Eurokrise: Wie teuer ist der Euro-Kollaps?

17. Oktober 2012
Experten befürchten, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone die komplette Weltwirtschaft erschüttern könnte - Doch wie wahrscheinlich ist das Worst-Case-Szenario? Quelle: dapdBild vergrößern
Experten befürchten, dass ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone die komplette Weltwirtschaft erschüttern könnte - Doch wie wahrscheinlich ist das Worst-Case-Szenario? Quelle: dapd

Mit aller Macht wollen die Euro-Partner Griechenland in der Währungsunion halten. Doch was passiert, wenn das nicht gelingt? Experten warnen vor einem Flächenbrand – und Kosten in schwindelerregender Höhe.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor Wirtschaftsvertretern in Singapur deutlich gemacht, dass eine Pleite Griechenlands nicht zur Diskussion steht. „There will be no Staatsbankrott“, sagte der überzeugte Europäer. Griechenland kann mit einen Aufschub bei den Sparvorhaben und mit der Auszahlung der nächste Kredittranche rechnen, ein zeitnahes Euro-Aus der Griechen scheint zunächst mal wieder vom Tisch.

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Unterstützung erhält die Bundesregierung von einer Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Experten warnen darin: Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone könnte die Weltwirtschaft erschüttern. Es sei bei einem Euro-Aus Griechenlands „nicht auszuschließen, „dass die Kapitalmärkte dann auch Portugal, Spanien und Italien das Vertrauen entziehen und es dort ebenfalls zu Staatsbankrotten kommt. Die Weltwirtschaft würde dadurch in eine tiefe Rezession fallen.“

Bei einem Kollaps der Euro-Zone würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt im schlimmsten Fall bis zum Jahr 2020 Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden.

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Ist der Euro-GAU wahrscheinlich?

Beeindruckende Zahlen, doch die Frage bleibt, wie wahrscheinlich der Domino-Effekt und damit auch das Worst-Case-Szenario ist. Schließlich ist seit gut einer Woche der dauerhafte Euro-Rettungsschirm gespannt, er kann Pleite-Kandidaten bis zu 500 Milliarden Euro leihen. Auch die Europäische Zentralbank hat angekündigt, den Euro um jeden Preis, sprich: per Notenpresse, zu retten. In der Währungsunion halten viele die Ansteckungsgefahren in Folge einer Griechenland-Pleite für verkraftbar.

Gelänge es, Griechenland isoliert in den Staatsbankrott zu führen, seien die Folgen für die Weltwirtschaft „ökonomisch verkraftbar“, erklären auch die Autoren der Bertelsmann-Studie. Deutschland müsste bei einem Austritt Griechenlands aus dem Währungsraum bis 2020 mit 73 Milliarden Euro Einbußen bei der Wirtschaftsleistung rechnen. Dazu kämen 64 Milliarden Euro Einmalkosten für den „Grexit“ durch Abschreibungen auf Forderungen privater und öffentlicher Gläubiger, so die Autoren der Studie. Griechenland käme die Rückkehr zur Drachme weitaus teurer: Den Berechnungen zufolge müsste sich das Land auf 164 Milliarden Euro Wachstumsverluste bis 2020 einstellen.

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Bei den Szenarien wurde unterstellt, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wurde angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde.

Wie teuer eine dauerhafte Subventionierung Griechenlands den Euro-Ländern zu stehen kommt, haben die Experten nicht berechnet.

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Kommentare | 6Alle Kommentare
  • 17.10.2012, 13:17 UhrFunin

    Und wie teuer wird ein Nicht-Austritt - speziell für Deutschland?

    ALLE wissen doch dass die Süd-Staaten und die Süd-Banken NIEMALS ihre Schulden zurückzahlen werden / können / wollen.

    Wenn man daher von "Garantien geben" oder "Haftung übernehmen" redet heißt das in Realität, dass das Geld das Deutschland hier "im Feuer" hat in jedem Fall schon unwiederbringlich weg ist, aber stündlich mehr wird!

    Die Drohung dass Deutschland bei einem Euro-Austritt viel Geld verlieren würde ist also Volksverdummung, denn das Geld um das es geht IST IN JEDEM FALL VERLOREN.
    Es geht also nur darum schlechtem Geld nicht noch gutes Geld hinterher zu werfen.

    Und nach dem früher oder später in jedem Fall kommenden crash werden die Süd-Staaten unter Führung Frankreichs fordern, sofort beim Neustart mit einer finalen Transferunion zu beginnen.

  • 17.10.2012, 15:38 Uhrmichel

    Alle bisher von den Marktteilnehmern getätigten Schulden und Zinszahlungen waren anscheinend nötig, um das jetzige Wohlstandsniveau zu erreichen. Jetzt scheint weltweit eine Schuldendimension erreicht, die zuverlässige Zinszahlungen aller Schuldner mit real zu erwirtschafteten Werten nicht mehr ermöglicht. Rückführung der Schulden (wie?) auf ein Niveau realistisch leistbarer Zinslasten bedeutet automatisch Wachstumseinbruch, Deflation und Wohlstandsverlust. Bezogen auf die Staatsschulden weltweit wäre es eine Möglichkeit, auslaufende Staatsschulden nur noch zu maximal 3% am Kapitalmarkt anzubieten. Alles was zu diesen Konditionen nicht vom Markt aufgenommen wird zeichnen die Zentralbanken. Die Zentralbanken zahlen die Kapitalbesitzer aus, ihnen entsteht also kein Verlust Sie müssen sich halt für einen Teil ihrer Gelder risikoreichere Anlagemöglichkeiten suchen, wenn ihnen 3% Zinsen nicht genug sind. Die Zentralbanken begeben neue Kredite an die Länder und berechnen statt Zinsen Tilgungsraten (2-3%), um die Verschuldung zu senken und dadurch Freiräume für sinnvolle Zukunftsinvestitionen und weiteres Wachstum zu schaffen. Alle Neukredite über die Zentralbanken sind an reale wirtschaftliche Vorgaben gekoppelt und dürfen nicht massiv zum Abwürgen von Wirtschaftswachstum und sozialen Strukturen führen. Negative Bilanzen der Zentralbanken durch die Kreditvergabe sind grundsätzlich kein Problem da die "Geldvermehrung" nur von privatem Schuldgeld zu staatlichem Schuldgeld umgeleitet wird. Letztendlich ist ja so wie so immer der Staat (und somit alle Bürger) haftbar für alle Schulden. Dann kann der Staat auch beginnen, zumindest einen Teil der Geldschöpfung unter seine Kontrolle zu bringen. Theoretisch könnten sogar bei zunehmender Negativbilanz der Zentralbanken Staatsschulden komplett gestrichen werden, ohne große Verwerfungen an den Kapitalmärkten zu verursachen. Das wären nur Buchungen ohne Auswirkungen da ja die Staaten wieder neue Kredite aufnehmen.

  • 17.10.2012, 17:34 UhrMargrit

    Wenn ich schon Bertelsmann-Stiftung lese.
    Ein absolut staatstreuer Verein, absolut neoliberal
    Außerdem sind Liz Mohn und Merkel beste Freudinnen
    Von dort kam schon die Vorlage zur Agenda 2010
    Das mit dem Euro-Austritt jetzt klingt so nach Göppels-Propaganda
    Das Volk, das zunehmend kritischer wird, muß nun schnell mit diesen Zahlen, die durch nichts belegt wurden,auf Linie gebracht werden

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