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Euro-Krise: Sind Europas Banken noch zu retten?

Milliarden sind bereits in die Sanierung europäischer Banken geflossen. Die Institute sind deswegen nicht sicherer geworden. Das dicke Ende naht.

Deutsche Bank

Das nach der Bilanzsumme größte europäische Institut gilt trotz aller gegenteiligen Aussagen des Topmanagements als kapitalschwach. Die Abhängigkeit vom Investmentbanking ist zudem nach wie vor groß. Allerdings war die Bank  bisher ausreichend profitabel, die offensichtlichen Risiken in ihrer Bilanz sind zudem begrenzt. Zudem kann sie sich günstiger als die meisten Konkurrenten finanzieren.

Bilanzsumme: 2103 Milliarden Euro

Kernkapitalquote: 10 Prozent

Kosten für Ausfallschutz (CDS Aufschläge 5-jähriger Forderungen): 176

Engagement in Krisenländern (2011): 7,3 Milliarden Euro

Langfristiges Moodys-Rating: A2

Quellen: Unternehmensangaben, Eba

Bild: dpa

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Von Cornelius Welp, Yvonne Esterházy, Mark Fehr, Henning Krumrey, Anne Kunz, Silke Wettach, Karin Finkenzeller und Anne Grüttner

Das Logo erstrahlt in kraftvollem Rot. Auch in ihrer Werbung präsentiert sich die deutsche Santander Bank – "solide und weltweit präsent" – als starker und verlässlicher Finanzpartner. Doch zahlreiche Kunden, berichten Mitarbeiter, misstrauen dem Versprechen. Ängstlich fragen sie in der Filiale nach, wie es denn nun wirklich um das Institut bestellt sei. Schließlich sind auch ihnen die Probleme spanischer Banken nicht verborgen geblieben, und den Santander-Mitarbeitern fällt die Antwort nicht leicht. Von ihrer Konzernleitung haben sie die Anweisung erhalten, auf ihre Unabhängigkeit vom spanischen Markt zu verweisen – und auf die deutsche Einlagensicherung, die Guthaben von bis zu 460 Millionen Euro garantiert. Wirklich überzeugend ist das nicht. Viele Kunden zweifeln, ob ihr Geld bei dieser Adresse sicher ist. Zu Recht?

Europas Banken wanken. Die Staatsschuldenkrise hat südeuropäische Institute vom Geldmarkt praktisch abgeschnitten, steigende Arbeitslosigkeit, angeschlagene Unternehmen und mancherorts fallende Hauspreise erhöhen die Zahl der Kreditausfälle zum Teil dramatisch. Die EU-Kommission musste deswegen zwischen Oktober 2008 und Oktober 2011 insgesamt 4,5 Billionen Euro an staatlichen Beihilfen für marode Banken genehmigen – das sind rund 35 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung.

Die Hilfsmittel der EZB

  • Billige Kredite

    Draghi senkte den Zinssatz für wöchentliche Kreditgeschäfte auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Banken, die dringend frisches Geld brauchen, können sich so leichter refinanzieren.

  • Unbegrenzte Liquidität

    Seit dem Herbst 2008 verleiht die EZB unbegrenzt Geld. Draghi setzte noch eins drauf: Die Institute durften sich zusätzlich mit dreijährigen Krediten von insgesamt einer Billion Euro eindecken.

  • Weniger Sicherheiten

    Die EZB hatte die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen dürfen, deutlich gesenkt. Draghi hat diese nun noch weiter gelockert.

  • Kauf von Pfandbriefen

    Die EZB hat für 70 Milliarden Euro Pfandbriefe gekauft und belebte so den Markt für dieses sehr wichtige Refinanzierungsinstrument der Banken.

  • EZB zahlt keine Zinsen mehr

    Draghi hat den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken auf null gesenkt. Die Geldhäuser sollen ihre überschüssige Liquidität lieber an Konkurrenten verleihen – oder als Kredite an die Realwirtschaft geben. So will er den Geldmarkt wiederbeleben.

  • Strengere Aufsicht

    Draghi hat es satt, von nationalen Aufsehern beschummelt zu werden. Er will auf wichtige Bankdaten zugreifen können.

Ein Ende des Abwärtsstrudels ist nicht in Sicht. Zunehmend genervt versucht Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), die Situation zu stabilisieren. Eine Billion Euro hat er den Banken bereits im Dezember 2011 und im Februar für bis zu drei Jahre geliehen – zu einem lächerlich niedrigen Zins. Vergangenen Donnerstag senkte er die Leitzinsen auf den Rekordtiefstand von 0,75 Prozent. Doch es scheint nie genug. Ist ein Loch gestopft, reißt an anderer Stelle sogleich das nächste auf.

Droht eine Panik wie nach der Lehman-Pleite?

Sind Europas Banken noch zu retten? Oder drohen mittelfristig wieder Panikreaktionen wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Ende 2008, als besorgte Sparer ihre Konten leer räumten, die Banken ihre Kreditvergabe untereinander stoppten und die Weltwirtschaft in eine globale Rezession geriet? Müssen am Ende selbst Sparkassen-Kunden um ihre Ersparnisse bangen, weil der Schuldensog auch solide deutsche Institute mit in den Abgrund reißt? "Objektiv gibt es keinen Grund zur Sorge", sagt der Vorstand einer deutschen Großbank. "Aber bei einer dramatischen Verschärfung der Krise kann man nichts ausschließen."

Auch die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 28. und 29. Juni, die eine einheitliche europäische Bankenaufsicht und Direkthilfen auch für Banken aus den europäischen Rettungsfonds EFSF und ESM vorsehen, haben die angespannte Lage nur zeitweise entschärft. "Der ESM wird zu einem europäischen Bankenrettungsfonds analog dem deutschen Soffin", sagt der frühere Bundesbank-Vorstand und heutige Geschäftsführer des Verbands Öffentlicher Banken, Hans Reckers. Er fürchtet: "Die verschärfte Rezession in den Krisenländern führt zu weiteren Kreditausfällen, was erneute Hilfen für die Banken erforderlich macht. Wir befinden uns in einem Teufelskreis, der noch nicht durchbrochen ist."

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.07.2012, 21:51 UhrAutonomos

    Heute deutet auch Italien an, unter den v.a. deutschen Euro-Rettungsschirm flüchten zu wollen, während Slowenien schon längst Atemnot signalisiert, nachdem vorige Woche Zypern selbige schon bekommen hat.

    Würde ein Unternehmer (egal für was) derzeit auch nur einen Cent in Ökonomien investieren, die ohne Buchführung völlig chaotisch organisiert sind? Die wissen doch, wie man einem Gläubiger beikommt: mit dessen eigenem Sturz in den Abgrund kreditierter Schulden, auch 'Erpressung' genannt? - In D: Euro-Rettung.

    Folgerung: Ein für den europ. Schuldenabbau so dringendes Wirtschaftswachstum über Investitionen wird es im EU-Süden niemals geben, solange der nicht ins kalte Wasser von Staats-/Bankpleiten mit danach folgenden eigenen Währungen geschmissen wird. Und sich daran anschließender Selbstverantwortung.

    Die vielbeschworenen 'Finanzmärkte' würden aufatmen, hätte der ganze Rettungszirkus endlich ein Ende. Europa bliebe trotzdem zusammen. Es kann nicht weglaufen und würde auch in Zukunft miteinander Handel treiben und freizügig bleiben (müssen). Nur, der Schulden-Schwindel wäre endlich - wenigstens partiell - beendet.

    Ein interessantes Phänomen in D: Merkels und Schäubles aktuelle Popularitätswerte steigen, während beide uns Bürger immer schlimmer und schneller in EU-Haftungen/-Garantien nehmen, die künftigen Generationen jede eigene (fiskalische) Freiheits-Disposition nehmen werden, träten sie ein. Und sie werden eintreten.

    Ein ungeheures Drama, das derzeit in Europa abläuft und alles in sich hat, eine Tragödie ohne Katharsis zu werden, gegen die die Tragödien der alten Griechen reines Kasperle-Theater sind. Ein Theater hochdotierter Schurken, Lügner, Wissenschaftsverächter, Nichtswisser, Wichtigtuer, Komödianten, Narren und ihrer Opfer, welch letztere immer noch mehrheitlich der Meinung zu sein scheinen, in einem Boot zu sitzen, das den See überqueren wird. Deshalb wohl keine Tragödie, sondern eine Groteske. Aber was für eine!

  • 11.07.2012, 15:07 Uhrpedrobergerac

    Wirtschaftsmathematisch gesehen nicht. Dafür sorgt die Exponentialfunktion des Zinseszins.
    Praktisch wird man versuchen, mit dem Geld der Sparer und Steuerzahler den Zusammenbruch dieses (offiziell verbotenen) Schneeballsystems so lange wie möglich hinauszuzögern.

  • 11.07.2012, 12:07 UhrThomasBesan

    Lest mal hier wie wir das GEMA und GEZ Problem lösen können!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Flattr

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