Europäische Union: Kroatien schleppt sich dem EU-Beitritt entgegen

Europäische Union: Kroatien schleppt sich dem EU-Beitritt entgegen

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Kroatien leidet unter einer lahmen Wirtschaft, schlechter Infrastruktur, hohen Produktionskosten und Vielem mehr. Der Beitritt zur Europäischen Union soll das Land stärken

von Tim Rahmann

Das Bundeskabinett will heute dem für Juli 2013 geplanten Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union grünes Licht geben. Doch in der Koalition regt sich Widerstand gegen einen zentralen Punkt des Beitrittsverfahrens.

Kroatien sehnt den EU-Beitritt herbei. Zum 1. Juli 2013 tritt das osteuropäische Land der Staatengemeinschaft bei. Politik und Wirtschaft erhoffen sich einen dringend benötigten Wachstumsschub.

Zwar konnte Kroatien bis 2008 ein langjähriges stabiles Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 4,2 Prozent aufweisen, doch die Finanzkrise schickte die Volkswirtschaft auf Sturzflug. Um 6,0 Prozent nahm das Bruttoinlandsprodukt 2009 ab, 2010 wurde ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet und auch in diesem Jahr soll die Wirtschaft – nach einer Mini-Erholung 2011 – wieder in die Rezession rutschen.

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Das Bundeskabinett will heute dennoch grünes Licht für den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union geben. Damit wird auch eine Euro-Einführung des Landes möglich. In der Koalition regt sich dagegen Widerstand. Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, hat sich angesichts der eskalierenden Euro-Schuldenkrise für neue EU-Beitrittsregeln ausgesprochen. „So wie die Euro-Zone durch Ein- und Austritte von Staaten atmen können sollte, so sollte das auch für die Europäische Union gelten“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. Bisher gelte allerdings, dass ein Beitritt zur EU auch verpflichtend zu einer Übernahme des Euro führe. „Diese Verknüpfung sollten wir klarstellend aufheben, auch andere Länder haben Sonderregeln bekommen.“

Wissenswertes über Kroatien

  • Wo liegt Kroatien überhaupt?

    Kroatien liegt am Mittelmeer gegenüber von Italien. Das Land grenzt an Slowenien, Ungarn, Serbien und Bosnien-Herzegowina, hat eine Gesamtfläche von 56.542 Quadratkilometer, einschließlich 1.246 Inseln. Rund 4,5 Millionen Kroaten wurden zuletzt gezählt, die meisten von ihnen sind Katholiken.

  • Ist Kroatien ein Urlaubsland?

    Die fast 1800 Kilometer lange Küstenlinie mit zahlreichen vorgelagerten Inseln, sowie Weltkulturerbe-Stätten und Nationalparks machen Kroatien zu einem attraktiven Reiseziel. Fast zwölf Millionen Touristen zog Kroatien 2011 an, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Tourismussektor bildet damit ein Fünftel des Bruttoinlandsproduktes.

  • Wird man in Kroatien nass?

    Kroatien zählt zu den 30 wasserreichsten Staaten der Welt, in Europa steht das wässrige Land gar auf Platz drei mit 32.818 Kubikmetern an erneuerbaren Wasserreserven pro Kopf und Jahr. Abgesehen von den vielen Flüssen und Seen, wird es sonst eher in der Küstenregion nass, wo die Niederschlagsmenge doppelt so hoch ist wie im Landesinneren.

  • Wie steht es um Kroatiens Wirtschaft?

    Das BIP-Wachstum betrug 2011 0,2 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 2,8 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 11,3 Prozent. Die wichtigsten Handelsgüter Kroatiens sind Erdöl, Nahrungsmittel, Maschinen und Elektrotechnik.

  • Was können Kroaten besser als Deutsche?

    Lebkuchenherzen backen. Diese süße Spezialität stammt nämlich ursprünglich aus Kroatien: seit dem 16. Jahrhundert werden die Herzen in Klöstern gebacken, verziert und zu besonderen Anlässen verschenkt.

Schäffler begründete seinen Vorstoß damit, dass künftig neben dem gemeinsamen Währungsraum auch die Stabilität der gesamten EU abgesichert werden müsse. „Die Aufhebung der Verknüpfung ist erstens Voraussetzung für Austritte aus der Euro-Zone bei gleichzeitiger Beibehaltung der EU-Mitgliedschaft“, sagte das FDP-Bundesvorstandsmitglied. „Zweitens könnten wir so verhindern, dass die Schwierigkeiten der Euro-Zone auf die Europäische Union abfärben.“

Eine Euro-Einführung ist derzeit noch kein Thema, zunächst muss Kroatien – so steht es im EU-Beitrittsvertag – Maastricht-Kriterien erfüllen. Doch selbst in Zagreb verspürt niemand Eile, die Ziele zeitnah zu erfüllen. Ursprünglich wollte die Regierung innerhalb von zwei Jahren Euro-tauglich sein. Doch inzwischen geht keiner in dem osteuropäischen Land davon aus, vor 2017 über den Euro zu spekulieren.

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Quelle: dpa/Montage

Insbesondere im Tourismussektor haben die Kroaten Angst davor, ähnlich wie Griechenland, ihren Preisvorteil zu verlieren und vor allem deutsche Urlauber an Nicht-Euro-Länder wie die Türkei zu verlieren. Das Urlauber-Geschäft wächst bislang konstant und trägt inzwischen ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. 2010 haben laut dem Auswärtigen Amt rund 10,6 Millionen Touristen Kroatien besucht, 3,2 Prozent mehr als 2009. Im vergangenen Jahr konnte mit knapp zwölf Millionen Touristen gar ein neues Rekordergebnis verbucht werden. Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus würde das Handelsdefizit, das 2010 von -5,1 Prozent auf -1,1 Prozent gesenkt werden konnte, sofort wieder in die Höhe schießen.

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