Europa: Österreich entwickelt sich zum Sorgenkind

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Europa: Österreich entwickelt sich zum Sorgenkind

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Wie schlecht steht es um die österreichische Wirtschaft?

von Nora Jakob

Um die österreichische Wirtschaft steht es schlecht: Die Wachstumsraten sind niedrig, die Investitionen gehen zurück, die Verschuldung schoss zuletzt in unerwartete Höhen. Das sind die Probleme der Alpenrepublik.

Mit der Wirtschaft in der Eurozone geht es wieder aufwärts: Spanien, Portugal und Italien geht es immer besser. Schlagzeilen macht zwar vor allem Griechenland – im negativen Sinne. Österreich galt an der Seite Deutschlands bislang immer als ein Garant für Stabilität und gute Bonität. Anfang des Jahres aber hat die US-Ratingagentur Fitch Österreich die Spitzennote AAA gestrichen – und das Land auf AA+, die zweitbeste Bewertung, zurückgestuft.

Grund dafür war ein nicht erwarteter Anstieg der Verschuldung auf 89 Prozent. Außerdem seien auch die Wachstumsaussichten „mäßig“. Obwohl das Finanzministerium zunächst beruhigt und im „aktuellen Rating keine negativen Auswirkungen“ auf Österreich sieht, ist es das Wachstum, das dem Land in Zukunft große Probleme machen wird.

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Im EU-Vergleich hinkt die Wirtschaft der Alpenrepublik hinterher: Im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat um lediglich 0,1 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2014. Für Österreich ist das zwar ein kleiner Erfolg - zuletzt lag die Steigerung bei 0,0 Prozent. Das durchschnittliche BIP in der EU liegt allerdings bei 0,4 Prozent.

„Die Situation für die österreichische Wirtschaft ist beunruhigend“, sagt Bernhard Felderer, Präsident des östereichischen Fiskalrats. Das Gremium übernimmt Überwachung europäischer Finanzvorschriften in Österreich. In einer Rezession befinde sich das Land aber nicht, ergänzt Wirtschaftsforscher Karl Aiginger. Er ist seit 2005 Leiter des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Es gebe ein niedriges Wachstum, aber keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung. „Eine der Ursachen für die Schwächeperiode ist eine ungünstige Entwicklung von Märkten mit hohem Wachstumspotential und starker österreichischer Präsenz wie zum Beispiel die Schwarzmeerregion und Russland“, sagt Aiginger.

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Deutschland, Frankreich und Österreich konjunktgeschwächt Quelle: dpa/Montage

Pleite Kärntens wurde abgewendet

Aber das sind nicht die einzigen Probleme, die Österreich hat: Hinzu kommt etwa die Milliarden-Pleite der Hypo Alpe-Adria, die nicht nur den Freistaat Bayern, sondern auch Österreich insgesamt mehr als acht Milliarden gekostet hat. Über die Folgen ist eine ganze Reihe von Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich entbrannt und dem Bundesland Kärnten drohte Anfang Juni die Pleite. Diese scheint nun in letzter Sekunde mit einem Notkredit abgewendet, das Problem der offenen Milliardenhaftungen für die Hypo Alpe-Adria bleibt aber ungelöst. Die Pleite Kärntens konnte aber nur abgewendet werden, weil Österreich über ihre Bundesfinanzierungsagentur 343 Millionen Euro auf den Kapitalmärkten aufgenommen hat.

„Die staatlichen Budgets sind unter anderem durch die Last der Bankensanierung, aber auch durch hohe Pensionsausgaben belastet“, sagt Wirtschaftsforscher Aiginger. Ein Österreicher geht durchschnittlich mit 59 Jahren in Rente und erhält weiterhin bis zu 71 Prozent seines Einkommens. Mit dem frühen Renteneintrittsalter liegt Österreich zusammen mit Belgien an dritter Stelle.

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