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Euro-Krise: Griechenlands Banken bluten aus

von Florian Willershausen, Yvonne Esterházy, Matthias Kamp, Anne Kunz, Anne Grüttner und Gerd Höhler

Ganz legal schaffen immer mehr Südländer ihr Geld auf Konten im Ausland. Selbst deutsche Sparkassen nehmen dankbar jeden griechischen Euro an.

Die Zentralbank Griechenlands warnt: Die Kapitalflucht bringt die nationalen Geldinstitute noch weiter in Bedrängnis. Quelle: dpa
Die Zentralbank Griechenlands warnt: Die Kapitalflucht bringt die nationalen Geldinstitute noch weiter in Bedrängnis. Quelle: dpa

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Der alte Seemann Panagis N. ist nicht sehr gut auf die Deutschen und ihre Bundeskanzlerin zu sprechen. „Die Merkel“, schimpft der pensionierte griechische Kapitän, „treibt unser Land mit ihren brutalen Sparauflagen in den Ruin.“ Die Skepsis gegenüber der Deutschen hält den Rentner aus dem Athener Küstenvorort Voula aber nicht davon ab, Zuflucht in ihrem Land zu suchen. Voriges Jahr flog er nach Berlin und eröffnete in einer Bank am Potsdamer Platz ein Konto. „Als ich sagte, dass ich aus Griechenland komme, hat man mich in den ersten Stock gebeten und mir einen Kaffee angeboten“, erinnert er sich. Seitdem überweist er immer wieder Geld nach Berlin – „ganz legal“, wie Panagis betont, er hat ja nun ein deutsches Konto.

Es sind beileibe nicht nur die Griechen, die ihr Geld ins Ausland retten. Aus allen kriselnden Südländern fließt Kapital ab. Bei Immobilienfirmen in London häufen sich Anfragen aus Frankreich, zypriotische Investmentfonds quillen über vor den Fluchtmillionen der Italiener, institutionelle Anleger fliehen aus Spanien und Portugal, selbst deutsche Sparkassen nehmen dankbar jeden griechischen Euro an.

Unglaublich viel Geld

Die Angst vor einer Rückkehr der Drachme hat in Griechenland die stärkste Fluchtwelle in Gang gesetzt. Nach den Reichen des Südens bringen jetzt auch Normalbürger der Mittelschicht ihr Geld in Sicherheit. Selbst ärmere Rentner wie Panagis N. eröffnen Auslandskonten. „Nach Deutschland fließt derzeit unglaublich viel Geld aus der Peripherie“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor nachlassenden Reform- und Sparbemühungen auch in Ländern, die unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leiden. „Kurzlebige Konjunktur- und Ausgabenprogramme und immer höhere Schulden für nachfolgende Generationen schaffen aber keine nachhaltigen Arbeitsplätze, die dringend benötigt werden“, sagte Weidmann der „WAZ“-Mediengruppe. „Als Schwergewicht in der Währungsunion hat Frankreich eine besondere Vorbildfunktion. Gerade jetzt, da wir uns schärfere Regeln zum Defizitabbau gegeben haben, sollten wir deren Glaubwürdigkeit nicht dadurch in Frage stellen, dass wir deren Flexibilität voll ausreizen. Was wir jetzt brauchen ist Vertrauen in die Sanierung der Staatsfinanzen“, sagte Weidmann. Weidmann meinte: „Frankreich hat zwar in den vergangenen Jahren sein Haushaltsdefizit verringert, nach der Prognose der EU-Kommission beläuft es sich in Frankreich in diesem Jahr aber immer noch auf knapp 4 Prozent und wird im nächsten Jahr sogar wieder leicht steigen. Das ist für mich kein Sparen.“

Bild: REUTERS

Berechnungen der Citigroup fassen die Angst um ihr Vermögen, die viele Sparer der Krisenländer erfasst hat, in Zahlen: Allein aus Spanien zogen Investoren im vergangenen Jahr ungefähr 100 Milliarden Euro ab, in Italien waren es sogar rund 160 Milliarden Euro, rechnete Citigroup-Ökonom Matt King vor. Griechenland haben seit Ende 2009 mehr als 80 Milliarden Euro verlassen, was 40 Prozent der momentanen Wirtschaftsleistung entspricht. Allein in der Woche nach der Wahlniederlage der reformbereiten Volksparteien im Mai belief sich der Exodus auf 3,2 Milliarden Euro.

Der Exodus des Kapitals

Offizielle Stellen versuchen den dramatischen Kapitalabfluss zu verharmlosen. Im Finanzministerium von Athen äußern sich Experten nur unter vorgehaltener Hand: Privatanleger, heißt es, verfügen über Auslandvermögen von mindestens 200 Milliarden Euro. Bedenkt man, dass Griechenlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr etwa bei 203 Milliarden Euro liegen wird, lässt sich sagen: Wenn all diese Flüchtlinge ihr Vermögen zurück in ihre Heimat holen würden, wäre das griechische Finanzsystem gerettet. Im Gegenteil sind sich die Experten aber einig, dass der Exodus des Kapitals im zweiten Quartal noch deutlich zunehmen wird – erst recht, wenn die Reformer bei den Wahlen am 17. Juni wieder keine Mehrheit holen.

Schon seit Ende 2009 sind die 500- und 200-Euro-Scheine in Griechenland aus dem Bargeldkreislauf verschwunden – vermutlich, da sie in Brieftaschen außer Landes geschafft wurden. Wer diesen Abfluss eindämmen will, muss den Kapitalverkehr kontrollieren.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.06.2012, 17:11 Uhrmathias

    DEUTSCHLAND ????????????????????????????????????????????????????????

  • 11.06.2012, 13:32 UhrNEARCO

    Wenn ich Grieche oder Spanier wäre würde ich auch mein Geld aus reinem Selbsterhaltungstrieb ins Ausland schaffen. Deutschland, Schweiz, Luxemburg. Die Cleveren und die, die etwas zu verlieren haben machen es.

    Für die Olivenländer ist der Euro kein Segen sondern ein Fluch!!

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