Euro-Rettung: Ein gutes Geschäft

Euro-Rettung: Ein gutes Geschäft

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Zyperns Präsident Dimitris Christofias will die Unternehmenssteuern nicht anheben. Das würde zwar seinem Land helfen, aber zahlreiche Unternehmen vergraulen

von Silke Wettach

Zypern hat die niedrigsten Unternehmenssteuern in der EU – und wird sie trotz Milliardenhilfen aus dem Rettungsschirm beibehalten dürfen.

Dimitris Christofias, der einzige regierende Kommunist der EU, lässt es gerne menscheln. Im Europäischen Parlament schwärmte der zypriotische Präsident etwa von einem sozialeren Europa: "Wir können nicht untätig zusehen, wie ein großer Teil der europäischen Bevölkerung in die Verarmung und soziale Ausgrenzung abgleitet."

Wenn die Troika in dieser Woche in Nikosia eintrifft, um Bedingungen für das milliardenschwere Hilfspaket der Euro-Zone auszuhandeln, wird Christofias wieder seine soziale Seite zeigen. Die üppigen Beamtengehälter etwa, an der sich die Troika, aber auch die zypriotische Privatwirtschaft stört, wird er verteidigen. Ein anderes Thema, das auch mit Gerechtigkeit zu tun hat, dürfte dagegen gar nicht zur Sprache kommen: die zypriotische Körperschaftsteuer. Mit zehn Prozent besteuert Zypern Unternehmen so gering wie kein anderes Land in der EU. Christofias hat die Vorteile des niedrigen Satzes bisher so gut verkauft, dass die Troika nicht auf die Anhebung pocht.

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Die Ironie dabei: Der niedrige Steuersatz ist mit verantwortlich für die finanzielle Schieflage des Landes, das nun als fünftes Land unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen wird. Die attraktive Steuer hat einen Zufluss an Einlagen ausgelöst, der wiederum die heimischen Banken verführte, ihr Engagement in Griechenland aufzublähen. Die Kredite nach Griechenland stiegen auf 24 Milliarden Euro, 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Das Ergebnis ist fatal: Rund ein Fünftel davon dürfte faul sein, umfangreiche Abschreibungen drohen. Die kommen hinzu zu dem Schuldenschnitt auf griechische Staatsanleihen, der die zypriotischen Banken ohnehin schon 4,2 Milliarden Euro gekostet hat.

Niedrige Steuer zog Unternehmen an

Der niedrige Steuersatz, gepaart mit Ausnahmen, die Holdings praktisch von der Steuer befreien, lockten in den vergangenen Jahren massenhaft Firmen an: Rund 19 000 Unternehmen ließen sich in dem gerade einmal 850 000 Einwohner zählenden Land jährlich nieder. Das freute nicht nur die Banken. Die großen vier der Wirtschaftsprüfung etwa betreiben große Niederlassungen. PwC beschäftigt auf Zypern 1000 Mitarbeiter, KPMG 800, Deloitte 500, Ernst & Young 100. Die internationalen Kunden bringen, wie bei Deloitte, bis zu 70 Prozent des Umsatzes.

Die Geschäfte laufen gut, Deloitte residiert in einem schicken Bürohaus in der Landeshauptstadt Nikosia mit futuristischer blauer Deckenbeleuchtung. Beim ebenfalls modernen Gebäude von KPMG unweit der zyprischen Notenbank schmücken antike Amphoren die Gänge.

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