Euro-Krise: Merkel und Sarkozy ringen um die Rolle der EZB

KommentarEuro-Krise: Merkel und Sarkozy ringen um die Rolle der EZB

von Christian Ramthun

Die Krisenmanager Merkel und Sarkozy haben erneut über die Schuldenkrise diskutiert. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, da sind sich "Merkozy" einig. Gestritten wird hingegen über die Rolle der EZB.

Lange hielt die weihnachtliche Ruhe nicht. Anfang dieser Woche trafen sich die beiden obersten Krisenmanager Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zu ihrem ersten Gespräch im neuen Jahr. Auf der Agenda standen die altbekannten Themen, und auch die Sachlage hat sich nicht entschärft. „Die Lage ist angespannt, sehr angespannt, wie vielleicht noch nie im Euro-Raum“, sagte der französische Präsident nach dem Treffen. Das meint auch die Bundeskanzlerin. Griechenland müsse sich noch sehr anstrengen, bevor die nächste Tranche des Hilfspakets freigegeben werden könne. Das klingt doch sehr bekannt.

Neuer ist dagegen der Vorstoß von „Merkozy“, die Europäische Zentralbank (EZB) stärker in die künftige Euro-Rettungsstrukturen einzubauen. Die EZB solle „beratend“ tätig werden beim ESFS-Rettungsfonds, damit dieser auch Anleihen am Primärmarkt aufkaufen könne, sagt Merkel. Sarkozy wird noch deutlicher. Die EZB solle „alles tun, damit der EFSF richtig arbeiten kann“, so der Franzose. Das klingt bei vorsichtigen Gemütern schon fast so, als solle der EFSF doch noch eine Banklizenz bekommen, nachdem diese dem Fonds auf deutschen Druck erst Ende 2011 verwehrt worden ist. Auch dieses Ringen um mehr (Frankreich) oder weniger (Deutschland) Hilfe hört sich sehr bekannt an.

Anzeige

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

  • IWF

    Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

    Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

  • ESM (Bareinzahlung)

    Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

    Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

  • ESM (Bürgschaften)

    Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

    Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

  • IWF-Rettungsplan für Griechenland

    Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

    Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

  • EU-Rettungsplan für Griechenland

    Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

    Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

    Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

    Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

  • Gesamt

    Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

    Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Einen neuen Versuch startet „Merkozy“ auch bei der Finanztransaktionssteuer. Frankreich will notfalls im Alleingang diese Sondersteuer für Banken einführen. Das scheint auch Merkel zu wollen. Allerdings verweist die CDU-Kanzlerin darauf, dass ihr Koalitionspartner einer Finanztransaktionssteuer nur zustimmen wolle, wenn sie von der internationalen Gemeinschaft getragen werde. Da die USA und Großbritannien strikt gegen eine solche Abgabe sind, könnte es laut FDP also auch keine Finanztransaktionssteuer geben. Es sei denn, Merkel setzt sich über ein „Nein“ ihres schwindsüchtigen Juniorpartners hinweg. das Okay der oppositionellen SPD hat sie schon bekommen. Aber selbst dies ist in diesen Zeiten nicht wirklich überraschend mehr.

Das Jahr 2012 wird sicherlich wieder ein sehr schwieriges Jahr, aber zumindest kennen wir die Probleme bereits zu genüge aus dem alten Jahr. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, so Merkel, jedenfalls keine, die uns nicht superteuer zu stehen käme. Denn auch das Ringen um eine Fiskalunion, die ebenfalls Thema des Merkozy-Treffens war, braucht seine Zeit. Allerdings soll dieser Pakt, zu dem auch eine Schuldenbremse gehört, bis März unterzeichnet werden. Das wäre dann doch etwas neues.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%