Euro-Krise: Griechenland - das Fass ohne Boden Europas

Euro-Krise: Griechenland - das Fass ohne Boden Europas

von Gregor Peter Schmitz, Malte Fischer

Die Rettung Griechenlands mutiert zu einer konzertierten Konkursverschleppung.

Griechenland geht den Weg, den das afrikanische Land Sambia vor 30 Jahren schon einmal gegangen ist. Denn der IWF hat Griechenland erlaubt die im Juni anstehenden Zahlungen gebündelt erst am 30. Juni zu überweisen. Insgesamt sollen 1,6 Milliarden Euro fließen.

Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

  • Grexit

    Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

  • Graccident

    Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht. Mittlerweile taucht die Wortschöpfung auch als „Grexident“ auf.

  • Anleihe

    Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

  • T-Bill

    Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

  • Schuldenschnitt

    Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

  • Rettungsschirm

    Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

  • Troika

    In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Das IWF-Angebot zeigt: Beim verzweifelten Versuch, Griechenland in der Euro-Zone zu halten, ist den Geldgebern aus Währungsfonds, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission fast jedes Mittel recht. Seit Monaten lassen sie sich von Tsipras und Varoufakis mit leeren Versprechungen, flegelhaften Beschimpfungen und ostentativer Reformverweigerung am Nasenring durch die Weltmanege führen. Aus Angst vor den Folgen eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone deuten die Euro-Retter die wirtschaftlichen Realitäten in Griechenland um, dehnen Regeln und errichten so ein Potemkinsches Dorf, das der Öffentlichkeit die Therapierbarkeit des griechischen Patienten suggerieren soll. In Wahrheit inszenieren sie eine Konkursverschleppung.

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Fünf Jahre ist es her, dass Griechenland unter den Schirm des ersten Rettungsprogramms schlüpfte. Doch während die anderen Patienten des Euro-Rettungsdienstes, allen voran Irland und Spanien, längst auf dem Weg der wirtschaftlichen Genesung sind, liegt Griechenland weiter auf der Intensivstation. Schien sich die Wirtschaft 2014 nach sechs Jahren steiler Talfahrt zunächst zu berappeln, fällt Hellas nun wieder in die Rezession zurück. Im ersten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstituts IOBE fiel das Wirtschaftsklima im Mai auf ein 18-Monats-Tief. Für 2015 erwartet die EU-Kommission nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent , statt wie bisher 2,5 Prozent – vorausgesetzt, Athen einigt sich mit den Gläubigern auf weitere Finanzhilfen.

Wirtschaftswachstum in Griechenland

Wirtschaftswachstum in Griechenland (zum Vergrößern bitte anklicken)

Keine Rückkehr an die Finanzmärkte

Der neuerliche Abschwung macht den diesjährigen Haushalt, der mit einem Defizit von nur 0,2 Prozent vom BIP abschließen sollte, zur Makulatur. Die für 2015 angepeilte Rückkehr des Landes an die Finanzmärkte ist zur Fata Morgana geworden – ganz im Gegensatz zu den Versprechungen von Regierungschef Tsipras, der im Wahlkampf tönte, nach einem Sieg seiner Syriza würden „die Finanzmärkte nach unserer Pfeife tanzen, nicht umgekehrt“.

Finanziell steht das Land am Abgrund. Weil die Verhandlungen nicht von der Stelle kamen, suchte Tsipras zuletzt in persönlichen Gesprächen und Telefonkonferenzen mit Kanzlerin Angela Merkel eine Lösung. Er hat erkannt: Gegen die in seiner Partei verhasste Merkel läuft in Europa nichts.

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