Euro-Krisenland: Zypern wähnt sich auf dem Weg der Besserung

Euro-Krisenland: Zypern wähnt sich auf dem Weg der Besserung

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Zyperns Präsident Anastasiades sieht Zypern schon auf dem Weg der Besserung

von Tim Rahmann

Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis hält die Gefahr eines Staatsbankrotts für gebannt. Schon 2016 wolle er an die Kapitalmärkte zurückkehren. Woher kommt der Optimismus?

Nicht Griechenland, sondern Zypern hat die Nerven der Euro-Retter in diesem Jahr bisher am meisten strapaziert. Anfang des Jahres drohte dem Inselstaat der Staatsbankrott und das Euro-Aus. Nach großem Hick-Hack um die Beteiligung von Bankengläubigern und Kleinsparer an den Rettungskosten, verloren selbst die Euro-Retter in Brüssel, Berlin & Co. beinahe die Geduld mit Zypern und dessen Präsidenten. Am Ende flossen dann doch die Rettungsmilliarden nach Nikosia, einen Gewinner gab es trotzdem nicht.

Die Glaubwürdigkeit der Währungsunion wurde einmal mehr beschädigt und Zyperns fragwürdiges Geschäftsmodell zerschlagen. Wenige Monate nach der Zäsur versprüht der zyprische Präsident nun aber wieder Optimismus. Auf die Frage, ob die Gefahr eines Staatsbankrotts abgewendet sei, antwortete Anastasiadis im Interview mit dem "Handelsblatt": "Ich glaube ja, endgültig." Er räumte mit Blick auf die Auflagen für das aktuelle Milliarden-Hilfsprogramm der Europäer und des IWF für sein Land ein: "Natürlich gibt es noch Schwierigkeiten." Aber die werde man meistern. "Wir werden unseren Verpflichtungen nachkommen", sagte Anastasiadis. Neue ausländische Hilfskredite über die bereits zugesagten hinaus sollten nicht mehr nötig werden.

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Die Chronik der Zypern-Krise

  • 25.06.2012

    Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro machten.

  • 08.10.2012

    Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika zuzustimmen. Der Rettungsplan sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine Mehrwertsteuererhöhung vor.

  • 22.11.2012

    Die zyprische Regierung teilt mit, dass sie Hilfen in Höhe von rund 17 Milliarden Euro benötigt.

  • 11.01.2013

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch zu Reformen.

  • 24.02.2013

    Zypern wählt und bestimmt den Konservativen Nikos Anastasiades zum neuen Regierungschef der Mittelmeerinsel. Anastasiades gilt als Befürworter des von der EU verlangten Sparkurses.

  • 04.03.2013

    Die Regierung in Nikosia stimmt einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu. Zypern reagiert so auf die Vorwürfe, russischen Millionären als Geldwäscheparadies zu dienen.

  • 16.03.2013

    Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz muss das Land selbst aufbringen. Zypern entschließt sich für eine Abgabe auf Bankeinlagen, die die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

  • 18.03.2013

    Unter öffentlichem Druck kündigt Zypern an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Guthaben von weniger als 100.000 Euro sollen unangetastet bleiben. Die Banken bleiben dennoch geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern.

  • 19.03.2013

    Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch.

  • 20.03.2013

    Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche Hilfen, die Verhandlungen bleiben ergebnislos. Die Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet an, sich finanziell an der Rettung der Insel zu beteiligen.

  • 21.03.2013

    Zypern will anstelle der Zwangsabgabe einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erklärt, dass sie die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten stützen werde.

  • 22.03.2013

    Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

  • 23.03.2013

    Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

  • 24. und 25.03.2013

    Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen mit den Euro-Finanzministern nach Brüssel. In der Nacht zum 25. März stimmen die Finanzminister dem Rettungspaket zu.

  • 28.03.2013

    Am Donnerstag, den 28. März haben die zyprischen Banken nach zwölf Tagen wieder geöffnet. Seit dem 16. März war die Bargeldversorgung nur noch an Geldautomaten möglich. Andere Bankgeschäfte ruhten. Ein Massenansturm auf die Banken blieb aus. Harte Regeln der Notenbank sollen verhindern, dass die Banken sofort nach Öffnung ausbluten. So dürfen pro Person und Konto maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

Die Schwelle zum Osten

"Wenn wir Haushaltsdisziplin wahren und unsere Möglichkeiten nutzen, brauchen wir keine zusätzlichen Kredite", sagte er weiter. Trotz der einschneidenden Reformen sieht Anastasiadis für Zypern weiterhin als Finanzplatz eine Zukunft. "Wenn das Vertrauen in unsere größte Bank, die Bank of Cyprus, wiederhergestellt ist und wir unsere Pläne zur Gründung einer Investitionsbank umsetzen, kann Zypern eine wichtige Rolle als Finanzplatz spielen", sagte er. Dafür spreche auch die geostrategische Lage des Landes als Schwelle zum Nahen Osten.

Weitere Artikel

Die Rezession sollte Zypern nach den Worten seines Präsidenten in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres hinter sich lassen. "Dann wird die Krise natürlich noch nicht vorbei sein", warnte er. Er sei aber sicher, dass das Land noch vor dem Ende des laufenden Hilfsprogramms der Partner, das bis 2016 reicht, wieder an die Finanzmärkte gehen kann.

Woher Anastasiades diese Hoffnung nicht, ist nicht ganz nachvollziehbar. Die Wirtschaft liegt am Boden. In diesem Jahr wird sie laut Schätzung der EU-Kommission um 8,7 Prozent schrumpfen. Auch im kommenden Jahr soll am Ende ein Minus von 3,9 Prozent stehen. Die Schulden werden bis Ende 2014 auf 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Selbst mit Hilfe der Europäischen Zentralbank dürfte es unter diesen Vorzeichen schwer werden für Zypern, zu moderaten Zinsen Geld aufnehmen zu können.

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