Euro-Raum: IWF warnt vor Fehlern bei der Geldpolitik

Euro-Raum: IWF warnt vor Fehlern bei der Geldpolitik

Wenn die großen Notenbanken beim Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik Fehler begehen, könnte das verheerende Folgen für die Wirtschaft haben, fürchtet der Internationale Währungsfonds.

"Scheitert man, die richtige Geschwindigkeit für den geldpolitischen Normalisierungsprozess zu finden, könnte das ganz erhebliche negative Folgen haben", warnte der IWF in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Es drohten massive weltwirtschaftliche Verwerfungen. Kurzfristig habe die Politik in den wichtigsten Wirtschaftsräumen dazu beigetragen, Herausforderungen etwa im Euro-Raum zu meistern. Ihre Mischung aus geld- und finanzpolitischen Instrumenten berge aber längerfristig große Risiken. Zudem würden durch diesen unausgewogenen Mix erhebliche Wachstumschancen verschenkt.

Der IWF nimmt in dem Bericht die Politik der "Systemischen Fünf" (S5) - die USA, China, die Euro-Zone, Japan und Großbritannien - ins Visier. Sie habe zumindest kurzfristig positiv auf das eigene und das weltwirtschaftliche Wachstum gewirkt und drohende Krisen mit hohen Wachstumsverlusten abgewendet. Andererseits werde das Wachstumspotenzial von diesen Wirtschaftsmächten nicht voll ausgeschöpft. Würden sie einen besseren Politik-Mix verfolgen, zum Beispiel konsequenter Strukturen reformieren, könnte die globale Wirtschaftsleistung langfristig drei Prozent höher ausfallen als momentan erwartet.

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Sorge bereitet dem IWF vor allem der absehbare Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik in den großen Industrieländern. Einer solchen Geldpolitik wohnten Risiken inne, die sich, wenn sie ausläuft, in ungeordneten Marktentwicklungen niederschlagen könnten, warnte der Fonds.

Dauer erhöht das Risiko

Die hohe Volatilität an den Märkten in den vergangenen Wochen belege diese Gefahren. Generell gelte: je länger die Geldpolitik locker bleibt, desto größer werde das Risiko von Negativeffekten. Zudem berge sie die Gefahr, dass nötige Reformen unterbleiben. Würde die Politik ihre ureigenen Instrumente - finanzpolitischer Art und Strukturreformen - besser nutzen, müsste sie sich weniger auf die stark expansive Geldpolitik zur Problemlösung verlassen, klagte der Fonds.

EZB-Zinsentscheid Draghis Spiel mit den Märkten geht weiter

Die Zentralbank belässt den Leitzins auf Rekordtief

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: rtr

EZB-Präsident Mario Draghi hat gerade erklärt, die EZB werde an ihrer expansiven Geldpolitik so lange festhalten, wie dies nötig sei. Die US-Notenbank Fed hat zwar vor einiger Zeit signalisiert, dass ihre stimulierende Geldpolitik in absehbarer Zeit auslaufen könnte, jedoch hält sie den Zeitpunkt dafür für noch nicht gekommen, wie sie am Mittwoch erklärte.

Hausaufgaben gibt es nach Ansicht des IWF in allen großen Wirtschaftsräumen zu erledigen: Strukturreformen in Europa und Japan, glaubwürdige mittelfristige Strategien zur Haushaltssanierung in den USA und Japan sowie kurzfristig mehr Gewicht für Wachstum in der Budgetpolitik der Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Bis auf China sei in den genannten Regionen eine weiterhin konjunkturstützende Geldpolitik nötig. In der Euro-Zone müsse zudem die Fragmentierung des Banken-Sektors mit der geplanten Bankenunion beseitigt werden. Auch in China gebe es auf etlichen Feldern Reformbedarf.

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