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Kommentar Euro-Krise: Eurozone vor dem großen Knall

von Frank Doll

Die Eurozone pendelt zwischen Depression und Rezession, die hohe gesamtwirtschaftliche Verschuldung ist so nicht mehr tragbar. Das Platzen einer gigantischen Kreditblase wird immer unausweichlicher.

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Die Wahrheit ist nur schwer zu ertragen – besonders vor einer Bundestagswahl. Daher bekommt das Wahlvolk von ihrer Regierung die Wahrheit in Sachen Euro-Krise auch nur in homöopathischen Dosen und in Form von Euphemismen verabreicht. Die Eurokrise sei zwar noch nicht ganz vorbei, aber man habe wichtige Fortschritte bei ihrer Lösung gemacht. oder: Das Ende der Krise sei greifbar nah. Je näher der Wahltermin rückt, umso häufiger wird der Wahlbürger mit solchen und ähnlichen Phrasen zugemüllt und eingelullt.

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Nur ist die Eurokrise nicht vorbei, sie hat gerade erst angefangen. Für diese ernüchternde Erkenntnis reicht ein Blick auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Verschuldung in der Eurozone. Diese hat sich seit Einführung des Euro in etwa verdreifacht. Ohne dieses enorme Kreditwachstum wäre das Wirtschaftswachstum in der Eurozone noch anämischer ausgefallen. Dafür hängen die europäischen Volkswirtschaften heute mehr denn je am Kredittropf. Aber ohne Kreditzufuhr kein Wirtschaftswachstum und ohne Wirtschaftswachstum? Ganz richtig, dann droht eine Kreditkrise - so einfach ist das.

So viel zahlt Deutschland für Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 83 Milliarden Euro, 17 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 212 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der geplante dauerhafte Rettungsschirm, den noch nicht alle Länder ratifiziert haben, soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil an den bisher zugesagten EFSF-Mitteln liegt bei 95 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Seit Ausbruch der globalen Finanzkrise Ende 2008 schwächt sich das Kreditwachstum in der Eurozone ab. Nach jährlichen Zuwachsraten von acht bis zehn Prozent zwischen 2006 und 2009 nähert sich das Kreditwachstum - abgesehen von einem kurzen Aufbäumen im Zuge der LTRO-Programme der Europäischen Zentralbank (EZB) - inzwischen der Nullmarke. Die EZB kann nichts dagegen tun. Trotz Null-Zins-Politik verhindert das erreichte Schuldenniveau eine zusätzliche Kreditaufnahme von Privathaushalten und Unternehmen. Dafür fließt das Geld der EZB in die volkswirtschaftlich ineffiziente Staatsfinanzierung und sorgt für Blasen an den Anlagenmärkten.

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Die Finanzmärkte entfernen sich so immer weiter von der Realwirtschaft, womit sich das Risiko für das Finanzsystem der Eurozone naturgemäß erhöht. Viele Volkswirtschaften der Eurozone pendeln zwischen Depression und Rezession. Das garantiert mit Blick auf die absolute Höhe der Gesamtverschuldung das Platzen dieser gigantischen Kreditblase. Die Summen aber sind so hoch, dass selbst die Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, wie ein müder Bluff wirkt. Denn die Gefahr, damit eine ausgewachsene Währungskrise zu riskieren, setzt auch der EZB gewisse Grenzen.

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Bill Gross, Gründer des weltweit größten Anleihe-Investors Pimco, sprach unlängst von der "Supernova-Kreditexplosion". Rund zwei Billionen Dollar, die Pimco verwaltet, drohten mitsamt der US-Wirtschaft in einem von der US-Notenbank Fed geschaffenen "Schwarzen Loch" zu verschwinden. Diese Metapher lässt sich problemlos auf die Eurozone übertragen. Sie befindet sich gar wegen des massiven Überhangs nicht mehr zu tragender Schulden und des stockenden Kreditwachstums in der schlimmsten aller Welten eines von Kredit abhängigen Wirtschaftsraums.

53 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.02.2013, 18:11 UhrTraumschau

    @super-angie
    Ich sehe das ähnlich! Ich glaube mittlerweile das ist so gewollt.
    Man wird ein komplett neues Finanzsystem aufziehen. Wer dieses System regiert dürfte jedem klar sein.
    Oder anders: Machen wir uns auf eine neue Weltordnung gefasst, in der die Demokratie KEINE Rolle mehr spielt!

  • 19.02.2013, 14:22 UhrSuper-Angie

    Wuff@

    Korrekt ! Das Volk in D wird Merkel wählen im September; wäre eh egal wen; mit der SPD & Tritt-Ihn würden noch schneller Euro-Bonds eingeführt werden; Schulden vergemeinschaftet werden. Weil Tritt Ihn noch religiöser Inkompetenter ist als alle anderen zusammen.

    Dann Ende 2013/14 wird Frankreich unter den Rettungsschirm flüchten müssen aus Not; PSA wird zu diesem Zeitpunkt bereits fast pleite sein + Zulieferer; Niemend wird diese Rechnungen mehr bezahlen können oder wollen.

    Und dann fliegt die EU mit einem Ruck auseinander; heißt die Investoren flüchten aus dem Euroraum und die Bondzinsen steigen wieder merkel-lich an : Frau Merkel merkelt nun was sie angerichtet hat.

    Nachts steigen die Bond Zinsen, tagsüber werden Sie mit unendlichen Summen manipuliert werden mit Geld zugeschüttet werden

    Ein Puls an den Bondmärkten tritt ein in der Endphase.

    Und das Mahl der Hyper-Inflation ist nun angerichtet; die Geld-Berge der EZB können nicht mehr eingesammelt werden

    Ein Land der Südschiene nach dem anderen verlässt die Eurozone. Regierungen verlassen fluchtartig den Euro-Raum um sich vor zugriffen der empörten Bevölkerung zu entziehen. Österreich wird den Staatsbankrott ausrufen wegen Fehlspekulationen.

    All diese Reaktionen werden aus Frankreich kommen, da Frankreich zu einem großen Teil den ESM finanziert. Sollte Frankreich als Schulden-Finanzierer ausfallen ist die EU am Ende.

    Alles geht jetzt seinen Weg alleine. Ein Automatismus hat eingesetzt , den auch keine Medien-Gewalt (Schönschreiben) mehr stoppen kann.

    Man muß nur auf die Ereignisse aus Paris warten auf die Vororte in denen Autos brennen werden Krawalle ungeahnten ausmaßes ausbrechen werden Rassenkrawalle; in der Teile der französischen Bevölkerung sich zu Bürgermilizen zusammenschließen werden.Die Multikuli-Gesellschsft bricht über den nicht mehr vorhandenen Kredit-Konsum auseinenader.

    Der Französische Staat wird den Ausnahmezustabnd ausrufen und das wird das Zeichen sein.

    " Die EU ist TOT "

  • 19.02.2013, 11:46 Uhrwulff

    Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

    Ein Staat, der sich wie Deutschland, ohne Not in eine Rettungsschirm-Union von nicht wettbewerbsfähigen Pleitegeiern mit einer inkompatiblen Gemeinschaftswährung begibt und dafür alle 4 Jahre von seinen bescheuerten Wählern immer wieder neu gewählt wird, kann verrecken, wg. Idiocracy seiner Bürger sozusagen.

    Die Transfer-Union-Block-Partei CDUCSUROTGRÜNGELB wird zu ihrer Rechtfertigung sagen: "Ihr habt uns doch gewählt!!"

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