Europa-Studie: Griechen zahlen offene Rechnungen zu spät

Europa-Studie: Griechen zahlen offene Rechnungen zu spät

Quelle:Handelsblatt Online

Die griechischen Verbraucher sind im europäischen Vergleich am zögerlichsten bei der Begleichung offener Rechnungen. Doch auch die Deutschen sind längst nicht Spitze - vor ihnen liegen zwei osteuropäische Staaten.

Die Verbraucher in Griechenland zahlen einer Studie zufolge ihre Rechnungen oft nicht pünktlich. Im europäischen Vergleich seien die Griechen die unzuverlässigsten Zahler, heißt es in der Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des internationalen Finanzdienstleisters Eos.

Sie bezahlen nur 69,5 Prozent ihrer Rechnungen innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist. Bei den griechischen Unternehmen sieht es nicht besser aus: Mit 64,8 Prozent pünktlichen Zahlungen liegen sie ebenfalls auf dem letzten Platz unter zehn untersuchten europäischen Ländern.

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Wie Athens Regierung die Sparauflagen frisieren will

  • Hintergrund

    Die neue griechische Koalitionsregierung hat am Wochenende ihre Pläne zur Lockerung des Sparpakts veröffentlicht. Der Koalitionsvertrag der drei Regierungsparteien - Konservative, Sozialisten, Demokratische Linke - nennt als zentrales Ziel, die Frist für die Umsetzung der Sparauflagen um zwei Jahre zu verlängern.

  • Streckung der Frist für neue Sparauflagen

    Athen wünscht eine Streckung um mindestens zwei Jahre. Es geht um Sparmaßnahmen in Höhe von schätzungsweise 11,5 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten sie 2013 und 2014 umgesetzt werden. Athen will dafür nun Zeit bekommen bis Ende 2016.

  • Arbeitsmarkt/ Verschlankung des Staates

    „Keine weiteren Kürzungen der Löhne und Renten; keine neuen Steuern“, lautet das Motto. Die geplante Entlassung von 150 000 Staatsbediensteten soll nicht wie ursprünglich vorgesehen erfolgen, stattdessen wird ein stufenweiser Abbau angestrebt. Stufenweise sollen auch wieder die niedrigeren Renten und Löhne angehoben werden. Arbeitslosengeld soll statt bislang ein Jahr künftig 24 Monate ausgezahlt werden.

  • Steuerreform/ Wachstum

    Ein neues gerechteres und langfristiges Steuersystem soll ausgearbeitet werden. Die Mehrwehrsteuer (23 Prozent) soll im wirtschaftlich wichtigen Bereich Tourismus und Gastronomie reduziert werden. Schwer verschuldete Haushalte und Personen sollen ihre Schulden stufenweise zurückbezahlen. Niemand soll mehr als 25 Prozent seines Einkommens für den Abbau seiner Schulden aufwenden. Die Gelder aus den Strukturfonds der EU sollen intensiv genutzt werden.

  • Landwirtschaft

    Das Land soll möglichst keine landwirtschaftlichen Produkte einführen. Die Rückkehr junger Leute in die Landwirtschaft soll unterstützt werden.

  • Gesundheit/ Versicherungen

    Alle Bürger sollen die Möglichkeit haben, ärztlich behandelt und medizinisch versorgt zu werden - unabhängig davon, ob sie arbeiten oder keinen Job haben. Das zusammenbrechende Versicherungssystem soll wieder auf die Beine gestellt werden.

  • Staat/ Politisches System

    Die Immunität von Ministern soll eingeschränkt werden. Der Bürokratie wird der Kampf angesagt. Dies gilt auch für die Steuerhinterziehung.

  • Migration

    Die Flüchtlingswelle soll durch strengere Kontrollen der Grenzen eingedämmt werden. Verantwortliche für Übergriffe auf Migranten sollen konsequent strafrechtlich verfolgt werden.

  • Außenpolitik

    Griechenland soll eine stabilisierende Rolle in der Region des östlichen Mittelmeeres spielen. Gute Nachbarschaft mit allen Ländern der Region. Förderung einer Europäischen Politik für das Mittelmeer.

Pünktliche Zahler seien vor allem die rumänischen Verbraucher, die 92,2 Prozent aller Forderungen fristgerecht begleichen. Damit liegen sie auf Platz eins vor den russischen (90,0 Prozent) und den deutschen (82,4 Prozent) Konsumenten. Generell sei die Zahlungsmoral in Osteuropa etwas besser als in Westeuropa. Private Verbraucher zahlen schneller als Unternehmen, sowohl im Osten wie auch im Westen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Zahlungsmoral habe die allgemeine Wirtschaftslage. Gründe für ausbleibende Zahlungen seien oft Überschuldung und fehlende Liquidität.

Unterdessen hat der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), zur Rettung des von der Staatspleite bedrohten Griechenlands die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone vorgeschlagen. Unternehmen würden in Griechenland nur investieren, wenn dort mehrere Bedingungen erfüllt seien, sagte der Politiker dem Magazin "Der Spiegel".

"Erstens muss es ein klares Bekenntnis zum Euro geben", erklärte Schulz. Niemand werde investieren, solange er zittern müsse, ob Griechenland irgendwann den Euro verlassen werde. "Zweitens muss die griechische Regierung bereit sein, gemeinsam mit europäischen Institutionen das Land aufzubauen." Und drittens müsse es Investitionszulagen für Unternehmen geben, die nach Griechenland gehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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