Euro-Staaten-Überprüfung: Alle Jahre wieder: Das Rating-Agentur-Bashing

Euro-Staaten-Überprüfung: Alle Jahre wieder: Das Rating-Agentur-Bashing

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Gebäude von Standard & Poor's

Nachdem Standard & Poor’s, einer der drei weltweit führenden Ratingagenturen, eine Überprüfung diverser Eurostaaten ankündigte, folgte prompt blankes Unverständnis – in einer ungewöhnlichen allumfassenden Parteienkoalition. Das aber ist unverantwortlich, weil es Ursache und Wirkung katastrophal pervertiert.

Sie kämpfen Seite an Seite, verwenden die gleichen Worten und sind sich in der Sache vollkommen einig. Sie bilden eine Entente Cordial aus allen politischen Richtungen, Regierung wie Opposition. Angela Merkel, Gesine Lötsch, Horst Seehofer, Rainer Brüderle, Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und – natürlich - Andrea Nahles. Alle bilden eine herzliche Adventsrunde, weil man einen vermeintlichen gemeinsamen Feind gefunden hat!

Was war geschehen? Anfang Dezember kündigte die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) an, Deutschland, Frankreich, den EFSF sowie weitere EU-Länder einer Neubewertung zu unterziehen. Deutschland, das zu dem Kreis weltweit weniger Ländern mit der absoluten Höchstnote AAA gehört, könnte mit langfristiger Tendenz „negativ“ anstelle von „stabil“ ausgezeichnet werden. Weder wurde seitens S&P das Rating, das diese unternehmerische Maßnahme ihrem Geschäftsmodell entsprechend durchführt, herabgesetzt noch wird damit die Kreditwürdigkeit Deutschlands prinzipiell als fragwürdig bezeichnet. Aber genau diesen Eindruck gewinnt man aus den einhelligen Kommentaren der Staatsfrauen und -männer.

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Dabei scheint es prinzipiell gleich, welches Land heruntergestuft wird (wie beispielsweise bereits bei den USA und Japan geschehen): Prompt setzt ein plumpes Ratingagentur-Bashing ein.

Nie wird der Grund bemängelt, den die Bewertung lediglich anzeigt. Selten wird das Urteil als Anlass für Korrekturen der ursächlichen Fehlentwicklungen genutzt. Aber immer wird der Bote der schlechten Nachricht an den Pranger gestellt.

Doch es ist kurios – wenn nicht absurd -, dass nicht eine zu positive Bewertung Anlass der heftigen Reaktionen und Kritik wurde, wie es im Falle der Hypotheken-Derivate war, die seit 2008 von einer Bankenkrise in einen Weltwirtschaftskrise mündeten. Zu positive Noten können schwerwiegende Konsequenzen für den Anleger bedeuten, da er die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls falsch kalkuliert. Im aktuellen Fall war es lediglich die Ankündigung einer graduellen Neubewertung des Schuldners Deutschland, das möglicherweise nicht mehr den allerhöchsten Level erreichen wird. Folgt man dem Schwall an Reaktionen auf Ratings kann man den Eindruck erhalten, Ratings sind alles, nur niemals akzeptabel.

Was Ratings aussagen

Zur Richtigstellung, was Ratings aussagen, kann man folgende Aussagen treffen:

1) Rating versuchen, Wahrscheinlichkeiten über den Ausfall einer Investition zu kalkulieren. Diese Wahrscheinlichkeiten werden in Codes ausgedrückt, AAA, Aa, BB+ etc

2) Ratings sind keine Ratschläge zur Kaufentscheidung über eine Investition.

3) Der Wert einer Ratingagentur selbst beruht auf dem maßgeblichen Unternehmensasset „Zutrauen und Kompetenz gekoppelt an Objektivität und Unabhängigkeit“. Allein das Vertrauen von Investoren aller Art, dass die Ratingnote eine exakte Analyse widerspiegelt, begründet deren Existenzberechtigung.

4) Ratings sind kein Zeugnis über die Richtigkeit von Investitionsmodellen.

Kein Investor würde einem Rating eine Bedeutung schenken, das von einer Rating Agentur vergeben wird, die von einem Schuldner anzunehmend oder erkennbar abhängig ist.

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