Euro-Krise: "Deutschland ist nicht immun"

Euro-Krise: "Deutschland ist nicht immun"

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Mohamed El-Erian, Chef der Pacific Investment Management Company (PIMCO)

Quelle:Zeit Online

Der Chef der Fondsgesellschaft Pimco Mohamed El-Erian lobt die Berliner Politik für ihre harte Haltung gegen die Euro-Pleiteländer. Gleichzeitig warnt er vor höheren Zinsen für Deutschland.

DIE ZEIT: Herr El-Erian, kaufen Sie zurzeit südeuropäische Staatsanleihen?

Mohamed El-Erian: Wir kaufen gegenwärtig keine portugiesischen oder griechischen Anleihen, wir haben unsere Bestände im Jahr 2009 aufgelöst. Wir kaufen und halten – mit Vorsicht – italienische und spanische Anleihen.

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Was müsste geschehen, damit Sie sich stärker engagieren?

Wir sind langfristig orientierte Investoren und verwalten die Ersparnisse und Pensionsgelder von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Deshalb sehen wir uns genau an, ob unsere Investitionen nachhaltig sind. Im Fall von Staatsanleihen müssen drei Kriterien erfüllt sein: Die Länder müssen ihre Schulden im Griff haben, ihre Wirtschaft muss auf Dauer solide wachsen, und es muss einen politischen Konsens über die ökonomische Zukunftsvision und die nötigen Reformen geben. Im Fall Griechenlands ist keine dieser Bedingungen erfüllt.

Und wie sieht es im Rest Südeuropas aus? Es wächst die Sorge, dass Spanien Hilfe benötigt.

Es ist wichtig, zwischen den einzelnen Ländern genau zu unterscheiden: Spanien ist nicht insolvent! Italien ist nicht insolvent! Die Märkte machen sich im Fall Spaniens Sorgen, dass der Staat möglicherweise für die Verbindlichkeiten der Banken einstehen muss, denen durch das Platzen der Immobilienblase Verluste drohen. Kann das Land die Investoren überzeugen, dass es bei der Sanierung seiner Banken vorankommt, braucht es keine externe Hilfe. Spanien muss den Investoren zeigen, dass es seine Defizite und Schulden unter Kontrolle hat – aber es muss keine so dramatischen Einsparungen umsetzen wie Griechenland.

Viele Experten argumentieren, die deutschen Sparauflagen trieben Europa in den Ruin.

Ich höre diesen Vorwurf oft, vor allem in den USA. Ich glaube aber, dass die deutsche Position so nicht fair beschrieben wird. Aus meiner Sicht sagen die Deutschen, dass die Länder ihre Herausforderungen selbst meistern müssen. Sie mögen und sollen Hilfe und Unterstützung von außerhalb erhalten, aber am Ende müssen sie mit ihren eigenen Herausforderungen fertig werden. Das ist der richtige Ansatz.

Sparen ist also die Lösung?

Das habe ich nicht gesagt. Eine Anpassung ohne Wachstum heute und in der Zukunft wird das Problem nicht lösen. Schließlich besteht die Schuldenquote aus zwei Größen: einem Zähler, den Schulden, und einem Nenner, der Wirtschaftsleistung. Wir dürfen uns nicht alleine auf den Zähler konzentrieren, und Wachstum schaffen wir vor allem durch Strukturreformen.

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