Euro-Krise: EZB-Chef Draghi lehnt weitere Staatsanleihenkäufe ab

Euro-Krise: EZB-Chef Draghi lehnt weitere Staatsanleihenkäufe ab

, aktualisiert 19. Dezember 2011, 08:37 Uhr
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Quelle:Handelsblatt Online

Mario Draghi macht den Euro-Rettern einen Strich durch die Rechnung: Der EZB-Chef sperrt sich gegen weitere Notenbank-Interventionen und warnt sogar vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone.

Frankfurt / Berlin Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat ein stärkeres Engagement der EZB in die Bewältigung der Staatsschuldenkrise abgelehnt. „Geldpolitik kann nicht alles machen“, sagte der Italiener in einem am 14. Dezember 2011 geführten Interview mit der „Financial Times“, das am Sonntag auszugsweise veröffentlicht wurde.

Draghi sagte demnach auch, es sei an den Regierungen, mit Haushaltsdisziplin und Strukturreformen die Märkte zu überzeugen. Auch gebe es kein Renditeziel für Anleihen, bei dessen Überschreiten die EZB mit Käufen eingreife. Die EZB müsse sich an die Vorgaben der EU-Verträge halten, die ein Verbot der monetären Staatsfinanzierung enthielten.

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Der EZB-Chef warnte vor den Kosten eines Auseinanderbrechens der Eurozone. Den an den Finanzmärkten unter Druck geratenen Euro-Staaten empfahl er, in der Währungsunion zu bleiben. Die wirtschaftlichen Folgen eines Austritts seien noch verheerender als die nötigen Reformen: Länder, die austreten, stünde eine „große Inflation“ bevor und müssten Strukturreformen dennoch angehen, allerdings in einer „viel schwächeren Position“.

Der EZB-Präsident warnte auch davor, allzu große Hoffnungen in die neue Geldspritze zu setzen, die die Währungshüter den Geschäftsbanken geben wollen: Er glaube nicht, dass die Institute mit dem frischen Geld zwingend Anleihen europäischer Staaten kaufen und so deren Notlage verbessern, sagte er unter Bezugnahme auf das in der kommenden Woche anstehende Refinanzierungsgeschäft mit dreijähriger Laufzeit. „Die Banken werden entscheiden, was am besten für sie ist. Eine Erwartung ist, dass sie damit die Realwirtschaft finanzieren, vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen“, sagte er.

Mit seiner Aussage dämpfte Draghi die Hoffnungen der Optimisten an den Finanzmärkten. Sie setzen darauf, dass die Banken das EZB-Geld ab Mittwoch direkt in Staatsanleihen investieren und so helfen, die Euro-Krise abzuschwächen.

Letzte Woche hatte Draghi gesagt, dass ein kurzfristiger Rückgang der Konjunktur in Europa nicht mehr zu verhindern sei. Die Sparmaßnahmen der Regierungen in der Eurokrise würden zunächst das Wachstum belasten und zu einer Schrumpfung führen, sagte Draghi am Donnerstag in Berlin.

Es gebe seiner Ansicht nach keinen Retter für Staaten, die die notwendigen strukturellen Reformen verweigern. „Die erste Antwort muss von den Staaten kommen.“ Das Programm der EZB zum Ankauf von Staatsanleihen sei vom Umfang her und zeitlich begrenzt, sagte er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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