Europa: Die Euro-Krise ist noch lange nicht vorbei

Europa: Die Euro-Krise ist noch lange nicht vorbei

Haben wir die Krise in Europa bereits überstanden? Nein, sagt unser Gastkolumnist Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt bei der DZ Bank. Besonders in Frankreich und Italien gibt es noch erhebliche Risiken, die auch die umliegenden Staaten mitreißen könnten.

Die Meldung kam doch ein wenig überraschend. Moody’s hat als erste große Ratinggesellschaft die Euro-Krise für beendet erklärt. Doch, ist diese Krise wirklich schon vorbei? Oder geht die deutliche Erholung an den Finanzmärkten lediglich zurück auf das blinde Vertrauen in die Europäische Zentralbank und deren Rettungsvehikel.

Lassen Sie uns einen kurzen Blick zurückwerfen in den Verlauf der Euro-Krise. Denn hier liegen die Ursachen der Probleme. Nur wenn diese Probleme gelöst sind, ist die Krise auch tatsächlich vorbei.

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Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Stefan Bielmeier ist seit 2010 der Chefvolkswirt und Leiter Research der DZ Bank, dem Zentralinstitut von mehr als 900 Genossenschaftsbanken. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Bis Mitte der 90er Jahre mussten Länder wie Spanien und Portugal noch Zinsen von etwa zehn Prozent für ihre Staatsanleihen zahlen. 1999 waren es nur noch fünf Prozent. Was war passiert? Die internationalen Investoren gingen für die Euro-Länder von folgenden Annahmen aus: niedrigere Inflation, solidere Haushaltspolitik auf  Grund des Stabilitätspaktes und dass die Euro-Länder kein Mitgliedsland fallen lassen werden. Nicht alle diese Erwartungen konnten erfüllt werden. So nutzten einige Länder die billigeren Zinsen für eine deutlich höhere Verschuldung. Die Folge war ein starkes schuldengetriebenes Wachstum, welches lange Zeit die strukturellen Schwächen der Länder überdeckte. Kurz gesagt: Die volkswirtschaftlichen Ersparnisse durch die niedrigen Zinsen wurden lieber in den Konsum gesteckt statt in die langfristigen Entwicklung der Länder.

Euro-Krise entzweite Europa

Mit der US-Immobilienkrise 2007 und der Lehman-Pleite 2008 traten die Defizite dieser Problemländer auf einmal deutlich zutage. Der Euroraum wurde nun nicht mehr als Ganzes gesehen, sondern sehr differenziert betrachtet. Griechenland, Irland, Portugal und Spanien mussten mit Hilfsgeldern gerettet werden. Allen Ländern wurde ein hartes Sparprogramm auferlegt.

Schwellenländer-Krise Kommt nun das Ende der Globalisierung?

Von der Krise der Schwellenländer profitieren vor allem die Industrienationen, schreibt unser Gastautor Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

Quelle: dpa

Eine echte Beruhigung der Staatenkrise konnte jedoch erst durch das konsequente Einschreiten der Europäischen Zentralbank erreicht werden. Die Aussage des EZB-Präsidenten Mario Draghi, den Euro und die Währungsunion um jeden Preis zu stabilisieren, sorgt für Beruhigung und schuf die Basis, die es den Problemländern möglich machte, an ihren Reform- und Sparprogrammen zu arbeiten. Erste Erfolge sind tatsächlich erkennbar: Ländern wie Irland und Portugal ist nach einer Verbesserung der Haushaltsdaten und der Umsetzung von Reformen inzwischen die Refinanzierung am Kapitalmarkt wieder möglich. Alle Peripherieländer konnten Ende 2013 auf Quartalsbasis wieder positive – wenn auch geringe - Wachstumszahlen ausweisen. Als Ergebnis kam es zuletzt vermehrt zu Rating-Heraufstufungen oder Verbesserungen des Rating-Ausblicks, und die Renditen sowie die Bund-Spreads der Staatsanleihen der meisten Peripheriestaaten notieren inzwischen wieder auf mehrjährigen Tiefständen.

Doch ist die Euro- bzw. Staatenkrise damit nun wirklich vorbei wie man dies den jüngsten Begründungen von Moody´s entnehmen könnte? Moody´s begründet seine Einschätzung vor allem mit den gesunkenen Zinslasten für diese Länder.

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