Europäische Union: Schicksalstage für den Euro

KommentarEuropäische Union: Schicksalstage für den Euro

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Wenig durchdachte Rettungsversuche, zahlreiche schädliche Nebenwirkungen, Ohnmacht und Inkompetenz - Dem Euro droht der Absturz

von Frank Doll

Politik und EZB haben die Kontrolle über die Banken- und Schuldenkrise verloren. Nach dem Debakel in Zypern stehen jetzt Spanien und Slowenien auf der Kippe. Dem europäischen Bankensystem droht der Kollaps und dem Euro der Absturz.

Rettungsfonds, monetäre Staatsfinanzierung, Wachstumspakt, Kapitalverkehrskontrollen, Fiskal- und Bankenunion – alles, was die europäischen Regierungen und Institutionen jetzt noch gemeinsam unternehmen, wird den Euro nicht mehr retten können. Nach dem Zypern-Debakel sind die Probleme und die politischen Widerstände mehrere Nummern zu groß geworden für das gesamteuropäische Krisenmanagement.
Letzte Zweifel an ihrer Inkompetenz und Ohnmacht haben die Euro-Retter in den vergangenen Tagen beseitigt.

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Schädliche Nebenwirkungen

Seit Beginn der Euro-Krise 2010 war jeder neue Rettungsversuch weniger durchdacht als der vorherige und hat immer mehr schädliche Nebenwirkungen erzeugt. Im Ringen um Zypern wurden ganz nebenbei die Einlagengarantie, die monetäre Integrität der Euro-Zone und der freie Kapitalverkehr in Frage gestellt. Dabei waren Griechenland und Zypern noch der vergleichsweise leichtere Teil der Übung. Eine Rettung von Spanien und seiner Pleitebanken wird ungleich problematischer. Die jetzt angekündigte Restrukturierung von fünf verstaatlichten spanischen Pleitebanken wird viele zu Bankaktionären avancierte gutgläubige Kleinsparer um ihr Vermögen bringen. Die rund 750.000 in Spanien lebenden Briten werden dieses Risiko nach den Erfahrungen ihrer Landsleute in Zypern kaum eingehen und ihre Gelder lieber heute als morgen von den spanischen Banken abziehen. So beginnt ein Bankenrun.

Allein die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Euro-Laden noch mühsam zusammen. Aber wie lange noch? Die hohe Abhängigkeit der europäischen Banken von den jetzt akut abflussgefährdeten Bankeinlagen und die immer mieser werdende Qualität auf der Vermögensseite ihrer Bilanzen provozieren weitere Solvenz- und Liquiditätskrisen. In Slowenien etwa sind die drei größten Banken des Landes akut von der Pleite bedroht.

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14 Kommentare zu Europäische Union: Schicksalstage für den Euro

  • Die EU, die Eurozone haben sich zu einem politischen, sozialen, finanzpolitischen und ökonomischen Brandherd entwickelt. Begünstigt, beschleunigt und teilweise ermöglicht durch die neue Eurowunderwährung. Viele Ökonomen hatten schon lange vor der Begründung dieser Währungsunion vor den ökonomischen Folgen und Risiken eindringlich gewarnt. Vergebens. Man war seit 1990 mit neuen, großen historischen Aufgaben beschäftigt, dabei war schon die Ausgestaltung der Deutschen Einheit ein hervorragendes ökonomisches Anschauungsbeispiel, welche grundlegenden Fehler begangen wurden. Gelehrt hat man nichts, im Gegenteil, mit dem Euro wurden diese neue Wirtschaftspolitik in noch größere Dimensionen fortgesetzt. Mit katastrophalen Auswirkungen für die Menschen, in erster Linie in Deutschland. Die neuen Bundesländer hatten einen gewaltigen menschlichen Aderlass zu verkraften, diese Folgen treten heute immer stärker hervor (Rückbau von Städten, demographische und die damit verbundene Entwicklung, Stichwort INSEK, aufgelockerte Bebauungen). Diesen Prozess können wir aber noch selbst steuern, ausgestalten und selbst formen. Dies können wir aber bei dieser systemischen Finanz-, Banken- und Währungszonenkrise nicht mehr.

    Deutschland, besser seine politischen Eliten, versuchen dieses absehbare ökonomische Desaster zu verschleiern und zu verbergen.

    Die Fehler, die im Jahre 1990, 1999, 2002 und im Mai 2010 begangen wurden, rächen sich jetzt bitter.

    http://www.wiwo.de/politik/europa/eurospezial/schuldenkrise-europa-passt-nicht-unter-ein-dach/7299242.html
    http://www.wiwo.de/politik/europa/waehrungsexperte-hankel-der-euro-droht-zum-transfer-rubel-zu-werden/6365064.html

  • Rückblickend- Voruasschauend kurz gefaßt:
    Googeln Sie die simple Grafik der New York Times mit dem Tiel
    "Europe`s Web of Dept" vom 02. Mai 2010 (alle EU- Strategen haben
    es schon damls gewußt) mit den damaligen Schulden der 5 PIIGS
    und deren Verbindlichkeiten allein zu Frankreich, Großbritanien,
    Deutschland und Sie ahnen (jetzt drei Jahre später) was da auf die Europäer und diese "Einheitswährung" zu kommt, jetzt nach Zypern das vor drei Jahren noch kein nach außen getragenes Thema war, doch jeder dort vermittelte Seemann wußte "den Erfolg des Systems" dort bereits vor 30 Jahren. Nur der Mann im Rollstuhl, seine Dame aus der DDR, die EU- Strategen im Königreic Belgien haben es ignoriert solange es dieses System problemlos lief. Good luck uns vereingten Europäern.

  • Deutschland unter dem Rettungsschirm!
    ----------------------------------------
    Vielleicht noch ergänzend zu Dijsselboems Äußerungen, mit
    dem Vorwurf, er würde Zweifel säen? Welche Zweifel eigent-
    lich noch?
    Er kann gar keinen Schaden mehr anrichten, denn die seit
    2008 gekaufte Zeit mit den Insolvenzverschleppungen in
    dieser 'EU' nähert sich langsam ihrem Ende.
    So spricht D. mit dürren Worten nur Teile der eingetrete-
    nen Tatsachen gelassen aus, denn in Wirklichkeit befin-
    det sich Zypern schon seit acht Monaten im Insolvenz-
    stadium und wird nur durch die Wechselreiterei, sprich den
    Ankauf von faulen Staatsanleihen, wenn überhaupt, von der
    EZB mit dem ELA-System im künstlichen Koma gehalten.
    Der Hintergrund sind vermutlich die Anweisungen von Gold-
    man-Sachs an die Ratingagenturen Zypern nicht in das über-
    fällige 'D' wie default einzustufen, da sonst der CDS Markt
    des Schattenbankengeschäftes zusammenbrechen würde, und
    Goldman-Sachs als einer der Hauptakteure in der entstehen-
    den Kettenreaktion mit in den Konkurs gerissen werden
    würde.
    Wenn der Fall Zypern einzigartig ist und ein Sonderfall sein
    soll, dann wird die Sonderbehandlung der BRD Steuerzahler
    nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn viele kann man
    austricksen, aber bestimmt nicht den regulären Kapitalmarkt,
    der mit unerbitterlicher Härte im Zinsbereich zuschlagen
    wird. Sobald die Zahlen des aufgetürmten Berges der faulen
    Staatsanleihen der EZB bekannt werden, welche mit der Schaf-
    fung der Bankenunion über den ESM abgestoßen werden sollen,
    dürfte es nicht mehr weit sein bis die 'sytemrelevante'
    BRD als Goldesel ebenfalls unter den Rettungsschirm flüchten
    muß, wobei die Frage bleibt wer dann die Finanzierung von
    ESM - bis Target II übernehmen soll?
    China bitte übernehmen Sie!!

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