Euro-Rettungspolitik: Vorsicht, Angriff!

ThemaEZB

KommentarEuro-Rettungspolitik: Vorsicht, Angriff!

von Malte Fischer

Regierungen und die Europäische Zentralbank holen die Notenpresse heraus – und bereiten den nächsten Großangriff gegen die Märkte und die Geldbeutel der Bürger vor.

Exakt fünf Jahre ist es her, dass die Finanzkrise ausbrach. Im August 2007 fror der Interbankenmarkt ein, weil sich die mit schrottigen US-Immobilienpapieren vollgepumpten Banken in Europa gegenseitig nicht mehr über den Weg trauten. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte darauf mit „unkonventionellen Maßnahmen“, indem sie den Banken Zentralbankgeld in unbegrenzter Höhe zur Verfügung stellte. Die Banken griffen zu und liehen sich 95 Milliarden Euro von der EZB. Ein im Vergleich zu den folgenden Rettungssummen geradezu winziger Betrag. Seither hat die EZB zwei dicke Berthas abgeschossen, mit denen sie den Banken eine Billion Euro für drei Jahre lieh, sie hat den Einlagenzins auf null Prozent gesenkt und für weit über 200 Milliarden Euro Staatsanleihen und Pfandbriefe gekauft.

Nächste Attacke

Anzeige

Geholfen hat das geldpolitische Feuerwerk aus Frankfurt wenig. Sicher, der Euro lebt noch. Doch zu welchem Preis? Die vertraglichen Grundlagen der Währungsunion wie die Nichtbeistandsklausel wurden zerstört, die Sanktionsmechanismen des Marktes in Form hoher Zinsen ausgehebelt, die Unabhängigkeit der EZB der Staatsfinanzierung geopfert, Verlustrisiken sozialisiert und durch ungehemmtes Gelddrucken die Basis für künftige Preisblasen gelegt.

Statt das Krisenjubiläum zum Anlass zu nehmen, die Sinnhaftigkeit der Währungsunion, zumindest in ihrer aktuellen Zusammensetzung, zu hinterfragen, bereiten Notenbanker und Politiker den nächsten Großangriff gegen die Märkte und die Geldbeutel der Steuerzahler vor.

Unter den Schirm

Anfang September wird das Bundesverfassungsgericht über die Vereinbarkeit des Euro-Rettungsschirms ESM mit dem deutschen Grundgesetz entscheiden. Winken die Karlsruher Richter den ESM durch, wovon Regierungen und EZB wohl ausgehen, dürfte die Transformation Europas in eine Transfer- und Inflationsunion Schlag auf Schlag folgen. Spanien, wegen seiner Bankenkrise ohnehin unter Druck, wird sich wohl im Herbst an den ESM wenden, damit dieser spanische Anleihen kauft und die Zinsen drückt.

Währungsunion Sloweniens Euro-Alptraum

Das kleine Adria-Land boomte – bis zur Einführung des Euro. Die Gemeinschaftswährung weckte Begehrlichkeiten und verleitete zu Größenwahn. Nun steht das einstige Musterland vor einem Scherbenhaufen.

Quelle: dpa/Montage

Verbunden mit einem Anpassungsprogramm light, das Madrid keine wesentlichen zusätzlichen Reformen abverlangt, ist dies der Startschuss für die EZB, zusammen mit dem ESM die Anleihen Spaniens in großem Stil zu kaufen. Angelockt von der Aussicht auf niedrigere Zinsen und lasche Reformauflagen, dürfte Italien folgen und ebenfalls Anleihekäufe beim ESM beantragen. Um der EZB den gesichtswahrenden Rückzug aus dem Programm zu ermöglichen, werden die Euro-Retter dem ESM schon bald eine Banklizenz ausstellen, mit der er sich frisch gedrucktes Geld für weitere Bondkäufe von der EZB besorgen kann. Die Staatsfinanzierung durch die Notenpresse wird so wohl bald zum Normalfall in Europa werden – Inflation und Vermögenspreisblasen eingeschlossen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%