Europäische Union: Warum lieben alle den Euro?

KommentarEuropäische Union: Warum lieben alle den Euro?

von Tim Rahmann

Eine Umfrage zeigt: 69 Prozent der Deutschen wollen die Gemeinschaftswährung behalten. Es ist der höchste Wert seit der Einführung 2002. Auch im Euro-Ausland finden die Bürger den Euro gut. Wieso bloß?

Nein, da kann EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch so oft das Gegenteil behaupten: Die Euro-Krise ist längst nicht vorbei. Zypern ist vor wenigen Wochen unter den Rettungsschirm geflüchtet. Mit Slowenien, Malta und Italien stehen weitere potenzielle Kandidaten Schlange. Deutschland haftet mit Milliarden für die Kredite an die Euro-Pleiteländer. Und auch die Sparer leiden unter dem Euro: Niedrigzinsen, die unter der Inflationsrate liegen, vernichten schlichtweg Einkommen.

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Trotz allem lässt die Unzufriedenheit über den Euro nach. Mehr als zwei von drei Deutschen (69 Prozent) wollen die Gemeinschaftswährung laut einer Umfrage behalten. Nie war die Zustimmung zum Euro seit dessen Einführung 2002 höher. Im vergangenen Jahr war noch jeder Zweite Euro-skeptisch eingestellt. Heute wünschen sich nur 27 Prozent die D-Mark zurück, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Handelsblatt“.

Euro-Krise Ist die D-Mark besser als der Euro?

Ein beträchtlicher Teil der Bundesbürger wünscht sich die Deutsche Mark zurück. Jene Währung, die dem Land Wachstum und Wohlstand beschert hat. War Deutschland mit Mark und Pfennig wirklich besser bedient?

Quelle: dpa

Sogar die meisten Griechen wollen den Euro behalten

Auch im Euro-Ausland ist von Euro-Ablehnung nichts zu spüren – auch wenn man zuweilen einen anderen Eindruck gewinnen könnte. So zeigen Umfragen, dass zwei Drittel der Griechen am Euro festhalten wollen. Die Wut der Menschen richtet sich nicht gegen die Gemeinschaftswährung, sondern gegen die Sparpolitik der Regierungen, (in weiten Teilen zu Recht) gefordert von der Troika. Ähnlich das Bild in Italien. Der Wahlerfolg des Fünf-Sterne-Chefs Beppe Grillo, der ein Euro-Referendum für Italien fordert, wurde zuvorderst aus Protest gegen die Politik gewählt. In einer Umfrage des Instituts Ispo sprachen sich zuletzt immer noch drei Viertel der Italiener für den Euro aus. Gerade einmal 16 Prozent – und damit weniger Bürger als in Deutschland – halten die Rückkehr zur Nationalwährung für eine gute Idee.

Warum nur mögen trotz aller Krisen auf dem Kontinent alle den Euro? In Sachen Südeuropa ist die Antwort klar: Hier hofft man weiterhin auf Wohlstandsgewinne. Die wirtschaftliche Annäherung der schwachen Staaten an die Wirtschaftsmacht Deutschland ist schließlich eines der Grundversprechen der Gemeinschaftswährung („Mehr Konvergenz“). Dass sich die Schwachen an den Starken orientieren, ihre Preise senken und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, hat sich allerdings als historischer Irrtum erwiesen. Nun soll die Annäherung per Scheck geschehen. Mal soll Deutschland per Eurobonds für die Euro-Zone haften, mal per dramatischen Lohnsteigerungen seine Marktvorteile aufgeben. Entscheidung offen.

Klar ist: Mit dem Ausscheiden aus dem Euro-Raum wären Griechenland und Italien hoffnungslos überschuldet. Ihre Altschulden (in Euro) könnten sie in Drachmen oder Lira, die dramatisch abwerten würden nie zurückzahlen. Noch höhere Arbeitslosigkeit und mehr Armut wären die Folgen.

So weit, so nachvollziehbar. Doch was hält die Deutschen im Euro-Raum?

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