Euro-Krise: Schicksalsstunden in Euro-Land

Euro-Krise: Schicksalsstunden in Euro-Land

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Die Politik spricht mittlerweile offen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone.

von Konrad Handschuch, Max Haerder, Christian Ramthun, Silke Wettach, Malte Fischer

Es ist die bislang spektakulärste Wendung in der Europäischen Union: Der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, lange undenkbar, ist seit der vergangenen Woche nun auch eine politische Option. Und ein Präzedenzfall. Italien könnte folgen.

So hart, so entschlossen und gleichsam entspannt haben Beobachter Angela Merkel selten erlebt. Spät am Abend des 2. November erklärte die Bundeskanzlerin nach einem Arbeitsessen in Cannes, das dem griechischen Premier Giorgos Papandreou wie ein Scherbengericht schmecken musste: "Wir haben noch einmal klargemacht: Das Referendum geht im Kern um nichts anderes als um die Frage, möchte Griechenland im Euro-Raum verbleiben – Ja oder Nein." Entscheidet das griechische Volk mit Nein, erklärten Merkel und Sarkozy, werde man das seitens der anderen Euro-Länder respektieren und sei "gewappnet". Gemeint ist das eine Woche zuvor beim EU-Gipfel beschlossene Arsenal an Rettungs- und Vorbeugemaßnahmen für Staaten und Banken.

Am Morgen danach legte Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker nach. Sollten die Griechen die Währungsunion verlassen wollen, "dann können wir die Griechen nicht zu ihrem Glück zwingen". Und aus Paris klang es ganz ähnlich. Der Euro und Europa würden es "überleben", wenn Griechenland nicht mehr dazugehöre, sagte der französische Europaminister Jean Leonetti.

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Wo sich die Gläubiger Griechenlands konzentrieren (Klicken Sie für eine detallierte Ansicht auf die Grafik)

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Politik, sagt Merkel häufig, beginne mit dem "Betrachten der Wirklichkeit". Papandreou hat ihr die Augen geöffnet. Ihr Mantra, der Euro sei eine Frage von Krieg und Frieden, und Griechenland müsse um jeden Preis gerettet werden, um einen dominoartigen Zusammenbruch der Euro-Zone und dann gar der EU zu verhindern, ist am Regierungschaos in Athen gescheitert. Der bislang stets als alternativlos dargestellte Zusammenhalt der Euro-Zone ist seit vergangenem Mittwoch nicht mehr sakrosankt: Der Austritt eines Landes aus der Euro-Zone ist eine politische Option.

Für die Zukunft kann dies vieles bedeuten: Den Anfang vom Ende der Währungsunion, wenn nach Griechenland das bereits angeschlagene Italien noch stärker in den Strudel gerät. Die Regierung Silvio Berlusconis nähert sich ihrem Ende – unfähig zu politischen Reformen, die das Land mit dem nach Griechenland zweithöchsten Schuldenstand sanieren könnten. Das Land wird von Investoren gemieden. Vor allem französische Banken warfen zuletzt massenhaft italienische Anleihen auf den Markt. Oftmals einziger Käufer: die Europäische Zentralbank (EZB). Wird die Krise in Rom nicht gestoppt, könnten leicht auch Spanien und Portugal von den Märkten gemieden und gerettet werden müssen. Das würde zu tiefen Verwerfungen auch in Frankreich und Deutschland führen. Oder es kommt zur Konsolidierung, zum Schrumpfen auf einen Kreis von Mitgliedsländern, deren Volkswirtschaften zueinander passen und die einen in sich homogenen Währungsblock bilden.

Austritt nicht zu teuer
Merkel hat mit ihrer Kehrtwende wieder einmal alle überrascht. "Bisher hieß es vonseiten der EU-Regierungschefs stets, die Kosten eines Austrittes aus der Euro-Zone seien viel zu hoch", sagt Daniel Gros, Direktor bei der Brüsseler Denkfabrik Centre for European Policy Studies (CEPS). "Doch jetzt zeigt sich, dass das nicht der Fall ist." Dass über den Austritt offen gesprochen werde, sei "eine Zäsur", so Gros.

Mit ihrem Coup brachten die Kanzlerin und Sarkozy den Griechen-Premier ins Taumeln. In dessen hellenischer Heimat brach unverzüglich ein Sturm der Entrüstung los. Einen totalen Zusammenbruch ihres Landes wollen die Griechen am wenigsten, noch weniger als ein rigides Sanierungsprogramm. Papandreou hat sich mit seiner Ankündigung eines Referendums auch zu Hause verzockt, selbst Mitglieder seiner linken Regierungspartei opponierten.

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