Euro-Rettung: Die Nacht, die Europa veränderte

Euro-Rettung: Die Nacht, die Europa veränderte

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Am 10. Mai 2010, heute vor genau drei Jahren, entschied sich Europa, einen Euro-Rettungsschirm zu installieren. Eine folgenschwere Entscheidung.

von Tim Rahmann

Vor genau drei Jahren entschied sich Europa, den Euro zu retten. Koste es, was es wolle. Ein Rettungsschirm über 750 Milliarden Euro wurde aufgespannt. Waren sich die Beteiligten über die Tragweite ihrer Entscheidung im Klaren? Eine Spurensuche in Brüssel.

Ausgerechnet Wolfgang Schäuble war in der Nacht, die die Euro-Zone nachhaltig verändern sollte, nicht dabei. Der Finanzminister musste am späten Nachmittag des 9. Mai 2010 aufgrund einer Medikamenten-Unverträglichkeit in ein Brüsseler Krankenhaus eingeliefert werden. Thomas de Maiziére, damals Innen-, heute Verteidigungsminister, reiste umgehend nach Belgien, um Deutschland beim Treffen der 27 EU-Finanzminister zu vertreten.

Damals, heute vor genau drei Jahren, entschied sich Europa, den Euro zu retten. Koste es, was es wolle. Prinzipien wurden über Bord geworfen, juristische Zweifel am Handeln weggewischt. Die EU, dessen 27 Mitgliedsstaaten und der Internationale Währungsfonds einigten am frühen Morgen des 10. Mai darauf, einen Schutzwall in Höhe von 750 Milliarden Euro zu errichten, um "Ruhe in den Karton" zu bekommen, wie de Maiziére damals sagte. Zwar wurde wenige Wochen zuvor das erste Rettungspaket für Griechenland geschnürt, doch die Zweifel an der Solidität Spaniens, Portugals und Italiens waren mit den Hellas-Krediten im Mai 2010 nicht aus der Welt geschafft. An den Anleihemärkten schossen die Zinsen der Krisenländer ungebremst in die Höhe. Die G8, allen voran US-Finanzminister Timothy Geithner, riefen Europa zum Handeln auf. Deutschland gab seinen Widerstand auf und stimmte zu, einen Stabilisierungsmechanismus einzurichten: der EFSF war geboren.

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"Der Druck, zu einer Lösung zu kommen, war unglaublich groß", erinnert sich ein EU-Diplomat im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online an die Verhandlungsnacht, die er aus nächster Nähe miterlebte. Noch ehe die Börsen in Tokio um 2h in der Früh mitteleuropäischer Zeit eröffneten, sollte ein Ergebnis stehen. "Ich bin mir sicher, nicht alle Beteiligten waren sich sofort der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst. Details wurden ausgeblendet. Es war wichtig, etwas vorweisen zu können", so der Mann, der wie viele der Brüsseler Beamten nicht namentlich genannt werden will.

Die deutsche Seite verteidigte den schicksalshaften Abend von Brüssel euphorisch: "Dieses Paket dient der Stärkung und dem Schutz unserer gemeinsamen Währung", sagte Merkel. "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland." Darüber hinaus habe man eine Transfer-Union verhindert. Denn: „Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“, betonte Wolfgang Schäuble kurze Zeit später in einem Interview mit der „FAZ“.

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Es sollte anders kommen. Bernando de Miguel schaut nachdenklich, als er die Aussagen der deutschen Spitzenpolitiker von damals liest. Der EU-Korrespondent der spanischen Finanzzeitung „Cinco Días“ arbeitet seit mehreren Jahren in Brüssel und erinnert sich an Hintergrundgespräche mit der damaligen Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado und dem Umfeld des ehemaligen spanischen Premiers José Luis Zapatero. „Ihr Ziel war klar: Sie wollten verhindern, jemals in eine Lage wie Griechenland zu kommen, sprich: unter Zeitdruck um Notkredite mit harten Auflagen zu bitten“, so de Miguel. „Die Mittel zum Ziel wurden nicht definiert. Der Wunsch Spaniens, eine langfristige oder gar dauerhafte Rettungsinstanz zu installieren, die vorsorglich tätig wird, war aber deutlich rauszuhören.“

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