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Kommentar Euro-Rettungspolitik: Vorsicht, Angriff!

von Malte Fischer

Regierungen und die Europäische Zentralbank holen die Notenpresse heraus – und bereiten den nächsten Großangriff gegen die Märkte und die Geldbeutel der Bürger vor.

„Wir sind bereits in einer sehr extremen Dehnung des europäischen Rechtes, um das mal gelinde zu sagen.“

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, ist von den Plänen, den Rettungsschirm ESM mit einer Banklizenz auszustatten, nicht begeistert. Für Stark wäre die Umsetzung ein klarer Verstoß gegen europäisches Recht – und nicht einmal der erste.

Bild: dpa

Exakt fünf Jahre ist es her, dass die Finanzkrise ausbrach. Im August 2007 fror der Interbankenmarkt ein, weil sich die mit schrottigen US-Immobilienpapieren vollgepumpten Banken in Europa gegenseitig nicht mehr über den Weg trauten. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte darauf mit „unkonventionellen Maßnahmen“, indem sie den Banken Zentralbankgeld in unbegrenzter Höhe zur Verfügung stellte. Die Banken griffen zu und liehen sich 95 Milliarden Euro von der EZB. Ein im Vergleich zu den folgenden Rettungssummen geradezu winziger Betrag. Seither hat die EZB zwei dicke Berthas abgeschossen, mit denen sie den Banken eine Billion Euro für drei Jahre lieh, sie hat den Einlagenzins auf null Prozent gesenkt und für weit über 200 Milliarden Euro Staatsanleihen und Pfandbriefe gekauft.

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Nächste Attacke

Geholfen hat das geldpolitische Feuerwerk aus Frankfurt wenig. Sicher, der Euro lebt noch. Doch zu welchem Preis? Die vertraglichen Grundlagen der Währungsunion wie die Nichtbeistandsklausel wurden zerstört, die Sanktionsmechanismen des Marktes in Form hoher Zinsen ausgehebelt, die Unabhängigkeit der EZB der Staatsfinanzierung geopfert, Verlustrisiken sozialisiert und durch ungehemmtes Gelddrucken die Basis für künftige Preisblasen gelegt.

Statt das Krisenjubiläum zum Anlass zu nehmen, die Sinnhaftigkeit der Währungsunion, zumindest in ihrer aktuellen Zusammensetzung, zu hinterfragen, bereiten Notenbanker und Politiker den nächsten Großangriff gegen die Märkte und die Geldbeutel der Steuerzahler vor.

Unter den Schirm

Anfang September wird das Bundesverfassungsgericht über die Vereinbarkeit des Euro-Rettungsschirms ESM mit dem deutschen Grundgesetz entscheiden. Winken die Karlsruher Richter den ESM durch, wovon Regierungen und EZB wohl ausgehen, dürfte die Transformation Europas in eine Transfer- und Inflationsunion Schlag auf Schlag folgen. Spanien, wegen seiner Bankenkrise ohnehin unter Druck, wird sich wohl im Herbst an den ESM wenden, damit dieser spanische Anleihen kauft und die Zinsen drückt.

Verbunden mit einem Anpassungsprogramm light, das Madrid keine wesentlichen zusätzlichen Reformen abverlangt, ist dies der Startschuss für die EZB, zusammen mit dem ESM die Anleihen Spaniens in großem Stil zu kaufen. Angelockt von der Aussicht auf niedrigere Zinsen und lasche Reformauflagen, dürfte Italien folgen und ebenfalls Anleihekäufe beim ESM beantragen. Um der EZB den gesichtswahrenden Rückzug aus dem Programm zu ermöglichen, werden die Euro-Retter dem ESM schon bald eine Banklizenz ausstellen, mit der er sich frisch gedrucktes Geld für weitere Bondkäufe von der EZB besorgen kann. Die Staatsfinanzierung durch die Notenpresse wird so wohl bald zum Normalfall in Europa werden – Inflation und Vermögenspreisblasen eingeschlossen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.08.2012, 12:10 UhrGnomon

    Man hat in der deutschen Presselandschaft das Gefühl, dass abgesehen von einigen lichten Momenten im Wirtschaftsteil der FAZ, nur in der WiWo Ross und Reiter genannt werden.
    Danke für realistische Einschätzungen, vernunftgeleitete ökonomische Analysen und klare Kommentare!

  • 17.08.2012, 12:08 Uhrraentnaer

    Die Geschichte wiederholt sich. Die Bundesbank durfte nicht dagegenhalten. Das mit der Banklizenz für den ESM glaubt nur, wer den ESM-Vertrag nicht gelesen hat: Der ESM ist von sämtlicher Lizensierung befreit: Wenn er ´ne Wurstbude aufmachen will, reicht ein einfacher Beschluss.

  • 17.08.2012, 10:18 Uhrallesverloren

    Das letzte Halali, zieht Euch warm an.

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