Europäische Union: EU-Austritt käme England teuer zu stehen

Europäische Union: EU-Austritt käme England teuer zu stehen

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Während des USA-Besuchs von Großbritanniens Premierminister David Cameron ist in seiner Heimat der Streit über die EU-Mitgliedschaft seines Landes eskaliert. Mit Michael Gove und Philip Hammond sagten zwei Minister seiner Regierung, sie würden aus der EU austreten, wenn sie jetzt entscheiden müssten.

Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wäre hart für die EU - und würde die Insel schwächen: Die Briten verlören viele Handelsvorteile und vielleicht sogar den Finanzplatz London.

Nicht wenige Parteifreunde des konservativen britischen Premierministers David Cameron dringen auf einen EU-Austritt. Lieber heute als morgen würden sie ihr Land lösen aus dem Staatenverbund, der ständig zerstritten ist und wegen der hohen Schulden mitten in der Krise steckt. Cameron hat signalisiert, dass er sich ein Referendum darüber bis 2017 vorstellen kann, sollte er 2015 wiedergewählt werden. Umfragen zeigen, dass die Briten durchaus für eine solch radikale Kehrtwende stimmen könnten. Wirtschaftlich wäre dies aber hochriskant, wie Experten betonen. Großbritannien müsste seine Handelsbeziehungen mit den jetzigen EU-Partnern neu verhandeln. Auch die Rahmensetzungen für Geschäfte mit Ländern außerhalb der EU, womöglich auch die Position innerhalb der Welthandelsorganisation WTO bedürften einer Überarbeitung. Der in Großbritannien besonders wichtige Finanzsektor könnte unter Druck kommen.

Großbritannien Cameron unter Druck

Der Streit um den Verbleib Großbritanniens in der EU schwächt Premier David Cameron und stellt die Konservativen vor eine Zerreißprobe. Ein Austritt würde die EU in eine tiefe Krise stürzen.

David Cameron Quelle: rtr

"Ich sehe keinerlei Vorteile, die das bringen würde", sagt der Brite Roderick Abott, ehemals einer der Top-Leute in der WTO und auch der EU-Handelsbehörde. Ob die EU im Falle eines Austritts noch bereit wäre, Großbritannien in den Genuss der Handelsvorteile eines einheitlichen EU-Binnenmarktes kommen zu lassen, wäre fraglich. "Wenn man sagt, wir wollen die Tür zu euch zuschlagen und nicht mehr in euer Budget einzahlen, kann man dann fordern: ermöglicht uns freien Handel, und zwar ohne Gegenleistung?" Möglich sei zwar alles, aber sicher sei nichts, so Abott.

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Großbritannien würde wahrscheinlich im Handel schlechter gestellt werden. Denn die EU erhebt auf Waren aus Ländern außerhalb des eigenen Binnenmarktes Importzölle - die würden dann auch britische Exporteure treffen. Diese Zölle beliefen sich im Jahr 2011 im Güterverkehr auf durchschnittlich 5,3 Prozent, im Agrarbereich sogar auf 13,9 Prozent. Über die Hälfte der britischen Waren-Exporte und ein Drittel der Dienstleistungen wie etwa Finanzgeschäfte gingen 2011 in die Union - mit einem Volumen von umgerechnet 356 Milliarden Euro.

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