_

Euro-Krise: Keine Antwort auf die Griechen-Krise

von Silke Wettach

Bei ihrem ersten EU-Gipfel des Jahres haben sich die Staats- und Regierungschefs um die Frage gedrückt, wie es mit der Sanierung Griechenlands und der Währungsunion insgesamt weitergehen soll.

Die Fehler bei der Euro-Rettung


Rettungsfonds EFSF: Eine kleine Krücke
Die im Mai 2010 als Euro-Rettungsfonds geschaffene European Financial Stability Facility (EFSF) ging mit der Arbeitshypothese ans Werk, sie werde gar nie zum Einsatz kommen. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hofften, allein die Ankündigung, finanzschwachen Staaten zur Seite zu stehen, werde die Finanzmärkte nachhaltig beeindrucken. Doch es kam anders. Die Summe, die der EFSF zur Verfügung stand, ließ die Märkte kalt. Der Versuch, die Mittel der EFSF zu hebeln und das Kreditvolumen auf eine Billion Euro zu steigern, ist kläglich gescheitert. Mittlerweile sind die Investoren so beunruhigt, dass auch eine Versicherung von 20 bis 30 Prozent sie nicht mehr locken kann.

Quelle: dpa

Im Bundesfinanzministerium in Berlin amüsieren sich die Beamten in diesen Tagen über ein Dokument aus dem Jahre 1905. Die Seite 310 des achten Bands von Meyers Konversationslexikon kursiert eingescannt zwischen den Abteilungen: „Die griechischen Finanzen befanden sich stets in einem bedenklichen Chaos, dessen Ordnung nie gelungen ist“, heißt es im E-Mail-Anhang in Fraktur.

Anzeige

Mehr als ein Jahrhundert später und nach geraumen Anstrengungen der europäischen Politik und des Internationalen Währungsfonds klingt das antiquarische Lexikon erschreckend aktuell. Und auch am vergangenen Montag haben sich die EU-Staats- und -Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen erfolgreich um eine Antwort auf die Frage gedrückt, wie sie nun endlich Ordnung in die griechischen Finanzen bringen wollen. Ebenso haben sie die Zukunft der Währungsunion im Vagen gelassen. Wieder einmal brachte eine Zusammenkunft in Brüssel wenig konkreten Fortschritt.

Chronologie der Euro-Krise

Geschönter Haushalt

Am Anfang war die Statistik: Der frisch gewählte griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou revidiert Ende Oktober 2009 die Schätzung des staatlichen Haushaltsdefizits. Statt 6 Prozent soll es nun bei 12 bis 13 Prozent liegen. Schon beim Euro-Beitritt hatte Griechenland das Defizit falsch angegeben.

Quelle: AP

Hoch gegriffen

Beschlossen wurde beim Gipfel der Fiskalpakt, der künftig für mehr Haushaltsdisziplin in der Euro-Zone sorgen soll. Euro-Gruppen-Vorsitzender Jean-Claude Juncker interpretiert den Vertrag als Beleg für eine „neue Ernsthaftigkeit“ in der Währungsunion. Das erscheint hoch gegriffen. Franzosen und Italiener etwa haben durchgesetzt, dass bei einer überhöhten Staatsverschuldung nur die Regeln gelten, die ohnehin seit Dezember in Kraft sind. Die neuen, schärferen Regeln greifen nur bei der Frage des Defizits. Auch wenn man in Berlin den Verhandlungserfolg der beiden Partner herunterspielt – er lässt ahnen, dass die Mitgliedsländer den just beschlossenen Fiskalpakt in Zukunft sehr unterschiedlich interpretieren werden.

Griechenland muss warten

Beim Gipfel billigten die EU-Staaten außerdem den permanenten Rettungsfonds ESM, ließen aber die zentrale Frage nach dessen Volumen offen. Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hatte zuvor schon zu verstehen gegeben, dass er von Deutschland eine Aufstockung der Mittel des Fonds über 500 Milliarden Euro hinaus erwartet, sobald die EU-Länder mehr Haushaltsdisziplin geloben. Danach sieht es ganz aus. Der Deutsche Bundestag wird daher wohl schon bald zusammentreten, um zugunsten weiterer Rettungsmilliarden eine Aufstockung des deutschen Anteils zu beschließen.

weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.