stärker fürchteten als vor denen der USA.
Wie Euro und Dollar gegenüber anderen Devisen dastehen und welche Währungen besonders stark aufgewertet haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang; Quelle: Bloomberg.
Die Märkte bezweifeln weiterhin, dass die Politik einen Weg aus der Krise gefunden hat. Wie schon bei den vorherigen Gipfeln, hielt auch dieses Mal die Begeisterung der Anleger nicht lange an. Am Tag nach der Verhandlungsnacht kletterte der Euro-Stoxx-50-Index um 2,4 Prozent. In der darauf folgenden Woche sackte er dann um 5,8 Prozent ab. „Gemessen an der Marktreaktion, war dieser Gipfel schlechter als die vorherigen“, sagt Christian Schulz, Analyst der Privatbank Berenberg.
Beim Gipfel im Juli, bei dem erstmals ein Haircut für Griechenland beschlossen wurde, hatte der Index am Tag danach um 2,1 Prozent angezogen, um in der Woche danach wieder um 2,5 Prozent zurückzufallen.













