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Euro-Krise: Zittern vor der EZB-Entscheidung

Mario Draghi steht unter Druck. Seine Aussage, die EZB werde alles tun, um den Euro zu erhalten, hat übertriebene Hoffnungen geweckt. Folgt am Mittag das böse Erwachen?

EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: REUTERS
EZB-Präsident Mario Draghi hat den Druck auf die Bank selbst erhöht Quelle: REUTERS

Mario Draghi selbst hat die Latte hoch gelegt: „Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“, hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag in London gesagt. „Und glauben Sie mir - es wird ausreichen.“ Seither sind die Erwartungen gewaltig, dass Europas Währungshüter erneut massiv am Anleihemarkt eingreifen, um kriselnden Euro-Staaten wie Spanien und Italien unter die Arme zu greifen. Spekuliert wurde in den vergangenen Tagen über eine Wiederaufnahme des umstrittenen Anleihenkaufprogramms, aber auch über eine Banklizenz für den Euro-Rettungsschirm.

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So oder so: Von der heutigen EZB-Ratssitzung wird mehr als ein deutliches Signal erhofft. „Die EZB muss unbedingt liefern, um den geschürten Erwartungen gerecht zu werden“, so die Analysten des Frankfurter Bankhauses Metzler. Allerdings: Die Zweifel an den Börsen sind gewachsen, dass die EZB wirklich liefern wird. Gestern drehte der DAX ins Minus. „Die von Draghi ausgelöste Rally wird von der Erkenntnis gebremst, dass seine kühnen Worte für Politiker eine andere Bedeutung haben als für Marktteilnehmer“, sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Außerdem realisierten Investoren, dass die derzeit erfolgversprechendste Lösung – die Ausstattung des ESM mit einer Banklizenz – derzeit die geringsten Chancen auf Verwirklichung habe.

Die Hilfsmittel der EZB

  • Billige Kredite

    Draghi senkte den Zinssatz für wöchentliche Kreditgeschäfte auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Banken, die dringend frisches Geld brauchen, können sich so leichter refinanzieren.

  • Unbegrenzte Liquidität

    Seit dem Herbst 2008 verleiht die EZB unbegrenzt Geld. Draghi setzte noch eins drauf: Die Institute durften sich zusätzlich mit dreijährigen Krediten von insgesamt einer Billion Euro eindecken.

  • Weniger Sicherheiten

    Die EZB hatte die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen dürfen, deutlich gesenkt. Draghi hat diese nun noch weiter gelockert.

  • Kauf von Pfandbriefen

    Die EZB hat für 70 Milliarden Euro Pfandbriefe gekauft und belebte so den Markt für dieses sehr wichtige Refinanzierungsinstrument der Banken.

  • EZB zahlt keine Zinsen mehr

    Draghi hat den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken auf null gesenkt. Die Geldhäuser sollen ihre überschüssige Liquidität lieber an Konkurrenten verleihen – oder als Kredite an die Realwirtschaft geben. So will er den Geldmarkt wiederbeleben.

  • Strengere Aufsicht

    Draghi hat es satt, von nationalen Aufsehern beschummelt zu werden. Er will auf wichtige Bankdaten zugreifen können.

Vor allem Deutschland lehnt dies aus guten Gründen ab. „Eine Banklizenz für den ESM hieße, dass die Zentralbank die Staatsfinanzierung übernimmt. Das wollen wir nicht und das werden wir nicht zulassen“, sagte Meister der „Rheinischen Post“. Auch der ehemalige Chefökonom der EZB, Jürgen Stark, kritisiert den französisch-italienischen Vorstoß. Eine Banklizenz für den Rettungsschirm sei juristisch nicht gedeckt, denn dieser Schritt würde eine indirekte Staatsfinanzierung durch die Notenbank bedeuten. Auch politisch sei die Idee zweifelhaft. Denn: „Jedes Mal, wenn die Zentralbank die Märkte flutet, gehen auf Regierungsseite die Reformanstrengungen zurück“, so Stark im Interview mit der WirtschaftsWoche vor wenigen Wochen.

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Die Politik macht Urlaub, die Europäische Zentralbank wird schwach und der Rettungsschirm ESM bekommt wohl die Banklizenz.

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Insbesondere Italien und Spanien aber fordern mehr Hilfe beim Kampf gegen hohe Renditen am Anleihenmarkt. Anleihekäufe durch die EZB seien das Mindeste, heißt es aus Rom und Madrid. Seit Mai 2010 hat die Notenbank Anleihen angeschlagener Euro-Staaten im Wert von 210 Milliarden Euro aufgekauft – und so die Zinsdruck abmildern können. Allerdings war der Effekt nicht nachhaltig.

Und: Auch bei diesem Programm steht die Unabhängigkeit der Notenbank im Zweifel. Kritiker sehen in Anleihenkäufen eine Form direkter Staatsfinanzierung – und das ist in der Währungsunion juristisch verboten.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.08.2012, 13:29 UhrNichtDumm

    Das was Hollande und seine südländischen Kumpane planen, ist Krieg gegen Deutschland. Sie lassen uns so lange bluten, wie wir blöd sind und dann treten sie einfach aus der Geldmaschine aus. Deutschland bleibt dann auf den Schulden sitzen und sie können munter wieder ihre alten Währungen abwerten.

  • 02.08.2012, 07:18 UhrWegweiser

    Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit, sie können mit diesen Maßnahmen kaum erzeugt werden. Eher im Gegenteil, es verleitet die Marktteilnehmer dazu, die Grenzen der Handlungsoptionen der EZB und der Fonds einmal umfassend auszutesten.

    Die bisherigen Maßnahmen der EZB haben immer nur eine kurzfristige Stabilisierung erbracht. Die Target 2 Salden wachsen, eine real bereits stattfindende Kapitalflucht aus den südlichen Europroblemvolkswirtschaften zeigt dies.

    Fehlende ökonomische Prosperität und ein unabsehbarer Rekapitalisierungsbedarf bei Banken in den Südzone sind weitere Kennzeichen der Eurozone. So bleibt die EZB als Notanker zur Geldversorgung, es wird gerettet, stabilisiert und gekauft, geflutet und abgezinst, der Außenwert des Euro dürfte dies wohl bald schwer zu schaffen machen. Hoffentlich hat die EZB dann noch genügend brauchbare Drittwährungen zur Hand, wenn der Euro stabilisiert werden muss. Die Bestände der Buba dürften dafür herhalten müssen. Die Goldbestände der einzelnen Notenbanken ebenso. Alternativlos und basta!

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