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Euro-Krise: Den Euro-Rettern droht das nächste Debakel

von Silke Wettach

Der Euro-Schutzwall fällt offenbar kleiner aus als erhofft. Investoren haben kaum Interesse am Rettungsschirm, zudem tobt ein politischer Streit um dessen Aufstockung.

Kanzlerin Angela Merkel und britische Premierminister David Cameron Quelle: dpa
Beim letzten EU-Gipfel konnte Angela Merkel einen Großteil der Mitgliedsstaaten für eine Fiskalunion gewinnen. Nur die Briten verneinten. Quelle: dpa

Unterschiedlicher hätten die Standpunkte kaum sein können. Am vergangenen Mittwoch feierte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung im Deutschen Bundestag die Beschlüsse des EU-Gipfels der Vorwoche als Weichenstellung für ein „neues Europa“.

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Knapp 800 Kilometer weiter im Südwesten, im Europäischen Parlament in Straßburg, zeichnete am selben Tag der polnische Ministerpräsident Donald Tusk das Bild einer zutiefst zerrütteten Gemeinschaft. „Ich kann nicht sagen, dass Europa Ende 2011 vereinter ist als vor sechs Monaten, einem Jahr oder fünf Jahren.“

Tusk weiß, wovon er spricht, er hatte im vergangenen Halbjahr den EU-Ratsvorsitz inne. Reibereien und unterschiedliche Ansichten, wie Europa den Weg aus der Krise bewältigen kann, haben diese Zeit geprägt.

Unter diesen Vorzeichen, war es durchaus ein politisches Kunststück, dass Merkel die Gemeinschaft – mit Ausnahme der Briten – beim letzten EU-Gipfel des Jahres auf eine Fiskalunion eingeschworen hat. Doch wie viel ist die Einigung wert?

Märkte zweifeln am Krisenausweg

Schon in Kürze könnte der Schutzzaun getestet werden, den das europäische Führungspersonal bei dem Treffen zimmerte. Denn mit der Fiskalunion, die erst mittelfristig wirken kann, hat die Union kurzfristige Gefahren für den Euro nicht gebannt.

Die USA und die Euro-Zone sind die beiden wichtigsten Währungsräume der Welt. Doch für Anleger sind Dollar und Euro ein heißes Pflaster. Im laufenden Jahr geht es am Devisenmarkt turbulent zu: Erst verunsicherten die USA die Welt mit einem langen Streit um die staatliche Schuldenobergrenze, die letztlich mitentscheidend für eine Ratingherabstufung durch Standard & Poor's war. Dem Dollar setzte das gehörig zu. Im Verhältnis zum Euro allerdings konnte die US-Währung lange zulegen, weil sich Investoren vor den Schulden der Euro-Staaten noch stärker fürchteten als vor denen der USA.

Wie Euro und Dollar gegenüber anderen Devisen dastehen und welche Währungen besonders stark aufgewertet haben, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang; Quelle: Bloomberg.

Quelle: dpa

Die Märkte bezweifeln weiterhin, dass die Politik einen Weg aus der Krise gefunden hat. Wie schon bei den vorherigen Gipfeln, hielt auch dieses Mal die Begeisterung der Anleger nicht lange an. Am Tag nach der Verhandlungsnacht kletterte der Euro-Stoxx-50-Index um 2,4 Prozent. In der darauf folgenden Woche sackte er dann um 5,8 Prozent ab. „Gemessen an der Marktreaktion, war dieser Gipfel schlechter als die vorherigen“, sagt Christian Schulz, Analyst der Privatbank Berenberg.

Beim Gipfel im Juli, bei dem erstmals ein Haircut für Griechenland beschlossen wurde, hatte der Index am Tag danach um 2,1 Prozent angezogen, um in der Woche danach wieder um 2,5 Prozent zurückzufallen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.12.2011, 18:01 UhrAnonymer Benutzer: conforma

    Ja - das werden keine €uro-Retter sein.
    Alle EU-Verträge wurden in der einen oder anderen Form von Deutschland, Frankreich und den EU-Führungs-Politikern gebrochen. Ich persönlich fühle mich als Anhänger unserer freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaftsordnung belogen und betrogen und werde meiner grundlegenden demokratischen Rechte beraubt. Das kann keine EU- und €uro-Zukunft sein. Jetzt haben wir dank der realitäts-fernen Brüsseler Pöstchen-Anstalt zwischen den Ländern Neid, Hass, Schuldzuweisungen, fehlende Solidarität, Uneinigkeit, Besserwisserei, Beschimpfungen, üble Werturteile über andere Länder und ihre Bürger - und alles ist von Politikern verursacht worden und wird von ihnen weiter praktiziert. Auch die Medien sollten sich mal vor den eigenen Spiegel stellen. Vor dem €uro waren die Menschen zufrieden, respektierten und achteten einander, konnten für die Zukunft planen und hatten ein positives Denken und Handeln. Jetzt ist nahezu alles von den unfähigen und elendigen Politikern kaputt gemacht.
    Eine partnerschaftlich-gedeihliche Zukunft €uropas wird an den Politikern scheitern und an niemand anderem - weil sie das Vertrauen der Europäer untereinander nachhaltig beschädigt haben, und diese Beleidigungen und Verletzungen sitzen tiefer, als die EU-"Führer" diese sich überhaupt vorstellen können.

  • 19.12.2011, 21:02 UhrAnonymer Benutzer: dunnhaupt

    Schon seit mehr als einem Jahr hatte ich den Verdacht, doch seit dem "Rettungsgipfel" vom 21.7.11 wurde es zur Gewissheit, dass Europas Politiker-Zauberlehrlinge völlig die Kontrolle über ihr eigenes Machwerk verloren haben, denn damals berichtete die "Zeit", dass nicht weniger als 32 verschiedene Rettungsversuche diskutiert wurden. Das reichte mir. Gruß aus Kanada!

  • 19.12.2011, 11:55 UhrAnonymer Benutzer: Pequod

    Gegen diese EU-Dilettanten waren die vielgeschmähten Finanzhand-
    haber Rußlands ausgesprochene Kapitalprofis mit den richtigen
    Maßnahmen zur Ausmerzung ihrer maroden Teilrepubliken, da wegen
    ihrer zunehmenden eigenen Schwäche diese nicht mehr finanzier-
    bar waren.

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