Euro-Krise: Italien hebelt sich in die Pleite

KommentarEuro-Krise: Italien hebelt sich in die Pleite

von Frank Doll

Unter der Aufsicht des heutigen EZB-Präsidenten Mario Draghi sind italienische Banken hochriskante Derivategeschäfte eingegangen. Den Aktionären der ältesten Bank der Welt droht der Totalverlust.

Das Ende der Euro-Krise muss erneut verschoben werden. Schuld daran ist ein Verlust in Höhe von vermutlich 720 Millionen Euro, den sich die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) mit geheimen Derivategeschäften, die sie zwischen 2006 und 2009 eingegangenen ist, eingehandelt hat.

So half der ältesten Bank der Welt im Dezember 2008 die Deutsche Bank mit einem 1,5 Milliarden Euro schweren Kredit unter die Arme, um einen Verlust von 367 Millionen Euro aus einem Derivategeschäft mit eben derselben Deutschen Bank zu entschärfen. Dumm nur, dass der Kredit zum Teil gekoppelt war an eine Wette auf die Werthaltigkeit italienischer Staatsanleihen - und gegen die Italiener lief. Verluste aus Derivategeschäften, die an italienische Staatsanleihen gekoppelt sind, haben bei der drittgrößten italienischen Bank schon eine gewisse Tradition.

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Die Staatshilfen, die Monte die Paschi, die als eine von fünf italienischen Banken als systemrelevant eingestuft wird, beantragt hat, summieren sich inzwischen auf 3,9 Milliarden Euro. Der nun für 2012 erwartete Gesamtverlust in Höhe von zwei Milliarden Euro dürfte die komplette Verstaatlichung und den Totalverlust für die Aktionäre des 1492 in Siena in der Toskana gegründeten Bankhauses zur Folge haben.

EZB-Präsident Mario Draghi versucht derweil, die drohende Bankpleite in seiner Heimat in die “Zuständigkeit der italienischen Autoritäten” abzuwälzen. Das lässt sich auch als Aufforderung verstehen, den Skandal möglichst rasch unter den italienischen Teppich zu kehren. Schließlich steht für Draghi einiges auf dem Spiel. Der ehemalige Spitzenmanager von Goldman Sachs (GS) war zwischen 2006 und 2011 Chef der italienischen Notenbank. Ihm könnte ein Prozess wegen einer möglichen Verletzung seiner Aufsichtspflicht in dieser Zeit drohen. Doch das wäre wohl noch das geringste Problem.

Derivategeschäfte im Zusammenhang mit italienischen Staatsanleihen sind ein heißes Eisen mit starker politischer Sprengkraft - nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa. Deshalb hat sich wohl auch der italienische Staatschef Giorgio Napolitano sofort eingeschaltet in die Diskussion und der italienischen Zentralbank sein Vertrauen ausgesprochen. Ministerpräsident Mario Monti, der übrigens bis zu seiner Berufung zum italienischen Regierungschef als Berater von Goldman Sachs tätig war, schlägt in dieselbe Kerbe und sieht ebenfalls kein Aufsichtsproblem. Wäre man jetzt ganz böse, dann könnte man glatt denken: „Das Ganze ist ein Witz. Da stellt der eine GS-Mann dem anderen GS-Mann einen Persilschein aus.“

Nun, im Dezember wurden die Banken UBS, Deutsche Bank, Morgan Stanley und Depfa wegen Betrugs beim Verkauf von Derivaten an die Stadt Mailand verurteilt. Mehr Prozesse dieser Art werden in Italien folgen. Gerüchte, wonach Italien mit ähnlichen Swap-Geschäften seinen Schuldenstand für den Eintritt in die Euro-Zone manipuliert haben soll, sind nie ganz verstummt.

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Täuschen und Tarnen wie im Fall von Griechenland. Apropos Griechenland: Abgeordnete des Haushaltsschusses des Bundestages verlangten Ende 2012 vergeblich die Herausgabe von zwei EZB-Untersuchungsberichten zur Rolle des ehemaligen Draghi-Arbeitgebers Goldman Sachs im Zusammenhang mit der Verschleierung griechischer Haushaltsdefizite.

Nach vier Jahren massiver staatlicher Rettungsaktionen tappt man nach wie vor im Dunkeln, welcher Giftmüll noch innerhalb und außerhalb der Bankbilanzen lagert. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Bank hoch geht  - in Italien oder sonst wo in Europa. Schon grotesk, dass ausgerechnet der Italiener Draghi von 2014 an die Aufsicht über alle systemrelevanten Banken in Europa übernimmt.  

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