Europa: Die Wahl in Frankreich gefährdet die Euro-Rettung

Europa: Die Wahl in Frankreich gefährdet die Euro-Rettung

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Die beiden Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy und Francois Hollande kämpfen mit verschiedenen Mitteln um Wählerstimmen aus fremden Gewässern.

von Benjamin Reuter

Stimmenfang bei der Rechten, aufgeschobene Reformen und Nervosität auf den Finanzmärkten: Die französische Präsidentschaftswahl gefährdet Angela Merkels Euro-Rettung.

Brüderlichkeit. In Paris zählt der Begriff zurzeit nicht mehr viel. Zumindest im Hinblick auf Europa. Jetzt ist es Egoismus, der neben Freiheit und Gleichheit regiert. Je näher die entscheidende Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy und seinem Herausforderer François Hollande am kommenden Sonntag rückt, desto mehr stehen das europäische Projekt und die Stabilität des Euro infrage.

Der Grund: Beide Kandidaten fischen am rechten Rand. Sie wollen die 18 Prozent der Bürger für sich einnehmen, die im ersten Wahlgang vor knapp einer Woche für Marine Le Pen stimmten, die Vorsitzende des stramm rechten Front National. Zwei bisher als überzeugte Europäer geltende Kandidaten kämpfen also um eine Klientel, die gegen Sparen, Einwanderung, Freihandel und den Euro ist. Die Taktik von Nicolas Sarkozy: Er will das „Leidensvotum“ nutzen, indem er noch stärker auf das Thema Immigration und die schützende Rolle des Staates in der Krise setzt. Der Sozialist François Hollande dagegen schürt die „soziale Wut“ mit Sprüchen gegen Finanzindustrie und Raubtierkapitalismus.

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Frankreich wackelt

Dabei wird deutlich: Egal, wer die Wahl gewinnt, der wichtigste Partner von Bundeskanzlerin Angela Merkel für das Projekt Euro-Rettung wankt. Dringend nötige Reformen – Haushalt, Arbeitsmarkt, Sozialsystem – drohen in die Warteschleife zu geraten. Die Akteure an den Finanzmärkten blicken deshalb mit Sorge auf den Wahlkampf. Schon jetzt zahlt Paris für zehnjährige Kredite knapp doppelt so viel wie Berlin. Es könnte bald noch mehr werden.

öffentliche Ausgaben Quelle: UBS London

Was Nicolas Sarkozy und Francois Hollande unterscheidet: öffentliche Ausgaben (* in Prozent des Bruttosozialprodukts; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: UBS London

Der erste Grund dafür heißt Hollande, der fürchten muss, dass die Ratingagentur Moody’s schon bald Frankreichs Bonität um eine weitere Stufe senkt. Der Sozialist hat bereits einen „War-Room“ mit Finanzexperten eingerichtet, die im Fall seiner Wahl Börsianer und Händler beruhigen sollen. Dennoch befürchtet der Broker Markus Huber vom Londoner Finanzdienstleister ETX Capital einen Kurssturz an der Börse, sollte der Herausforderer siegen. „Sarkozy hat meist abgenickt, was Merkel wollte“, sagt er. Die Verlässlichkeit von Hollande bei der Euro-Rettung stehe dagegen infrage.

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