Europa im Umbruch: Rennen Schottland die Unternehmen weg?

Europa im Umbruch: Rennen Schottland die Unternehmen weg?

, aktualisiert 18. September 2014, 08:26 Uhr
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Eine Royal Bank of Scotland-Filiale in London: Schottlands Großbanken wollen bei einem Votum für die Unabhängigkeit ihren Sitz nach London verlegen.

Am Donnerstag stimmen die Schotten über die Unabhängigkeit von London ab. Das Ergebnis ist nicht absehbar. Die ersten Unternehmen drohen schon mal, Schottland den Rücken zu kehren und nach London überzusiedeln.

Bisher drohte nur die britische Regierung Schottland mit negativen Konsequenzen im Falle eines Ja-Votums zur Unabhängigkeit. So hatte Anfang September der britische Schatzmeister George Osborne noch einmal bekräftigt: Großbritannien werde das Pfund nicht teilen. Nun kündigen die ersten Banken und Versicherer an, Schottland den Rücken zu kehren.

So heißt es in einem Statement der Royal Bank of Scotland (RBS), sie plane den Hauptsitz nach England zu verlegen, sollte Schottland in die Unabhängigkeit gehen. Der Wechsel des Hauptsitzes solle aber keine Auswirkungen auf das alltägliche Kundengeschäft in Schottland haben.

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Großbritannien

  • Wirtschaftswachstum

    2013: 1,4 Prozent

    2014: 2,6 Prozent

  • Inflation

    2013: 2,6 Prozent

    2014: 2,3 Prozent

  • Arbeitslosenquote

    2013: 7,7 Prozent

    2014: 7,3 Prozent

  • Quelle der Daten

    IHS Global Insight

Die RBS wurde nach massiven Verlusten im Rahmen der Finanzkrise 2008 von der britischen Regierung mit 45 Milliarden Pfund gerettet. Großbritannien hält 84 Prozent der RBS-Anteile. Ob ein unabhängiges Schottland in der Lage wäre, den Finanzsektor zu stabilisieren, ist äußerst fraglich. Die Größe der RBS im Vergleich zu Schottlands BIP würde zu einem immensen Risiko für den Schottischen Steuerzahler führen, so eine Studie über Schottlands Finanzsektor aus dem vergangenen Jahr. Lloyds, zu deren Bankengruppe die Bank of Scotland gehört, kündigte ebenfalls einen Wechsel des Firmensitzes der 1695 gegründeten Bank von Edinburgh nach London an.

Droht Schottland im Falle der Unabhängigkeit ein Unternehmens-Exodus?

„Ich denke, die Abwanderung konzentriert sich auf den Finanzsektor“, sagt Clemens Fuest, Präsident des Europäischen Zentrums für Wirtschaftsforschung. „Es wäre doch ein großer Unterschied für die Unternehmen, ob sie in London sitzen oder in Edinburgh.“

Grund dafür seien vor allem die Währungsunsicherheiten. So ist es noch völlig offen, ob Schottland den Pfund behalten darf, es auf absehbare Zeit Teil der Euro-Zone werden kann oder Schottland gar eine eigene Währung einführt. Diese würde möglicherweise schnell unter Druck geraten. „Das können sich Banken in dieser Größenordnung nicht leisten“, so Fuest.

David Nish, Geschäftsführer des schottischen Versicherungskonzern Standard Life, deutete ebenso einen Weggang aus Edinburgh an. Standard Life habe eine lange Geschichte in Schottland und hoffe, dass das so bleibe. „Aber unsere Pflicht ist es, die Interessen unserer Kunden, Aktionäre, Angestellten und unseres Geschäfts zu schützen.“

Fuest hält solche Überlegungen für gerechtfertigt: „Standard Life hat die überwiegende Zahl seiner Kunden außerhalb Schottlands.“ Das Gleiche gelte für die RBS.

Der schottische Finanzsektor ist derzeit für rund 13 Prozent der Arbeitsplätze Schottlands verantwortlich. Alleine Lloyds und die RBS beschäftigen mehr als 25.000 Menschen. Wie viele dieser Arbeitsplätze einem Weggang zum Opfer fielen, ist unklar.

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