Europäische Union: Wer glaubt noch an die EU?

Europäische Union: Wer glaubt noch an die EU?

von Felix Ehrenfried

Was lässt Menschen zu Unterstützern der europäischen Staatengemeinschaft werden? Wohlstand? Ein besserer Arbeitsmarkt? Amerikanische Forscher haben einen ganz anderen Faktor untersucht.

Die Europäische Union (EU) steckt in der schwersten Krise seit ihrer Gründung in den 1960er Jahren. Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten einiger Mitgliedsstaaten mehrt sich die Kritik. Zum einen an der Währungsunion des Euros, aber auch Gegner eines Vereinten Europas erleben einen bisher nicht dagewesenen Zuspruch.

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So stimmten für den niederländische Rechtspopulist Geert Wilders im Jahre 2010, die Eurokrise war auf ihrem Höhepunkt, bei den Parlamentswahlen rund 15 Prozent der Bürger, in Frankreich erreicht Marine Le Pen mit ihrer Partei Front National (FN) regelmäßig neue Spitzenwerte in Umfragen. Aktuell planen die beiden einen Zusammenschluss mit weiteren, europakritischen Parteien um in Brüssel das Europaparlament aufzumischen. Ob sie dafür genügend Unterstützung der Bürger erhalten werden ist fraglich. Sicher ist jedoch, dass beide es heute leichter haben werden neue Stimmen zu bekommen denn vor wenigen Jahren, als mit dem Euro und der EU noch alles im Lot war.

Konjunkturausblick Die Krise ist noch längst nicht vorbei

IWF-Chefin Christine Lagarde und das Weltwirtschaftsforum sind sich einig: Die Krise ist noch nicht überstanden – es lauern zahlreiche Gefahren für die Volkswirtschaften.

International Monetary Fund Managing Director Christine Lagarde speaks during a luncheon at the National Press Club in Washington January 15, 2014. Quelle: Reuters

Doch wieso sind die Menschen zunehmend europakritisch? Gibt es einen Indikator für die Frage, welche Bevölkerungsgruppen in Europa der EU positiv gegenüberstehen, welche tendenziell negativ?

Mit dieser Frage beschäftigten sich Forscher schon seit der Gründung der Staatengemeinschaft. Was bei dieser Frage besonders interessant ist: Wie steht Europas Jugend der EU gegenüber, gibt es klar definierte Gruppen die sie eher befürworten gegenüber anderen, die die Gemeinschaft tendenziell ablehnen? Diese Frage ist besonders spannend, dürfte doch die Einstellung der Jugend gegenüber der EU entscheidend sein, wie es mit der Zukunft der Staatengemeinschaft weitergeht.

Dieser Frage gehen auch die Forscher Brent Nelsen und James Guth der eher unbekannten amerikanischen Furman University nach. Sie legen ihren Fokus dabei auf die Frage: Kann Religion ein Indikator dafür sein, ob jemand die EU unterstützt oder nicht? Dabei fokussieren sich die zwei Forscher auf europäische Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Was sie dabei in der Studie mit dem Titel „Religion and Youth Support for the European Union“ herausfinden ist erstaunlich: Die Forscher können nachweisen, dass in der von ihnen untersuchten Gruppe gläubige Jugendliche die Europäische Union mehr unterstützen als diejenige, die sich selbst als Nichtgläubig oder Agnostiker bezeichnen.

Außerdem zeigten die Forscher, dass insbesondere katholische und orthodoxe Jugendliche, die sich selbst als sehr gläubig bezeichnen, dem Staatenkonstrukt das größte Vertrauen aussprechen, gefolgt von Jugendlichen mit protestantischem Bekenntnis. Zu dem Ergebnis kommen Nelsen und Guth, beides Politikprofessoren, indem sie Daten des Eurobarometer auswerten. Das Eurobaromter ist eine öffentliche Umfrage, die regelmäßig von der Europäischen Union in ihren Mitgliedsländern durchgeführt wird. Die zwei Forscher fokussieren sich auf die in der Umfrage gestellten Fragen, was die EU für einen persönlich bedeute und was die EU in zehn Jahren vermutlich gebracht haben wird. Die Antwortmöglichkeiten reichen dabei von sehr positiven Antworten („Die EU schafft Jobs“ oder „Sie wird in zehn Jahren eine bessere Lebensqualität für die meisten Menschen schaffen“) bis zu kritischen Antworten („Viel Bürokratie, eine Verschwendung von Zeit und Geld“ oder dass es in zehn Jahren „mehr soziale Probleme“ geben wird). Mit diesen zwei Fragen überprüften die Forscher den Zuspruch der Jugendlichen für die EU.

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