Euro-Krise: Spaniens nächste Pleitewelle

Euro-Krise: Spaniens nächste Pleitewelle

von Frank Doll

Die spanischen Unternehmen kommen nicht aus den Schlagzeilen. Erst waren es die insolventen Banken, jetzt sind Autobahnbetreiber und Baugesellschaften von Pleiten bedroht.

Leer stehende Flughäfen, Straßen ins Nirgendwo und Hochgeschwindigkeitszüge, die auch kleinste Provinzstädte miteinander verbinden – das sind die Errungenschaften der spanischen Oligarchie. In deren Zentrum steht die Regierungspartei Partido Popular (PP), zuerst unter José Maria Aznar und jetzt unter seinem Nachfolger Mariano Rajoy.

Das System ist denkbar einfach und hat sich über Jahre bewährt. Einmal an der Regierung, gibt die PP grünes Licht für die Vergabe von sinnlosen, oft von der EU mitfinanzierten, Infrastrukturprojekten an parteinahe Bauunternehmen. Diese teilen dann ihre Gewinne mit Politikern der PP und zahlen deren Anteile auf Schwarzgeldkonten in der Schweiz oder anderswo ein.

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Schuldenkrise Was Spanien wirklich zugrunde richtet

Spanien leidet nicht unter zu hohen Löhnen, der Immobilienkrise oder dem unflexiblen Arbeitsmarkt - sondern an krimineller Energie, die selbst bei der Elite zu finden ist.

Quelle: AP

Der Bárcenas-Skandal brachte die Machenschaften und das illegale Kickback-System erstmals ans Tageslicht und den Chef des Immobilienkonzerns Sacyr ins Gefängnis. Manuel Manrique wird beschuldigt, persönlich 200.000 Euro auf ein Konto von Luis Bárcenas, dem ehemaligen Schatzmeister der PP, eingezahlt zu haben.

Führungskräfte von FCC, OHL und dem Branchenverband der Bauindustrie Seopan wurden ebenfalls als PP-Finanzierer geoutet. Auf einem Schweizer Konto von Bárcenas sollen 20 Millionen Euro gebunkert sein.

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In der Regel bezahlt der spanische Steuerzahler die Rechnung für diese Machenschaften. Doch zuletzt liefen einige Dinge auch für die staatsnahen Bauunternehmen schief.

Dennoch: Bestimmte Unternehmen können in Spanien so gut wie nicht pleite gehen. Dazu gehören Abertis, Acciona, FCC, Ferrovial und Sacyr. Spaniens größten Baufirmen gehören Anteile an neun mautpflichtigen Autobahnen rund um Madrid und deren Konzessionsgesellschaften. Acht dieser Autobahnen sind pleite, weil es auch parallel laufende kostenfreie Autobahnen gibt.

Den Baugesellschaften und damit auch der Business-Elite des Landes drohen hier herbe Verluste. Mehr als fünf Milliarden Euro wurden in die neun Autobahnen investiert. Davon stammen mehr als zwei Milliarden Euro von sechs spanischen Banken, darunter BBVA, Santander und Bankia.

Die bankrotten Autobahnen und deren Schulden werden möglicherweise von einer staatlichen Auffanggesellschaft übernommen. Anleger sollten trotzdem einen großen Bogen um die Aktien aller oben genannten Unternehmen machen.

Sacyr, Konsortiumsführer beim Ausbau des Panamakanals, musste dort kürzlich wegen Liquiditätsengpässen die Bauarbeiten einstellen. Sacyr hatte die Kosten weit unterschätzt. Es fehlen 1,6 Milliarden Euro, Panama aber besteht auf die Einhaltung des Vertrages. So wird auch hier der spanische Staat einspringen müssen, will er nicht schon wieder die ganze Welt auf die prekäre Situation im eigenen Land aufmerksam machen.

Spanische Unternehmen haben Schulden in Höhe von 350 Prozent der Wirtschaftsleistung aufgetürmt. In der Eurozone ist Spanien mit seiner hohen Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten ein Paradebeispiel, warum die Kreditnachfrage trotz aller Bemühungen der EZB partout nicht anspringen will.

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