Euro-Krise: Euro-Zone vor dem großen Knall

KommentarEuro-Krise: Euro-Zone vor dem großen Knall

von Frank Doll

Die Euro-Zone pendelt zwischen Depression und Rezession, die hohe gesamtwirtschaftliche Verschuldung ist so nicht mehr tragbar. Das Platzen einer gigantischen Kreditblase wird immer unausweichlicher.

Die Wahrheit ist nur schwer zu ertragen – besonders vor einer Bundestagswahl. Daher bekommt das Wahlvolk von ihrer Regierung die Wahrheit in Sachen Euro-Krise auch nur in homöopathischen Dosen und in Form von Euphemismen verabreicht. Die Eurokrise sei zwar noch nicht ganz vorbei, aber man habe wichtige Fortschritte bei ihrer Lösung gemacht. oder: Das Ende der Krise sei greifbar nah. Je näher der Wahltermin rückt, umso häufiger wird der Wahlbürger mit solchen und ähnlichen Phrasen zugemüllt und eingelullt.

Nur ist die Eurokrise nicht vorbei, sie hat gerade erst angefangen. Für diese ernüchternde Erkenntnis reicht ein Blick auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Verschuldung in der Eurozone. Diese hat sich seit Einführung des Euro in etwa verdreifacht. Ohne dieses enorme Kreditwachstum wäre das Wirtschaftswachstum in der Eurozone noch anämischer ausgefallen. Dafür hängen die europäischen Volkswirtschaften heute mehr denn je am Kredittropf. Aber ohne Kreditzufuhr kein Wirtschaftswachstum und ohne Wirtschaftswachstum? Ganz richtig, dann droht eine Kreditkrise - so einfach ist das.

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So viel zahlt Deutschland für Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 83 Milliarden Euro, 17 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 212 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der geplante dauerhafte Rettungsschirm, den noch nicht alle Länder ratifiziert haben, soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil an den bisher zugesagten EFSF-Mitteln liegt bei 95 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Seit Ausbruch der globalen Finanzkrise Ende 2008 schwächt sich das Kreditwachstum in der Eurozone ab. Nach jährlichen Zuwachsraten von acht bis zehn Prozent zwischen 2006 und 2009 nähert sich das Kreditwachstum - abgesehen von einem kurzen Aufbäumen im Zuge der LTRO-Programme der Europäischen Zentralbank (EZB) - inzwischen der Nullmarke. Die EZB kann nichts dagegen tun. Trotz Null-Zins-Politik verhindert das erreichte Schuldenniveau eine zusätzliche Kreditaufnahme von Privathaushalten und Unternehmen. Dafür fließt das Geld der EZB in die volkswirtschaftlich ineffiziente Staatsfinanzierung und sorgt für Blasen an den Anlagenmärkten.

Freytags-Frage Wie wird Europa wieder wettbewerbsfähig?

Brüssel zeichnet ein romantisches Bild von Europa und investiert an den falschen Stellen. Was ist zu tun?

Obwohl die Wettbewerbsfähigkeit seit langem ein europäisches Kernthema ist, bleibt die Frage, was man in der EU unter Wettbewerbsfähigkeit versteht und ob die Politikmaßnahmen zu einer Steigerung derselben führen können, größtenteils unbeantwortet. Quelle: dpa

Die Finanzmärkte entfernen sich so immer weiter von der Realwirtschaft, womit sich das Risiko für das Finanzsystem der Eurozone naturgemäß erhöht. Viele Volkswirtschaften der Eurozone pendeln zwischen Depression und Rezession. Das garantiert mit Blick auf die absolute Höhe der Gesamtverschuldung das Platzen dieser gigantischen Kreditblase. Die Summen aber sind so hoch, dass selbst die Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, wie ein müder Bluff wirkt. Denn die Gefahr, damit eine ausgewachsene Währungskrise zu riskieren, setzt auch der EZB gewisse Grenzen.

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Bill Gross, Gründer des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco, sprach unlängst von der "Supernova-Kreditexplosion". Rund zwei Billionen Dollar, die Pimco verwaltet, drohten mitsamt der US-Wirtschaft in einem von der US-Notenbank Fed geschaffenen "Schwarzen Loch" zu verschwinden. Diese Metapher lässt sich problemlos auf die Eurozone übertragen. Sie befindet sich gar wegen des massiven Überhangs nicht mehr zu tragender Schulden und des stockenden Kreditwachstums in der schlimmsten aller Welten eines von Kredit abhängigen Wirtschaftsraums.

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