Eurokrise: Portugals steiniger Weg

Eurokrise: Portugals steiniger Weg

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Von der schnellen Truppe. Kunststoff-Unternehmer Luís Febra, Mitarbeiter.

Steigende Exporte und ein sinkendes Defizit geben Portugal Hoffnung – weitere Hilfskredite braucht es dennoch.

Krise? In der Welt des portugiesischen Mittelständlers Luís Febra kommt dieses Wort nicht vor. „Unsere Auftragsbücher sind randvoll“, sagt der Geschäftsführer von Socem, einer zwischen Lissabon und Porto angesiedelten Unternehmensgruppe. Mit seinen 350 Mitarbeitern produziert und exportiert er hoch komplizierte Metallformen für die Kunststoffindustrie sowie Plastikteile für die Automobil- und Elektronikbranche. Vergangenes Jahr verkauften Febras Unternehmen Waren im Wert von 18 Millionen Euro, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein guter Teil davon ging nach Deutschland.

Die Rezession, der 78 Milliarden schwere Rettungskredit von der Europäischen Union (EU), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), die immer neuen Sparrunden der Regierung und das Schreckensvorbild Griechenland – all das spielt für Febra kaum eine Rolle, und vielen seiner Kollegen geht es ähnlich. Socem ist Teil eines Clusters von mehr als 500 Formenbauern im Norden Portugals; die wohl größte Zusammenballung dieses Sektors in Europa. Viele dieser Unternehmen bauen nicht nur Formen, in die ihre Kunden dann den flüssigen Kunststoff gießen, sondern sie fabrizieren auch selbst Plastikteile. Fast alles geht in den Export, vor allem nach Deutschland, Spanien und Frankreich.

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Extrem spezialisiert

Gegen die internationale Konkurrenz, die vor allem in Deutschland sitzt, kann Socem sich behaupten. Zwar sind „die deutschen Hersteller meist extrem spezialisiert, weil sie den Kunden nebenan haben“, sagt Febra. Doch aus dem Nachteil, keinen eigenen Markt zu haben, hätten die Portugiesen eine Tugend entwickelt: „Wir sind Chamäleons, arbeiten für mehrere Sektoren gleichzeitig und können uns schnell umstellen“, erzählt der Firmenchef beim Rundgang durch die blitzsauberen, von großen Maschinen und Robotern deutscher und Schweizer Herkunft dominierten Fabrikhallen: „Portugals Markt ist die Welt.“

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Diagramm: Die Schere schließt sich (zum Vergrößern bitte klicken)

Dass Portugal der Welt mehr als Tourismus zu bieten hat, beweisen nicht nur Firmen wie Socem, sondern auch die Exportstatistik. Die Gesamtausfuhren stiegen 2011 um 15 Prozent, die Exporte nach Deutschland nahmen sogar um 20 Prozent zu. Mittlerweile sind 80 Prozent des Importvolumens durch Ausfuhren gedeckt, das Handelsbilanzdefizit war Ende 2011 auf die Hälfte des Vorjahres geschrumpft. Im Bereich Automobile und Autoteile fuhr Portugal sogar einen Handelsüberschuss ein.

Zu diesen Erfolgen tragen auch deutsche Unternehmen wie Bosch, Volkswagen oder Kirchhoff Automotive bei, die in Portugal Fabriken mit modernster Technologie aufgebaut haben und von dort exportieren. Allein Bosch hat in den vergangenen fünf Jahren 130 Millionen Euro investiert, unter anderem in ein Forschungszentrum für Warmwasserboiler. Bis 2013 will die Gruppe weitere 65 Millionen in ihre portugiesischen Aktivitäten investieren.

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