_

Eurokrise: Griechenland lässt Euro-Retter zappeln

von Tim Rahmann

Athen ignoriert ein Ultimatum der Euro-Partner. Die politische Führung des Landes kann sich nicht auf Lohnkürzungen einigen. Bleibt Europa hart – oder fließen weitere Milliarden?

Seit Tagen warten Politiker und Märkte ungeduldig auf den schon häufiger in Aussicht gestellten erfolgreichen Abschluss der quälenden Verhandlungen über Kernelemente eines umfassenden zweiten Hilfspakets für Griechenland. Was dies so schwierig macht: Es geht zwar um ein großes hehres Ziel: nämlich die erdrückende Schuldenlast von über 350 Milliarden Euro für das überschuldete Land auf längere Sicht wieder tragfähig zu machen. Doch bis das große verwinkelte Hilfsgebäude steht, müssen fünf Baustellen abgearbeitet werden - großteils parallel.

Quelle: dpa

Das Urteil der Troika ist unmissverständlich: Griechenland habe seine Sparvorgaben deutlich verfehlt. Wirtschaft und Staatsapparat seien in „katastrophalen Zuständen“, schreiben die Kontrolleure der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds laut „Bild“ in ihrem neuesten Bericht.

Anzeige

Die nackten Zahlen stützen den Bericht: Der griechische Schuldenstand stieg laut Prognosen im vergangenen Jahr auf 369 Milliarden Euro, das sind 163 Prozent des BIPs. Das Leistungsbilanzdefizit lag 2011 nach Schätzungen wohl bei horrenden 27,9 Milliarden Euro.

Die Zweifel wachsen, ob Griechenland ob dieser Zahlen überhaupt noch zu retten ist. Fakt ist: Die Zeit drängt – und die Geduld der Geldgeber schwindet.

Bis Mitte März braucht Athen neue Milliarden der Europartner. Doch die gibt es nur, wenn das Land zu weiteren Reformen bereit ist. Sollte Athen die notwendigen Reformen nicht umsetzen, könne es nicht erwarten, „dass Solidaritätsleistungen von den anderen erbracht werden“, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean Claude Juncker dem „Spiegel“.

Zögern und zaudern

Doch statt die Zügel anzuziehen, zögert und zaudert die politische Führung Griechenlands. Der unabhängige Ministerpräsident Lucas Papademos sowie die Parteipolitiker Antonis Samaras von den Konservativen und der sozialistische Finanzminister Evangelos Venizelos konnten sich bislang in zentralen Punkten nicht einigen.

Athen ist demnach zwar bereit, den Staat um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes 2012 zu verschlanken. Doch weitere Lohnkürzungen, gefordert wird die Senkung des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 751 auf etwa 600 Euro, wollen sie nicht mittragen. Persönliche Interessen stehen einer Einigung im Weg.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.02.2012, 16:26 UhrStephan.Locher

    Ein Verschlanken um 1,5% des BIP klingt erst einmal beachtlich.
    Andererseits betragen die Schulden 163% des BIP und das Leistungsbilanzdefizit ca. 12,2% des BIP. Andersgesagt: es werden magere 3,45 Mrd. Euro angeboten, wo 28 Mrd. Euro gespart werden müssten, nur um zu verhindern, daß der Schuldenberg unaufhörlich weitersteigt.
    Anders gesagt: es ist leicht ersichtlich, daß Griechenland weder sparen will noch kann. Somit ist ein Ende mit Schrecken allemal besser (geregelter Staatsbankrott) als ein Schrecken ohne Ende (weiter wie bisher).
    Schließlich verspielt gerade der gesamt Euroraum auch den letzten, spärlichen Rest seine Glaubwürdigkeit, wenn er dieses Kasperletheater weiter laufen lässt.

  • 06.02.2012, 15:22 UhrNichtDumm

    Helft den Griechen doch endlich wirklich und lasst sie aus dem Euro raus. Das Leid der Griechen ist ja nicht mehr mit anzusehen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.