Euro-Krisenland: Zypern kündigt große Schritte an

Euro-Krisenland: Zypern kündigt große Schritte an

von Tim Rahmann

Das Euro-Krisenland will noch in diesem Jahr die Kapitalverkehrskontrollen aufheben und schon bald wieder an die Kapitalmärkte. Selbst die Wiedervereinigung der geteilten Insel ist Thema.

Wird der zypriotische Präsident Nicos Anastasiades, der in der Debatte um einen Schuldenschnitt seines Landes so eine schlechte Figur machte, zum großen Reformer? Sein Außenminister Ioannis Kasoulidis kündigt im Interview mit der „Welt“ große Schritte an. Das hoch verschuldete Euroland Zypern will die Krise hinter sich lassen und Notmaßnahmen zum Schutz der angeschlagenen Banken wieder beenden. Dazu sollen die Kapitalverkehrskontrollen, die den Abfluss von Geld ins Ausland verhindern, bis Ende 2014 wieder aufgehoben werden.

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Ähnlich wie zuletzt Griechenland will sich dann auch Zypern mittelfristig aus eigener Kraft an den Kapitalmärkten finanzieren. „Wir werden 2016 wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren“, kündigte Kasoulidis vollmundig an. Derzeit hängt das Land am Tropf der Euroretter, die Zypern vor rund einem Jahr mit Milliardenkrediten vor dem Bankrott bewahrt hatten. Die Regierung des Inselstaates machte dabei eine denkbar unglückliche Figur. Um die russischen Großsparer zu retten, wollte man alle Sparer zur Kasse bitten – ein Tabubruch, der Kleinanleger in ganz Europa verunsicherte. Erst als die Euro-Retter dem Land die Pistole auf die Brust setzten, lenkte Anastasiades ein.

Die Chronik der Zypern-Krise

  • 25.06.2012

    Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro machten.

  • 08.10.2012

    Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika zuzustimmen. Der Rettungsplan sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine Mehrwertsteuererhöhung vor.

  • 22.11.2012

    Die zyprische Regierung teilt mit, dass sie Hilfen in Höhe von rund 17 Milliarden Euro benötigt.

  • 11.01.2013

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch zu Reformen.

  • 24.02.2013

    Zypern wählt und bestimmt den Konservativen Nikos Anastasiades zum neuen Regierungschef der Mittelmeerinsel. Anastasiades gilt als Befürworter des von der EU verlangten Sparkurses.

  • 04.03.2013

    Die Regierung in Nikosia stimmt einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu. Zypern reagiert so auf die Vorwürfe, russischen Millionären als Geldwäscheparadies zu dienen.

  • 16.03.2013

    Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz muss das Land selbst aufbringen. Zypern entschließt sich für eine Abgabe auf Bankeinlagen, die die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

  • 18.03.2013

    Unter öffentlichem Druck kündigt Zypern an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Guthaben von weniger als 100.000 Euro sollen unangetastet bleiben. Die Banken bleiben dennoch geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern.

  • 19.03.2013

    Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch.

  • 20.03.2013

    Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche Hilfen, die Verhandlungen bleiben ergebnislos. Die Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet an, sich finanziell an der Rettung der Insel zu beteiligen.

  • 21.03.2013

    Zypern will anstelle der Zwangsabgabe einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erklärt, dass sie die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten stützen werde.

  • 22.03.2013

    Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

  • 23.03.2013

    Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

  • 24. und 25.03.2013

    Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen mit den Euro-Finanzministern nach Brüssel. In der Nacht zum 25. März stimmen die Finanzminister dem Rettungspaket zu.

  • 28.03.2013

    Am Donnerstag, den 28. März haben die zyprischen Banken nach zwölf Tagen wieder geöffnet. Seit dem 16. März war die Bargeldversorgung nur noch an Geldautomaten möglich. Andere Bankgeschäfte ruhten. Ein Massenansturm auf die Banken blieb aus. Harte Regeln der Notenbank sollen verhindern, dass die Banken sofort nach Öffnung ausbluten. So dürfen pro Person und Konto maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

Vermögende Bankkunden mussten sich an der Rettung des Finanzsystems beteiligen, Kapitalverkehrskontrollen wurden eingerichtet. „Inzwischen gelten nur noch wenige Beschränkungen“, sagte Kasoulidis der Zeitung.

Der Haushalt soll bereits bis Ende diesen Jahres ausgeglichen sein - ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes allerdings. Wirtschaftlich soll es dem Außenminister zufolge dann im kommenden Jahr wieder aufwärts gehen: Ab dem zweiten Halbjahr 2015 rechne man mit einem Wirtschaftswachstum. Derzeit steckt Zypern noch in der Rezession.

Und auch eine Wiedervereinigung der geteilten Insel ist plötzlich Thema. Man wolle „ein einziger Staat werden (…), der auch international als eine einzige juristische Person auftritt“, so Kasoulides. Zum ersten Mal seit den 70er-Jahren gäbe es direkte Gespräche mit Ankara. Und die seien vielversprechend. „Die Türkei will im östlichen Mittelmeer eine Regionalmacht sein. Die ungeklärte Zypern-Frage ist da ein großer Klotz am Bein. Und die türkische Regierung hat außerdem auch großes Interesse an dem Gas, das vor unserer Küste liegt“, so der zypriotische Außenminister.

weitere Artikel

Noch unter der Vorgänger-Regierung wurde der türkische Nordteil der Insel an der kurzen Leine gehalten. Ex-Präsident Christofias beklagte zwar öffentlich, die die Teilung der Insel sei „katastrophal“. Doch in der Praxis boykottierte er eine Wiedervereinigung und mauerte schon beim Handel mit dem türkischen Nordteil. Mal durften Kartoffeln nicht in den Süden ausgeliefert werden, da sie angeblich nicht den Hygienevorgaben entsprächen, mal wurden Pflastersteine abgelehnt.

Sollte es die aktuelle Regierung Ernst meinen mit ihrer Reformoffensive, könnte Präsident Nicos Anastasiades vom Sparerschreck zum großen Versöhner werden.

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