Euro-Krise: Der nächste Bail-out kommt bestimmt

Euro-Krise: Der nächste Bail-out kommt bestimmt

von Frank Doll

Von wegen Ende der Euro-Krise. In Spanien verlieren gerade die Bankia-Aktionäre ihr Kapital, Griechenland muss 2013 schon wieder an den Geldtropf und die Bundestagswahl rückt näher.

So war das nicht geplant. Nichts fürchtet die Regierung Merkel so sehr wie weitere Euro-Rettungsaktionen vor der Bundestagswahl im kommenden September. Doch diese werden sich wohl nicht vermeiden lassen. In Spanien und Griechenland kocht die Krise bereits wieder hoch.

Ein Blick auf den Kursverlauf der Bankia-Aktie zeigt, dass die Finanzkrise in Europa vor ihrer nächsten Runde steht. Die Gründung von Bankia, einem Zusammenschluss von sieben durch die Immobilienkrise von der Pleite bedrohter spanischer Regionalbanken, war der Versuch der spanischen Regierung, einen Bail-out durch die europäischen Partner mit Hilfe privater Gelder zu vermeiden. 

Anzeige

Im Juli 2011 wurde die Bankia-Aktie nach einer aggressiven Verkaufskampagne zu einem Preis von 3,75 Euro pro Stück bei gutgläubigen Kapitalanlegern untergebracht. Jetzt steht der Kurs bei knapp 40 Cent. Ein Kursverlust von 90 Prozent. Rund 350.000 Anleger haben damit ihren Kapitaleinsatz so gut wie verloren. Der Regierung in Madrid droht eine Prozesslawine spanischer Sparer und Pensionäre, die sich betrogen fühlen. 

Bettina-Röhl-direkt Wie es 2013 mit dem Euro weitergehen muss

Ein realistischer Status des Euro ist jetzt die Voraussetzung für die Weichenstellung, wie es mit dem Euro sinnvollerweise weitergeht. Dass die Krise bereits fast überstanden sei, ist eine Fehleinschätzung der Lage.

Der Euro war von Anfang an ein hoffnungslos überfrachtetes Konstrukt. Quelle: dpa

Das nächste Fiasko droht der spanischen Regierung bei Sareb, der neuen Bad Bank. Hier verweigert die Großbank BBVA, wie schon bei Bankia, die Teilnahme. Offensichtlich weiß man bei der BBVA mehr über den Giftmüll, der bei Sareb abgeladen werden soll. Bankia und Sareb stehen für ein Bankensystem, das wegen der Immobilienkrise noch einige Überraschungen bereithalten wird. Für Verfechter einer europäischen Bankenunion wie Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble ist das ein gutes Lehrstück. Ende 2012 stieg die Summe der Not leidenden Kredite bei den spanischen Banken auf 189,6 Milliarden Euro oder gut elf  Prozent aller an den Privatsektor vergebenen Kredite. Und selbst diese Zahlen gelten als stark geschönt. 

Spaniens Abschlusszeugnis 2012

  • Politische Stabilität

    Rajoy hat eine stabile Mehrheit im Parlament, doch der Druck von der Straße ist groß. Gewerkschaften und Arbeiter machen gegen seinen Sparkurs mobil, das Baskenland und Katalonien wollen sich abspalten.

    Note: 3-

  • Umsetzung von Reformen

    Eine Bonuszahlung für die Anstellung junger Leute, eine Lockerung des Kündigungsschutzes und weniger Tarifverträge: Rajoy hat Reformen angestoßen. Doch oft sind sie nicht entschieden genug. So müssen Zeitverträge nach zwei Jahren in volle Stellen umbesetzt werden, Abfindungen bleiben hoch.

    Note: 4

  • Sparwille

    Spanien wird 2012 wohl mit einem Haushaltsminus von acht Prozent des BIPs abschließen. Auch 2013 sieht die Prognose ein kräftiges Minus voraus (6,0 Prozent). Die Sparmaßnahmen sind weitgehend Kosmetik.

    Note: 5

  • Gesamtnote

    Spanien bleibt ein Sorgenkind. Premier Rajoy muss in Zukunft deutlich mehr sparen als 2012 und auch unliebsame Reformen gegen die Gewerkschaften durchführen. Gelingt das nicht, braucht Spanien 2013 Hilfe von außen – nicht nur für seine Banken.

    Note: 4-

Trotz der jüngsten Geldinfusionen kriselt es auch schon wieder im griechischen Bankensystem  Die griechische Tageszeitung „Kathimerini“ berichtete am Mittwoch, dass zwischen Ende 2011 und Ende 2012 die Not leidenden Kredite im griechischen Bankensystem um 50 Prozent auf zuletzt 24 Prozent des Kreditvolumens gestiegen sind. Mit geschätzten 55 Milliarden Euro übertrifft die Summe der faulen Kredite die für die Rekapitalisierung des griechischen Bankensystems eingeplanten Mittel um fünf Milliarden Euro. Also bereits wenige Wochen nach dem letzten Bail-out ist damit offensichtlich, dass die für das griechische Bankensystem bereitgestellten Mittel allein für die Not leidenden Kredite verbraucht sind. Mindestens weitere fünf Milliarden Euro wären notwendig, will man bei anhaltend schlechter Wirtschaftsentwicklung nicht erneut eine Vertrauenskrise und den Abzug von Bankeinlagen riskieren.

Spanien und Griechenland werden so ihre Defizitziele für 2013 kaum einhalten können. Man darf gespannt, wie eine sich ausweitende Bankenkrise in Spanien in Kombination mit einem vierten Bail-out für Griechenland auf den Bundestagswahlkampf in Deutschland ausstrahlt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%