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Kommentar Euro-Krise: Der Klassenkampf beginnt

von Christian Ramthun

Das DIW will die „Reichen“ mit einer zehnprozentigen Zwangsabgabe schröpfen und damit die Staatskassen füllen. Damit werden verfassungsrechtliche Prinzipien über Bord geworfen.

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.

Bild: Bloomberg

Wenn die Zeiten schlecht sind, sucht man einen Sündenbock, der gern auch ein Geldesel sein darf. Das linkslastige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist nun fündig geworden. „Zwangsanleihen und einmalige Vermögensabgaben auf höhere Privatvermögen könnten zur Refinanzierung und zum Abbau der Staatsschulden in Europa herangezogen werden“, schreibt das DIW und begründet seinen Vorschlag wie folgt: Es kämen allein in Deutschland „etwa 230 Milliarden Euro bei einer Abgabe von zehn Prozent auf private Vermögen über 250.000 Euro“ zusammen, die Abgabe sei möglich, „ohne dass eine Dämpfung der Konsumnachfrage zu befürchten wäre“, und betroffen wären nur „die reichsten acht Prozent der Bevölkerung“.

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So argumentieren Klassenkämpfer. Sie suchen sich „die Reichen“ aus, wollen sie unabhängig von zuvor erhobenen Steuern auf die Einkünfte nochmals schröpfen und vergreifen sich dabei an einer Minderheit (nur acht Prozent).

Wut bei den Bürgern

Da kann auch einem nichtbetroffenen, unter der 250.000-Euro-Grenze liegenden Zuschauer die Wut in die Schläfen schießen. Nach Artikel 3 Grundgesetz sind schließlich alle Menschen gleich – eigentlich auch in ihrer Verantwortung für die Staatsfinanzen. Und Artikel 14 GG sieht zwar eine Verpflichtung des Eigentums vor, ebenso aber auch dessen Schutz. Und eine Entschädigung im Falle einer Enteignung. Diese aber würde bei einer Abgabe entfallen, bei einer Zwangsanleihe könnte man das DIW immerhin noch nach der Höhe der Zinsen fragen.

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Was in Deutschland mit seinen schon hohen Steuern gerade auf höhere Einkommen abstrus wäre, könnte in den Euro-Krisenstaaten möglicherweise sinnvoll sein.

Insbesondere in Griechenland, wo die Armut des Staates mit den prächtigen Jachten in den Häfen heftig kontrastiert. Dort aber gibt es gar keine Fiskalautorität, die das Eintreiben der Steuern übernehmen könnte. Vielleicht sollte sich das DIW in Berlin hierzu einmal Gedanken machen. Dann gäbe es auch gar keine Euro- und Schuldenkrise. Und es gäbe kein Raum für klassenkämpferische Vorschläge.

31 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.11.2012, 23:01 UhrPitgiss

    Ich finde es schon langsam lustig, wenn die Verfassung bemüht wird, um damit die arbeitsfreie Oberschicht vor all zu viel Verlusten zu bewahren. Man bemühe sich bitte im Grundgesetz Artikel 14 zu lesen (Ja, auch der Autor, und vor allem der!)

    (1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

    (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

    (3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

    Nanu, war da was? Außerdem ist das DIW ja von der Geldelite finanziert, deshalb kommt der Vorschlag ja auch absichtlich so ungehobelt daher: Vermögen über 250 tEUR - ist quasi jeder in der Mittelschicht. Armrechnen geht dann nicht, d.h. alle brüllen schon mal los und der vermeintlich ernst gemeinte Vorschlag ist vom Tisch. Findet ja keine Mehrheit. Aber man hat es ja versucht. Meine Fragen sind viel einfacher: Warum ist die Einkommensteuer nicht progressiv, sondern stoppt bei einem Höchststeuersatz? Warum liegt die pauschale Steuer auf Kapitalerträge bei 25%, obwohl es Bürger gibt, die Erträge jenseits der Bemessungsgrenze erzielen? Warum steigt die Geldmenge immer stärker als die Teuerungsrate und die mittleren Einkommen? Wie kann es sein, dass es keine signifikante Inflation gibt, obwohl die Geldmenge weitaus schneller wächst als die Warenmenge? Das wäre mal interessant! Bitte einen Artikel darüber! Danke!

  • 13.07.2012, 15:18 UhrOekonomiker

    • Das Desaster ist vollendet, wenn den Banken nicht sofort ein Stopp gesetzt wird

    Lesen Sie -lesen sie - lesen sie - lesen sie

    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html

    • http://www.heise.de/tp/artikel/37/37234/1.html

    • http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-301-nachrichten-ticker-1007.html

    • Lesen Sie standpunkt 301 hier ein Auszug
    • Kommentar: Nein, es ist eine Bankenkrise mit inkludierter Vertrauenskrise von Bank zu Bank. Die geschilderten Lösungsansätze sind grundsätzlich richtig, aber nur nützlich, wenn vorher die Bankenbilanzen vom Giftmüll befreit, Schattenbanken und Zweckgesellschaften konsolidiert und nicht mehr lebensfähige Banken abgewickelt werden, ohne jede Rücksicht auf Rang und Namen.
    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-304-hintergrundwissen.html

  • 12.07.2012, 23:58 Uhrmucbkk

    ... und dieses pseudowissenschaftliche Institut wird zu 50 % vom Wirtschaftsministerium getragen? Unfassbar.

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