Euro-Pleitekandidat: Slowenien steht sich selbst im Weg

Euro-Pleitekandidat: Slowenien steht sich selbst im Weg

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Polizisten stellen sich seit Wochen den Demonstranten in Slowenien in den Weg.

von Tim Rahmann

Korruption in den Kommunen, ein Premier im Visier der internationalen Ermittler und unfähige Oppositionspolitiker: Nichts geht mehr in Slowenien. Nun eskaliert die Wut der Bürger.

Für Maribor sollte 2012 ein ganz besonderes Jahr werden. Die zweitgrößte slowenische Stadt ist aktuell Kulturhauptstadt Europas. Die rund 95.000 Einwohner freuten sich auf den Besuch von Touristen, auf Konzerte, Ausstellungen und Theatervorführungen, Bürgermeister Franc Kangler über fröhliche Bilder, die aus seiner Stadt um die Welt gehen sollten. Doch die aktuellen Bilder aus Maribor sind alles andere als fröhlich. Sie zeigen Polizisten, die in voller Montur vor dem Rathaus in Stellung gehen und Demonstranten, die Fensterscheiben einwerfen und Müllcontainer anzünden.

Über 10.000 Menschen gingen zuletzt in Maribor auf die Straße, um zunächst friedlich gegen den Sparkurs der slowenische Regierung und den seit geraumer Zeit unter Korruptionsverdacht stehenden Bürgermeister Kangler zu protestieren. Während Kundgebungen in der Hauptstadt Ljubljana weitgehend friedlich blieben, eskalierte die Situation in Maribor. Das Rathaus am Hauptplatz wurde mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen, auf dem Balkon brach ein Feuer aus.  Die Demonstranten hielten Plakate in die Höhe mit dem Porträt Kanglers und Aufschriften wie "Diebe ins Gefängnis!".

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Wissenswertes über Slowenien

  • Große Berge, kleine Küste

    Das kleine Slowenien hat vier Nachbarn: Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Trotz seiner relativ kleinen Staatsfläche von gut 20.000 Quadratkilometern ist es sehr vielseitig. Im Norden ist die Landschaft alpin, hier befindet sich auch der höchste Berg: der 2864 Meter hohe Triglav. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 Kilometer lange Adria-Küste.

  • Regierungschefs haben’s schwer

    Seit seiner Unabhängigkeit 1991 hat das Land schon sieben Premierminister verschleißt. Das ergibt eine durchschnittliche Amtszeit von 2,6 Jahren.

  • Achtung, Bären

    In Slowenien lebt eine der größten Populationen des Braunbären in Europa. Es soll zwischen 500 und 700 Exemplare geben.

  • Krieg auf europäischem Boden

    Der Kampf für die Unabhängigkeit Sloweniens 1991, auch bekannt als 10-Tage-Krieg, war der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der kurzen Dauer gab es 76 Opfer zu beklagen.

  • Die älteste Flöte der Welt

    Die zumindest 45.000 Jahre alte und in Slowenien gefundene Neandertaler-Flöte ist eines der ältesten Musikinstrumente der Welt.

  • Speisesaal in der Tiefe

    Der Speisessaal des Kohlebergwerks in Velenje, 160 Meter unter der Erdoberfläche, ist der am tiefsten gelegene Speisesaal in Europa. Der Raum ist ungefähr 15 Meter lang, dort gibt es zwölf Tische, an denen 48 Menschen essen können.

  • Höchster Schlot Europas

    In Slowenien befindet sich der höchste Industrieschornstein Europas. Der Schornstein des Wärmekraftwerks in Trbovlje ist 362 Meter hoch. Mit der ungewöhnlichen Höhe wollte man die Luftverschmutzung in niedrigeren Luftschichten verhindern.

  • Todesmutiger Extremsportler

    Der Slowene Davo Karničar ist als Erster vom höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, mit Skier hinab gefahren. Karničar war auch der erste Mensch der Welt, der alle höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten mit Skiern bezwang.

  • Der älteste Weinstock der Welt

    In Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, wächst der älteste Weinstock der Welt. Obwohl die „Alte Rebe“ über 400 Jahre alt ist, werden aus ihren Trauben alljährlich noch immer 25 Liter Wein der autochthonen Weinsorte Žametovka („Blauer Kölner“) hergestellt.

Der 47-Jährige Sohn der Stadt wurde 2006 überraschend zum Bürgermeister gewählt und sicherte sich bei den Wahlen 2010 eine zweite Amtszeit – obwohl er seit Amtsbeginn höchst umstritten ist. Aufgrund von Korruptionsvorwürfen durchsuchte die Polizei das Rathaus der Stadt sowie Kanglers Privathaus und nahm den Bürgermeister vorläufig fest. Angeklagt wurde Kangler nie. Anschließend setzte sich der Fußballfan für die Sanierung des Sportstadions ein und versorgte den Lokalklub "NTK Maribor" mit großzügigen Steuerrabatten. Im städtischen Haushalt klaffte anschließend ein Minus von rund 10 Millionen Euro. Kangler reagierte und kürzte die Ausgaben für das Programm zur Europäischen Kulturhauptstadt 2012, zahlreiche geplante Projekte und Veranstaltungen mussten gestrichen werden.

Die Menschen hätten das möglicherweise weiter toleriert, wäre Maribor ein Einzelfall und Slowenien weiter ein Wachstumsmotor Osteuropas. Doch das kleine Alpenland, einst Euro-Musterland mit Wachstumsraten von knapp sieben Prozent, steckt tief in der Rezession. Die maroden Banken haben das Land ins Wanken gebracht, korrupte und unfähige Politiker an den Abgrund.

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