Euro-Krise: In Frankreich sterben die Fabriken weg

Euro-Krise: In Frankreich sterben die Fabriken weg

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François Hollande kündigt soziale Wohltaten an. Aber woher soll das Geld kommen?

von Benjamin Reuter

Auf den neuen Präsident François Hollande wartet viel Arbeit, denn die französischen Unternehmen sind kaum noch wettbewerbsfähig. Etwa in der Autoindustrie. Die Folge: Westlich des Rheins sterben die Fabriken weg.

Die Fabrik von Peugeot-Citroën in Aulnay-sous-Bois, nordöstlich von Paris, könnte bald zum nächsten Symbol für Frankreichs Abstieg als Industrienation werden. Noch fertigen hier 3200 Arbeiter den Citroën C3. Aber schon seit Längerem zirkulieren Papiere der Konzernspitze des angeschlagenen Autobauers, die das Ende des Werkes im Zuge einer Sparwelle andeuten. Schon im Juni könnte es so weit sein. Eine Überraschung wäre es nicht. Wie dem Autowerk erging es in den vergangenen Jahren Hunderten Unternehmen. Seit 2007 verlor Frankreichs Industrie fast eine halbe Million Arbeitsplätze.

Der Grund für das Fabriksterben westlich des Rheins: Die Unternehmen sind zu einem Großteil nicht mehr wettbewerbsfähig. Deutlichster Hinweis, dass made in France auf dem Weltmarkt nicht mehr erste Wahl ist, ist das enorme Außenhandelsdefizit von 70 Milliarden Euro in 2011.

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Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit

Erkannt hat das nicht nur Patrick Artus, Professor an der Paris School of Economics. Sein Buch „Frankreich ohne seine Fabriken“ ist ein Bestseller. Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit war auch eines der zentralen Themen des neuen Präsidenten François Hollande. Zwar redet ganz Europa derzeit vor allem über seine Renten- und Steuerpläne sowie die Abkehr vom europäischen Sparkurs. Doch damit wird aus Frankreich noch lange kein stabiler Partner im Euro-Raum. Das weiß auch der Sozialist Hollande.

Die Gründe für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit hat der Pariser Ökonomie-Thinktank Ceo-Rexecode zusammengetragen. Seit 2000 sind die Lohnstückkosten in Frankreich um 23 Prozent gestiegen, in Deutschland nur um vier Prozent. In der Folge brachen die Gewinne vor Abgaben in der verarbeitenden Industrie in Frankreich um rund 50 Prozent ein. Zugleich sank die Besteuerung von Unternehmensgewinnen im EU-Durchschnitt um elf Prozentpunkte, in Frankreich dagegen nur um fünf Punkte.

Kleinen und mittleren Unternehmen fehlt Geld für Investitionen

Das alles habe die Gewinne so sehr reduziert, dass kleinen und mittleren Unternehmen das Geld für Investitionen fehlt. Dabei haben sich die Großunternehmen von der Entwicklung in Frankreich weitgehend abgekoppelt: Sie verlegten einen Großteil ihrer Produktion ins Ausland.

Das Ergebnis ist ein Teufelskreis. Sinkt der Profit der Unternehmen, bleiben Investitionen in Wachstum, Innovation und die Eroberung neuer Märkte wie Indien und China aus. Folge: Die Gewinne sinken weiter.

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